Erzhausen (dpa) - Gaffer und eine fehlende Rettungsgasse haben nach einem schweren Unfall auf der A5 in Hessen die Helfer behindert. Sechs Menschen wurden bei einem Zusammenstoß von insgesamt fünf Fahrzeugen in der Nacht auf Freitag verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Die Polizei musste nach eigenen Angaben mehrere Gaffer ermahnen, einige hätten Videoclips gedreht. Außerdem hätten Einsatzkräfte nur schwer zum Unfallort vordringen können, weil keine Rettungsgasse gebildet worden sei.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Bundesrat strengere Gesetze gegen Schaulustige verlangt, die Fotos oder Videos von Unfallorten machen. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt ein Polizist in Bayern, der mit einer Art Schocktherapie gegen Gaffer vorging. Er knöpfte sich nach einem tödlichen Unfall auf der A6 mehrere Gaffer vor und bot ihnen an, ihnen den Toten zu zeigen, was die Schaulustigen dann doch nicht wollten.

Der Unfall auf der A5 in Hessen geschah kurz vor Mitternacht zwischen den Anschlussstellen Weiterstadt und Langen südlich von Frankfurt. Der Polizei zufolge erkannte ein 19-Jähriger einen Stau zu spät und kollidierte beim Überholen mit zwei Kleinlastern. Ein 44-Jähriger und eine 71-Jährige fuhren mit ihren Autos dann in die Unfallstelle. Alle Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Polizei schätzte den Sachschaden auf rund 400 000 Euro.

Der Autobahnabschnitt dient als E-Highway für Lastwagen; kilometerlange Oberleitungen versorgen Lastwagen dort mit Strom. Das erste derartige Autobahn-Pilotprojekt für Lastwagen im realen Verkehr in Deutschland war Anfang Mai gestartet. Unter den Oberleitungen gilt eine Höhenbeschränkung.

Kurz vor dem Unfall auf der A5 hatte laut Polizei ein mehrspuriger Schwertransport die Strecke befahren. Er blockierte alle vier Spuren - ein Stau war die Folge, in den der 19-Jährige schließlich hineinfuhr. Sein Auto brannte komplett aus.