Berlin (dpa) - Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen weiter stark an. Binnen eines Tages haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 28.438 neue Corona-Infektionen übermittelt. Das geht aus Daten vom Samstagmorgen hervor.

Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum vergangenen Samstag weiter erhöht - da waren es 23.318 Neuinfektionen. Der Höchststand war am Freitag mit 29.875 gemeldeten Neuinfektionen erreicht worden. Die Gesundheitsämter meldeten binnen eines Tages zudem 496 neue Todesfälle - eine Woche zuvor waren es noch 483. Der bisherige Höchstwert von 598 Toten war ebenfalls am Freitag gemeldet worden. 

Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als "sehr hoch" ein. Es hebt unter anderem das Auftreten von Ausbrüchen in Haushalten, beruflichen Situationen sowie in Alten- und Pflegeheimen hervor.

Die Zahl der Neuinfektionen und der Toten schwankt innerhalb einer Woche von Tag zu Tag. In der Tendenz war auch die Zahl der täglichen Todesfälle zuletzt nach oben gegangen, was nach dem steilen Anstieg bei den Neuinfektionen erwartet wurde. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 21.466. 

Zur Lagebeurteilung kommt es laut RKI nicht so sehr auf einzelne Tageswerte sondern viel mehr auf die 7-Tage-Inzidenz an, also die gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Dieser Wert steigt seit über einer Woche wieder deutlich an und lag am Samstag bei einem neuen Höchststand von 163,8. Am Freitag lag er noch bei 156,0 und am 3. Dezember bei 134,0. Zu Beginn des Teil-Lockdowns im November waren es um die 120. Bund und Länder wollen erreichen, dass es weniger als 50 werden - so könnten Gesundheitsämter Infektionsketten wieder nachverfolgen.

Allerdings unterscheidet sich die Inzidenz zwischen einzelnen Bundesländern erheblich. Mit nun 342 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hat Sachsen laut RKI den bei weitem höchsten Wert. Das ist mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Es folgen Thüringen (210) und Bayern (193). Die niedrigsten Werte haben Schleswig-Holstein (73), Mecklenburg-Vorpommern (78) und Niedersachsen (86).

Einer Studie zufolge verringert der Mund-Nasen-Schutz das Corona-Infektionsrisiko um fast die Hälfte - um durchschnittlich rund 45 Prozent. "Das sind 55 statt 100 Neuinfektionen", sagte der Mainzer Ökonom Klaus Wälde, einer der Autoren der im Fachjournal "PNAS" veröffentlichten Untersuchung. "Oder noch anschaulicher: Statt 20.000 Neuinfektionen am Tag hätten wir ohne Masken rund 38 000." Sein Fazit: "Jeder sollte Masken tragen, um sich und andere vor Infektionen zu schützen."

Das Team um Wälde hatte den Sonderweg Jena (Thüringen) untersucht und mit Daten aus ähnlichen deutschen Städten verglichen. In der thüringischen Stadt wurden Schutzmasken bereits am 6. April eingeführt und damit rund drei Wochen früher als in den meisten anderen deutschen Kreisen und Städten.

Auch die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen steigt weiter deutlich an: Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) wurden 4491 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt (Stand Samstag, 12.15 Uhr) - 59 mehr als am Vortag. 57 Prozent von ihnen wurden invasiv beatmet.

Innerhalb von 24 Stunden wurden laut Divi 611 Covid-19-Patienten in Intensivstationen aufgenommen, 412 wurden entlassen und 140 starben. Es sind im Schnitt nur 4886 (18 Prozent) der Intensivbetten frei.

Insgesamt zählt das Robert Koch-Institut seit Beginn der Pandemie 1 300 516 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 12.12., 00.00 Uhr). Nach Schätzungen sind rund 957.500 Menschen inzwischen genesen.

Laut RKI gelten somit geschätzt derzeit in Deutschland 321.500 Menschen als aktive Covid-19-Infizierte. Experten gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Samstag bei 1,17 (Vortag: 1,11). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 117 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

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