Mädchen erstreitet 70 Euro Schadenersatz / Nachspiel für die Eltern?

Schmerzensgeld für Ohrlöcher

Berlin (dapd/dpa) l Ein dreijähriges Mädchen bekommt nach dem Stechen von Ohrlöchern 70 Euro Schmerzensgeld von der Inhaberin eines Piercing- und Tattoo-Studios. Mit diesem Vergleich endete gestern ein von den Eltern angestrengter Zivilprozess vor einem Berliner Amtsgericht. Die Prozesskosten gehen zu Lasten der Streitparteien.

Ob der Fall strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht, blieb noch offen. Der Vorsitzende Richter kündigte nach der Verhandlung an, den Fall "wahrscheinlich" an die Staatsanwaltschaft zu übergeben.

Bezugnehmend auf das sogenannte Beschneidungsurteil des Landgerichts Köln hatte der Richter vor dem Prozess mitgeteilt, er werde prüfen, inwiefern sich die Beteiligten, also auch die Eltern des Kindes, der Körperverletzung strafbar gemacht haben. Aus seiner Sicht ist es "zweifelhaft", ob das Ohrlochstechen dem Kindeswohl diente.

Das Mädchen hatte sich nach Angaben der Eltern zum Geburtstag die Ohrlöcher gewünscht. Stellvertretend für die Minderjährige hatten Mutter und Vater die Inhaberin des Tattoo-Studios auf Schmerzensgeld verklagt, weil die Tochter bei der Prozedur Schmerzen erlitten und noch Tage später traumatische Reaktionen gezeigt hätte.

Die Klage hatte schon vor dem Prozess auch die Frage aufgeworfen, ob bei kleinen Kindern dieser Eingriff überhaupt vorgenommen werden dürfe.