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Solinger Kindermorde: Gutachter sehen volle Schuldfähigkeit

Im Prozess um die Solinger Kindermorde sind der psychiatrische Sachverständige und die psychologische Gutachterin zum gleichen Schluss gekommen.

Von dpa 24.09.2021, 15:57 • Aktualisiert: 27.09.2021, 14:27
Die angeklagte Mutter (r) spricht mit einem ihrer Anwälte.
Die angeklagte Mutter (r) spricht mit einem ihrer Anwälte. Oliver Berg/dpa/Archivbild

Wuppertal - Die unter dem Verdacht des fünffachen Mordes an ihren eigenen Kindern stehende Solingerin ist nach Ansicht der vom Gericht bestellten Gutachter voll schuldfähig. Er habe keine Anhaltspunkte für eine relevante psychische Störung bei der 28-Jährigen entdecken können, sagte Gutachter Prof. Pedro Faustmann am Freitag im Prozess am Wuppertaler Landgericht.

Auch am Tattag selbst gab es demnach keine Hinweise für eine solche Störung. Die Angeklagte sei immer Herrin ihrer Handlungen gewesen. „Es hatte alles eine Ordnung“, sagte Faustmann.

Er könne zwar nicht ausschließen, dass sie in ihrer Familie früher Opfer sexueller Übergriffe geworden sei. Selbst wenn dies der Fall wäre, habe dies aber nicht dazu geführt, dass daraus eine psychische Krankheit entstanden sei.

Nach Ansicht der psychologischen Gutachterin Prof. Sabine Nowara hat die Angeklagte starke narzisstische Züge. „Sie baut ihr Reich auf und meint die Berechtigung zu haben, es zu zerstören“, sagte die Sachverständige. Die Angeklagte sei distanziert und empathielos.

Wo andere zusammenbrechen würden, sei sie kühl und klar geblieben. So habe sie während des Gesprächs mit ihr das Wesen und den Charakter ihrer toten Kinder ohne emotionale Regung beschrieben. Keines der Merkmale für eine relevante psychische Störung sei erfüllt. Sie trage die volle strafrechtliche Verantwortung.

Die Verteidiger hatten vermutet, dass die Angeklagte von ihrem Vater als Kind sexuell missbraucht worden sein könnte. Dies könnte eine psychische Störung bei ihr verursacht haben und die Angeklagte vor einer Verurteilung zu lebenslanger Haft bewahren. Der Vater der Angeklagten ist wegen Besitzes von harter Kinderpornografie rechtskräftig verurteilt.

Die Solingerin soll vor einem Jahr fünf ihrer sechs Kinder betäubt und umgebracht haben. Kurz zuvor hatte ihr Mann ihr mitgeteilt, dass er eine neue Partnerin hat.

Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres in der Wohnung der Familie in Solingen entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Die Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. Die Angeklagte hat die Tat mehrfach bestritten. Ein Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen und habe ihre Kinder getötet.