Agrar

Verhaltener Start in Saison der Brandenburger Lohnmostereien

Die Obsternte läuft in Brandenburg, Zeit ist nun traditionell für die Lohnmostereien. Äpfel und Birnen aus Haus- und Kleingärten werden zu Säften verarbeitet. Doch die Ernte ist in diesem Jahr nicht so üppig.

Von dpa 19.09.2021, 08:29 • Aktualisiert: 20.09.2021, 23:01
Achim Fießiger, Geschäftsführer der Mosterei Ketzür GmbH, hält einen Apfel in der Hand.
Achim Fießiger, Geschäftsführer der Mosterei Ketzür GmbH, hält einen Apfel in der Hand. Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Beetzseeheide - In den Brandenburger Mostereien beginnt nun das Lohnmosten: im Auftrag von Gartenbesitzern wird Obst zu vitaminreichen Säften gepresst. In diesem Jahr startet das Geschäft aber verhalten. Aufgrund von Frösten im Frühjahr, später dann zuviel Regen und hohen Temperaturen sowie Trockenheit lässt die Ernte bei Äpfeln und Birnen in vielen Regionen des Landes zu wünschen übrig.

In der Mosterei von Achim Fießinger in Beetzseeheide (Landkreis Potsdam-Mittelmark) ist zu spüren, dass die Ernte wieder geringer ausfallen wird. Es sei das dritte schlechte Jahr in Folge, finanziell müssten die Einbußen nun verkraftet werden, sagte Fießinger.

Für das Lohnmosten geben Privatleute selbst geerntetes Obst ab: im Kofferraum oder per Fahrradanhänger. Im Betrieb werden die Früchte gewaschen und gepresst. Der Saft wird durch Erhitzen haltbar gemacht und in Flaschen abgefüllt. 100 Kilogramm Äpfel ergeben etwa 60 Liter Saft.

Mostereien bedienten regionale Wirtschaftskreisläufe, so der Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in Brandenburg-Berlin pro agro. Fast alle Mostereien verarbeiteten hauptsächlich Obst aus der Region. „Die Wege werden also kurz gehalten und Einkommen sowie Steuern in der Region generiert“, wird betont.

Auch in der Bauer Fruchtsäfte GmbH in Bad Liebenwerda (Landkreis Elbe-Elster), die das Lohnmosten für Privatleute anbietet, läuft das Geschäft in diesem Jahr etwas verhalten. Die ersten Tage habe es Andrang gegeben, nun weniger, sagte Heike Monien, Marketingchefin. Sie hoffe, dass jetzt noch Privatleute mit ihrer Ernte kommen. Lohnmosten ist nur ein kleiner Teil des Geschäfts: Das Unternehmen Bauer beliefert Gastronomie und Handel mit jährlich etwa 20 Millionen Liter Saft.

Der 35-jährige Fießinger hatte 2015 eine alte Dorfmosterei übernommen und sie im Laufe der Jahre zu einem Bio-Betrieb ausgebaut. Weit über 100.000 Liter Saft im Jahr werden produziert, sagte der Geschäftsführer. Gepresst werde für den eigenen Hofladen und für gewerbliche Kunden. Er presst Früchte von Bio-Obstbauern vor allem aus dem Havelland. Er wünsche sich, dass mehr Landwirte auf Bio umstiegen. Die Nachfrage sei groß.

Nach Schätzungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg wird in diesem Jahr mit einem Ertrag bei Äpfeln von etwa 209 Dezitonnen pro Hektar und damit 59 Dezitonnen pro Hektar weniger als 2020 gerechnet. Die Erträge liegen damit um 23 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Deutsche tranken nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie im vergangenen Jahr durchschnittlich 30 Liter Fruchtsaft. Die beiden beliebtesten Sorten sind Orangensaft mit 7,5 Litern und Apfelsaft mit 6,5 Litern pro Kopf. Dann kommen Multivitaminfruchtsaft, Trauben- und Ananassaft.