Katastrophe

Überschwemmungen und Brände in Mittelmeerraum und Schwarzmeerregion

Dutzende Tote durch Überschwemmungen in der Türkei, Brände und Evakuierungen unter anderem in Israel und Griechenland: Extremwetter hält in Teilen des Mittelmeerraums und der Schwarzmeerregion weiterhin an. Zum Teil verantwortlich ist auch der Mensch. 

Von Mirjam Schmitt, Eva Krafczyk, Stefanie Järkel, Takis Tsafos, Antje Müller; Silvia Kusidlo
Eine Luftaufnahme vom 15. August 2021 zeigt das von den Überschwemmungen betroffene Gebiet in der Stadt Abana in der Provinz Kastamonu, Türkei. Die Zahl der Todesopfer der schweren Überschwemmungen und Schlammlawinen in der türkischen Schwarzmeerregion ist auf 62 gestiegen, wie die türkische Katastrophenschutzbehörde am Sonntag mitteilte.
Eine Luftaufnahme vom 15. August 2021 zeigt das von den Überschwemmungen betroffene Gebiet in der Stadt Abana in der Provinz Kastamonu, Türkei. Die Zahl der Todesopfer der schweren Überschwemmungen und Schlammlawinen in der türkischen Schwarzmeerregion ist auf 62 gestiegen, wie die türkische Katastrophenschutzbehörde am Sonntag mitteilte. Foto: picture alliance/dpa/XinHua | Mustafa Kaya

Istanbul/Tel Aviv/Athen (dpa) - Extremes Wetter herrscht weiterhin in Teilen der Mittelmeer- und der Schwarzmeerregion. Nach heftigen Regenfällen kamen bei Überschwemmungen im Norden der Türkei mindestens 71 Menschen ums Leben. Brände wüten in Israel, Griechenland, Italien und im Süden Frankreichs.

TÜRKEI

Heftige Regenfälle haben in den vergangenen Tagen zu den schlimmsten Überflutungen seit Jahren in der türkischen Schwarzmeerregion im Norden des Landes geführt. Besonders betroffen sind die Provinzen Kastamonu, Sinop und Bartin. Mehrere Häuser und Brücken wurden von den Fluten zum Einsturz gebracht, wie Bilder zeigten.

Die Rettungsarbeiten gingen am Montag weiter, wie die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad mitteilte. Mehr als 40 Menschen würden noch vermisst, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Afad.

Tausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Es würden immer wieder Tote aus eingestürzten Gebäuden geborgen, berichtete die staatsnahe Nachrichtenagentur DHA. Gleichzeitig seien Aufräumarbeiten im Gange, um Straßen und Gebäude von Schlamm zu befreien.

Nach Ansicht von Experten ist neben dem Klimawandel auch die Begradigung von Flüssen und die Einengung des Flusses Ezine im Bezirk Bozkurt ein Faktor für die starken Überschwemmungen.

ISRAEL

Ein am Sonntag westlich von Jerusalem ausgebrochener Waldbrand hat auch am Montagabend noch gewütet. Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett hatte zunächst die Hoffnung geäußert, dass das Feuer im Laufe des Tages unter Kontrolle gebracht werden könnte.

Israel hat sich nach Angaben von Außenminister Jair Lapid mit der Bitte um internationale Hilfe an mehrere Länder gewandt. Griechenland habe bereits Unterstützung zugesagt, schrieb Lapid auf Twitter.

Eine mögliche Evakuierung des Hadassah-Krankenhauses wurde überprüft, wie das Krankenhaus bestätigte. Man habe sich «im Moment» aber dafür entschieden, keine Patienten zu verlagern, hieß es am Abend.

Auch zehn Löschflugzeuge bekämpften die Flammen aus der Luft. Bereits am Montagmorgen waren nach Angaben eines Sprechers der Feuerwehr mindestens 1700 Hektar Fläche verbrannt gewesen. Laut Bennett gingen zudem mehrere Häuser in verschiedenen Ortschaften in Flammen auf.

Nach einem Bericht des Armeesenders geht die Polizei davon aus, dass das Feuer durch Menschen verursacht worden ist. Es müsse sich aber nicht unbedingt um Brandstiftung handeln, sondern könne auch durch Unachtsamkeit entstanden sein. Nach Angaben der Polizei mussten Tausende Familien in mehreren Orten ihre Häuser verlassen.

GRIECHENLAND

Die griechische Feuerwehr hat am Montagabend gegen zwei Brände im Großraum Athen gekämpft. Ein Brand tobte im Osten der Hauptstadt, nahe der Kleinstadt Keratea. Mehrere nahe Ortschaften wurden evakuiert. Ein anderer Brand brach westlich von Athen im Raum der Ortschaft Villia aus. Die Flammen zerstörten dort einen großen Pinienwald, teilte der Zivildienst weiter mit.

Dicke Rauchschwaden aus dem Osten Athens waren bis in die rund 20 Kilometer entfernte griechische Hauptstadt zu sehen. Wegen der seit Monaten anhaltenden Dürre und der starken Winde kann rund ums Mittelmeer auch der kleinste Brand rasch zu einem Flammenmeer werden.

Gut sei, dass die Brände in Regionen tobten, die nah am Meer liegen, hieß es. Somit können Löschflugzeuge und Hubschrauber schnell neues Wasser in ihren Tanks holen, berichteten Augenzeugen aus der Region.

Zwei Bürgermeister der Region sagten griechischen Medien, Brandstifter hätten den Brand bei Keratea gelegt. Angestellte der Stadt Keratea hätten beobachtet, wie ein Mann einen brennenden Lappen in einen Müllcontainer geworfen habe. Anschließend sei der Brand ausgebrochen. Die Feuerwehr prüfe diese Informationen, hieß es.

ITALIEN

In Italien kämpft die Feuerwehr bei anhaltender Trockenheit weiter gegen zahlreiche Waldbrände. Am Montagabend berichteten die Helfer von knapp 630 Einsätzen landesweit in den zurückliegenden zwölf Stunden. Vor allem auf der Insel Sizilien und in Kalabrien im äußersten Süden des italienischen Festlandes rückten sie zu Wald- und Flächenbränden aus, wie die Feuerwehr auf Twitter mitteilte.

Bis zum 22. August sollen in den beiden mit am härtesten betroffenen Regionen Einheiten aus dem Rest Italiens weiter die Brandbekämpfung unterstützen, hieß es von der Zivilschutzbehörde aus Rom.

Mit Blick auf die Temperaturen dürfte Italien zunächst die Hitzewelle überstanden haben. Das Gesundheitsministerium stufte landesweit die Hitze-Warnstufe für die kommenden beiden Tage zurück. Auch der offizielle Wetterbericht der Luftwaffe prognostizierte niedrigere Temperaturen um die 30 Grad Celsius für weite Teile Italiens.

Wegen der Trockenheit bleibt die Waldbrandgefahr vor allem auf Sizilien hoch. Der dortige Zivilschutz stufte für Dienstag mit Ausnahme einer Provinz die Insel in die höchste Warnstufe ein.

Seit Mitte Juni zählte die Feuerwehr in ganz Italien nach eigenen Angaben Zehntausende Vegetationsbrände. In Sizilien und Apulien an der Adria-Küste waren es den Angaben zufolge über 10 000. Dahinter folgten Kalabrien und Latium, wo die Hauptstadt Rom liegt.

FRANKREICH

Nach einer Hitzewelle und großer Trockenheit kämpft die Feuerwehr in Südfrankreich gegen größere Waldbrände. Zwei Löschflugzeuge und ein Löschhubschrauber unterstützten die Feuerwehrtrupps am Boden, meldete am Montag die französische Zivilschutzbehörde. Betroffen sind das Departement Bouches-du-Rhône und Var.

Die Feuerwehr in Marseille berichtete auf Twitter über einen Vegetationsbrand auf einem Bergzug außerhalb der Stadt, zu dem rund 100 Löschkräfte mit 40 Fahrzeugen ausgerückt seien. Menschen gerieten in dem unbewohnten Gelände bislang nicht Gefahr.