Mit seiner Unterhaltungskochshow war Horst Lichter in Magdeburg zu Gast

Von Buttersünden, Ernährungsvernunft und den Grenzen des "guten" Geschmacks

Von Rolf-Dietmar Schmidt

"Kann denn Butter Sünde sein?" Mit dieser Frage seines zweiten Soloprogramms gastierte am Sonnabend der vor allem durch Kochshows im Fernsehen bekannt gewordene Koch und Comedian Horst Lichter in der Magdeburger Stadthalle.

Magdeburg l Horst Lichter geht davon aus, dass er der "Staatsfeind Nummer 1 der Weight Watchers" sei, um genüsslich in seiner Show Riesenbutterstücke in einer Pfanne auf dem Bühnenherd zerlaufen zu lassen. Abgeschmeckt wird das Ganze dann mit einer halben Flasche Sahnelikör. Mit dieser Kalorienbombe verwöhnt er dann einige Zuschauer aus den ersten Reihen.

Das Kochen bildet den Rahmen für das Comedian-Programm, mit dem Horst Lichter rund zwei Stunden lang seine Sicht auf die Welt, auf die Genussfähigkeit der Menschen und die nach seiner Meinung nach Unsinnigkeit jeder Form der gesunden Ernährung verkündet. Alles ist geregelt, alles ist verboten, da soll wenigstens geschlemmt werden, dass sich jedem Diabetesarzt die Haare vor Entsetzen aufstellen. Horst Lichter hält in seinem Programm - es ist das zweite, mit dem er in Magdeburg gastiert - ein flammendes Plädoyer für den ungebremsten Genuss in jeder Hinsicht. Das verwundert insofern, als der gelernte Koch aus Rommerskirchen schon in jungen Jahren zwei Schlaganfälle, einmal mit einem Herzinfakt hatte.

Witze an der Grenze des guten Geschmacks

"Überall, wo mager draufsteht oder als Wort drinsteckt, wird mir schlecht", bekennt er freimütig, um dann wortgewaltig gegen alle Regeln der Ernährungsvernunft zu wettern. Es mag der rheinische Dialekt sein, der es dem Mann mit dem markant geschwungenen Schnurrbart ermöglicht, Dinge zu sagen, die gegen jede ernährungs- und allgemeinpolitische Korrektheit verstoßen.

Es klingt einfach nicht so hart, hat immer den Ton der Verbindlichkeit, wenngleich die gut verpackten Inhalte mitunter doch sehr an den Karneval erinnern.

Horst Lichter ist ein Verführer im doppelten Sinn. Er verführt die Geschmackssinne in Gefilde weit weg von jeglicher Vernunft, aber er verführt mit rheinischem Charme auch in Bereiche, in denen über Schwule oder Kranke Witze gemacht werden, die recht häufig an der Grenze des guten Geschmacks liegen. Lacher im Publikum sind da nicht immer ein Indiz für humoristische Qualität.

Die Show "Kann denn Butter Sünde sein?" ist perfekt inszeniert, besticht durch ausgefeilte Ton-, Video- und Lichttechnik. Hinzu kommt das ausgesprochene Comedy-Talent des Künstlers, der es schafft, sein Publikum rund zwei Stunden lang mit wenig Inhalt, aber sehr viel Komik bestens zu unterhalten. Nicht umsonst hat er mit seinen Veranstaltungen landauf, landab schon mehr als 100000 Zuschauer begeistert. Auch in Magdeburg flogen ihm die Sympathien zu. Wer einfach mal nur abschalten, lachen, sich ebenfalls über die Schwächen der anderen lustig machen wollte, der war bei Horst Lichter bestens bedient. Mehr durfte man von dem Abend aber nicht erwarten.

Lichter: Wirkliche Sünden liegen fernab aller Kalorienbomben

Da ist dann schon mal eine Viertelstunde davon die Rede, wie man als vor Hunger verzweifelter Autofahrer auf der A7 schließlich in einer Frittenbude landet. Was dann sehr intensiv und farbig beschrieben folgt, sind verbale Ekelattacken vom Essen voller Schimmelpilze bis hin zur unappetitlichen Erscheinung der Wirtin.

Die Beantwortung der Frage, ob denn Butter tatsächlich Sünde sein könne, hebt sich Horst Lichter bis zum Schluss auf. In einem gekonnten Sprechgesang zählt er auf, was für ihn wirkliche Sünden sind.

Da kommen dann brennende Kinderwagen im Hausflur vor oder der Ärger mit den Nachbarn wegen über den Zaun wachsender Kirschzweige, anstatt einen Kuchen zu backen und diesen zu teilen. Ein schönes, versöhnendes Schlussbild, das aber einen etwas bitteren Beigeschmack angesichts des vorhergehenden Inhaltes nicht überdecken kann.

Horst Lichter hat, das machte der Beifall der Zuschauer am Ende der Show deutlich, offenbar den Geschmack des größten Teils der Zuschauer getroffen. Aber Geschmäcker sind nun mal verschieden.