Wernher von Braun wäre heute 100 Jahre alt geworden

Von der V2 zur Saturnrakete

Berlin (dapd) l Er paktierte mit den Nazis und brachte mit der von ihm entwickelten V2-Rakete Leid und Tod über Tausende. Nach 1945 stellte er sich in den Dienst der Amerikaner, trug zur ersten bemannten Mondlandung bei und stieg zum nationalen Helden der USA auf: Wernher von Braun wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Schon als Kind begeisterte sich von Braun für Naturwissenschaften und Astronomie. Mit 13 rüstete er einen Bollerwagen mit Feuerwerksraketen aus, als junger Erwachsener bastelte er mit anderen Enthusiasten Raketenmotoren, erst in Berlin-Tegel, später in Kummersdorf vor den Toren der Stadt. Er war erst 25, als er 1937 Technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde wird und Trägersysteme für Hitlers Waffen entwickelt. Die von seinem Team konstruierte A-4-Rakete war ein technisches Meisterwerk: 1942 erreichte sie als erste den Weltraum.

Leid brachte seine V2-Rakete den Häftlingen des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora, die sie in einer unterirdischen Fabrik im Harz unter unmenschlichen Bedingungen montieren mussten. Mehr als 10000 von ihnen kamen beim Bau der Waffe ums Leben. Von Braun war sich der Situation der KZ-Zwangsarbeiter bewusst. Während der letzten Kriegstage setzte er sich nach Süddeutschland ab und stellte sich dem US-Militär. Er wusste, dass die Amerikaner Interesse am Fachwissen der deutschen Raketeningenieure hatten.

In den USA ermöglichten wieder politische Umstände - diesmal der Kalte Krieg - von Braun die Umsetzung seiner Visionen. Als US-Präsident Kennedy 1961 das Ziel ausgab, bis Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu bringen, erfüllte sich von Brauns Lebenstraum. Die von ihm maßgeblich mitentwickelte Saturn V brachte die Apollo-11-Astronauten 1969 erst ins All und dann als erste Menschen auf den Mond. Die Mondlandung verschaffte von Braun den Status als nationaler Held. Zugleich begann mit ihr sein Abstieg: Der Nutzen der bemannten Raumfahrt wurde zunehmend bezweifelt, das NASA-Budget drastisch gekappt, seine Visionen von Flügen zu Mars und Venus wurden belächelt. Verbittert wechselte der 60-Jährige in die Privatwirtschaft, kurz danach bekam er die Diagnose Krebs. Er starb am 16. Juni 1977 im Alter von 65 Jahren.