Berlin (dpa) - Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 684 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 206.926 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert.

In Deutschland starben nach den RKI-Angaben bislang 9128 mit dem Virus infizierte Menschen - seit dem Vortag kamen somit sechs neue Todesfälle hinzu. Bis Mittwochmorgen hatten 191.300 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Reproduktionszahl lag nach RKI-Schätzungen bei 1,14 (Vortag: 1,25).

Derweil könnte der Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein bei weiter deutlich steigenden Corona-Zahlen zum Risikogebiet werden. Ein Kreissprecher sagte, innerhalb der vergangenen sieben Tage seien Stand Mittwochfrüh 33 Neuinfektionen festgestellt worden. Am späten Nachmittag sollten die Labor-Ergebnisse von weiteren 45 getesteten Personen vorliegen. "Einige dieser Personen zeigen Corona-typische Symptome, so dass wir mit weiteren positiven Tests rechnen."

Bei den 33 Corona-Infizierten handelt es sich nach Angaben des Sprechers vor allem um Reiserückkehrer vom West-Balkan und aus Skandinavien, aber auch im Kontext dieser Rückkehrer erfolgte Ansteckungen im familiären Bereich. Der überwiegende Teil der Neuinfektionen sei auf mehrere in Dithmarschen lebende Familien entfallen, die einen engen Verbund miteinander pflegten.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat die Bürger dazu aufgerufen, im Umgang mit Corona nicht nachlässig zu werden. "Die Pandemie ist für alle anstrengend. Die Pandemie nervt zum Teil. Die Pandemie kostet Kraft bei vielen Menschen. Aber die Pandemie ist auch für viele Menschen bedrohlich", sagte die CDU-Politikerin.

Es sei verständlich, dass jeder gerne sein altes Leben wieder aufnehmen würde, aber es brauche weiter Disziplin, wenn man das Erreichte nicht aufs Spiel setzen wolle. Karliczek rief zur Beachtung der Hygienemaßnahmen auf, zum Abstandhalten und zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes. "Wir dürfen dem Virus keine Chance geben, sich wieder großflächig zu verbreiten."

Mit Blick auf die international laufende Suche nach einem Impfstoff warnte Karliczek erneut vor zu hohen Erwartungen. Rückschläge seien dabei immer möglich. "Wir dürfen an dieser Stelle keine Wunder erwarten. Wir müssen nach wie vor davon ausgehen, dass Impfstoffe für die breite Bevölkerung erst frühestens Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen."

Auch der Infektiologe Gerd Fätkenheuer sieht ein nachlassendes Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung. "Was sich derzeit in den Köpfen abspielt" stelle ein großes Risiko dar, sagte der Forscher der Uniklinik Köln dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Menschen fühlten sich heute viel sicherer als noch vor einem Vierteljahr. "Mit dem starken Rückgang der Zahlen werden die Gefahren, die nach wie vor von dem Virus ausgehen, nicht mehr in gebührendem Maße wahrgenommen." Bei konsequenter Beachtung aller Schutzvorkehrungen sei es nach wie vor möglich, das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten.

Schon gestern hatte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln beklagt. In den vergangenen Tagen hat die Zahl der Neuinfektionen immer wieder den Wert von 500 überschritten, zuvor lag die Zahl seit Anfang Juni überwiegend darunter. Der Höhepunkt wurde Anfang April mit mehr als 6000 Fällen an einem Tag erreicht.

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