Stromausfall legt Hannover kurzzeitig lahm / 600000 Menschen sitzen im Dunkeln / Kliniksprecher:

"Zum Glück gab es keine OP"

Von Jürgen Voges, Michael Evers und Raimund Groß

Ein Stromausfall hat in Hannover Hunderttausende zeitweilig im Dunkeln sitzen lassen. Menschen blieben in Aufzügen stecken, in Krankenhäusern sprangen Notstromaggregate an. Kritisch war die Lage in Alten- und Pflegeheimen.

Hannover (dpa/dapd). Zeitgleiche Störungen in einem Kraft- und einem Umspannwerk haben in Hannover und dessen Umland einen totalen Stromausfall verursacht. Nach Angaben des lokalen Versorgers Enercity saßen am Mittwochabend ab 22.34 Uhr insgesamt 600000 Menschen im Dunkeln. Zwischen 22.43 und 23.55 Uhr wurde die Stromversorgung schrittweise von Stadtteil zu Stadtteil wieder hergestellt.

Nach dem Ausfall seien zwei andere Verbindungen zum Hochspannungsnetz aktiviert und zudem ungenutzte eigene Kraftwerkskapazitäten hochgefahren worden, berichtete der Sprecher. Die genaueren Ursachen des Stromausfalls werden untersucht. Einen bundesweiten Mangel an Kraftwerkskapazität habe es nicht gegeben.

Nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes gingen bei der Feuerwehr binnen dreieinhalb Stunden 785 Notrufe meist von besorgten Bürgern ein. Tatsächlich ausrücken musste die Feuerwehr nach dem Ausfall 75 Mal. Allein 45 Einsätze verursachten Feuermelder, die mangels Strom vermeintliche Brände signalisierten. Neun Personen holte die Feuerwehr aus festsitzenden Fahrstühlen. In acht Pflegeheimen sorgte sie für eine Versorgung mit Notstrom, um Beatmungsgeräte in Gang zu halten.

Auch die Kliniken mussten auf ihre Notstromaggregate zurückgreifen. "Zum Glück gab es keine Operation, die lief", sagte der Sprecher des Klinikums Nordstadt, Bernhard Koch. Der Notstrom versorge alle wichtigen Geräte, Monitore zur Überwachung schalteten auf Akkus um. Die Notbeleuchtung sei schummeriger als normales Licht. Eine Ärztin lief deswegen gegen eine Glastür – sie arbeitete mit einer blutigen Lippe weiter. Auch eine Reanimation konnte trotz des Blackouts erfolgen. "Wir führten zum Glück zu der Zeit keine Operationen durch. Nur auf eine Schwangere, die auf einen möglichen Kaiserschnitt wartete, mussten wir aufpassen", sagte Prof. Hans Anton Adams an der Medizinischen Hochschule Hannover.

In den beiden größten hannoverschen Industriebetrieben Volkswagen Nutzfahrzeuge und Conti kam es zu Produktionsausfällen. Auch bei der Polizei gingen viele Anrufe besorgter Bürger ein. Es habe aber nicht mehr Einsätze als sonst gegeben, so eine Sprecherin. Bei Einbruchdiebstählen hätten unbekannte Täter die Dunkelheit aber ausgenutzt. Sie hätten Scheiben von vier Geschäften zerschlagen und vor allem Zigaretten gestohlen.

Die Polizei registrierte keine erhöhten Unfallzahlen, obwohl im hannoverschen Stadtgebiet zeitweise alle Ampeln ausfielen. Auch die Auswirkungen des Stromausfalls auf den Bahn- und Luftverkehr in der Region blieben gering.