Schönhausen/Klietz/Sandau I Elbe-Havel-Land l Denn die derzeitigen Zahlen reichen in den kommenden fünf Jahren gerade so und zum Teil auch nicht. Und was wird, wenn Havelberg seine Kinder aus dem Havelwinkel haben möchte? Die Entscheidung des Havelberger Stadtrates dürfte das Zünglein an der Waage sein. Denn die Kinder aus den Dörfern im Havelwinkel, die zur Einheitsgemeinde Havelberg gehören, fahren allmorgendlich an der Domstadt vorbei nach Sandau. „90 Prozent der jetzt befragten Eltern aus dem Havelwinkel wünschen, dass ihre Kinder in Havelberg zur Schule gehen“, berichtete Verbandsbürgermeisterin Steffi Friedebold am Mittwochabend im Sozialausschuss, der in Klietz tagte. Zwei Tage zuvor hatte sie mit dem Havelberger Amtskollegen Bernd Poloski gesprochen. Entsprechend der Meinung der Eltern werde sich wohl auch der Stadtrat bei seiner Schulentwicklungsplanung positionieren. Zwar habe der Landkreis am Ende die Entscheidungsbefugnis, wohin die Kinder aus Garz, Warnau, Kuhlhausen und Jederitz fahren, aber sie soll „im Einvernehmen mit den Kommunen“ erfolgen.

Einbruch der Klietzer Zahlen

Derzeit sind es 15 Kinder aus den vier Orten, die in Sandau lernen. Ohne sie erreicht Sandau in den kommenden Jahren nicht mehr die geforderten 60 Schüler.

Das trifft auch auf Klietz ab dem Jahr 2022/23 zu. Da gibt es einen Einbruch auf 45.

Die Verwaltung der Verbandsgemeinde hat – entsprechend dem vom Verbandsrat geäußerten politischen Willen, alle drei Schulen zu erhalten – zwei Varianten erarbeitet. Steffi Friedebold stellte sie am Mittwochabend vor mit dem deutlichen Hinweis: „Es ist ein erstes Arbeitspapier. Hier ist noch nichts in Stein gemeißelt. Auf der nächsten Sitzung des Sozialausschusses müssen die Mitglieder eine Variante finden, die der Verbandsrat Anfang Mai verabschiedet.“

Den beiden Varianten der Verwaltung wurden in der Diskussion noch zwei weitere Möglichkeiten zugefügt.

Variante A

Der derzeitige Stand bleibt erhalten: Sandau, Klietz und Schönhausen mit Wust bis Abschluss der Bauarbeiten in Schönhausen.

Problem: Zahlen in Klietz sind mittel- und langfristig nicht zu halten und Sandau verliert die Kinder aus dem Havelwinkel.

Lösungsvorschläge:

- Schüler aus dem Havelwinkel bleiben (vorbehaltlich der Entscheidung in Havelberg und beim Landkreis) in der Planung enthalten und auf positive Tendenzen in Klietz ab 2023/24 hinweisen;

oder Veränderung des Einzugsbereiches für Klietz: Kinder aus Hohengöhren und vom Hohengöhrener Damm lernen in Klietz;

oder Veränderung des Einzugsbereiches für Klietz mit den Kindern aus dem Wuster Bereich, die 30 Minuten Fahrzeit sind zu schaffen.

Variante B

Die Schüler des Havelwinkels gehen nach Havelberg, wie geplant nimmt Schönhausen die Wuster auf, Klietz und Sandau bilden nach Vorlage der angekündigten Gesetzesnovelle einen Schulverbund mit Klietz als Hauptstandort (mindestens 60 Schüler) und Sandau als Teilstandort (40 Schüler).

Problem: Die Lehrerzuweisung für den Schulverbund erfolgt anhand der Gesamtschülerzahl, das erweist sich jetzt bei Schönhausen-Wust bereits als schwierig, wenn Lehrer erkranken.

Lösungsvorschläge:

- bei Schulverbund Klietz-Sandau: Veränderung der Einzugsgebiete: Schönfeld, Scharlibbe, Molkenberg und Wulkau gehen anstatt nach Sandau nach Klietz

oder: Scharlibbe, Molkenberg, Hohengöhren und Hohengöhrener Damm gehen nach Klietz

oder: Scharlibbe, Molkenberg und der gesamte Wuster Bereich gehen nach Klietz.

Das sind die Möglichkeiten, die die Verwaltung in Betracht zieht. „Egal, was wir beschließen: Es wird irgend jemandem weh tun. Ohne Veränderungen geht es aber nicht. Wir müssen eine Variante finden, mit der man am besten leben kann“, so Steffi Friedebold.

Im Sozialausschuss kamen dann noch zwei weitere Varianten dazu.

Sebastian Heinike erklärte, dass man Klietz, auch wenn die Zahlen irgendwann nicht reichen, wegen seiner zentralen Lage nicht sterben lassen darf. Berbel Wischer aus Schönhausen hält nichts von einem Schulverbund Klietz-Sandau, „das geht nicht nur zulasten der Lehrer, sondern vor allem der Schüler. Auf Dauer ist Sandau wegen seiner Nähe zu Havelberg nicht zu halten.“

Variante C: zwei Schulen

Die Verwaltung wird als Variante C den Erhalt von Schönhausen und Klietz erarbeiten.

Variante D: eine Schule

Und auch nur noch eine zentral gelegenen Schule wurde als Variante D ins Spiel gebracht.

Arno Brandt erklärte, dass man den politischen Willen der Realität anpassen muss. „Alle Gemeinden befinden sich in Haushaltskonsolidierung – wir müssen in die Zukunft schauen! Hier in Klietz ist Platz für 300 Kinder. Es ist inklusive einer Turnhalle, die jetzt auch noch saniert wird, alles vorhanden. Es sind doch schon jetzt viele Kinder Fahrschüler. Der Wechsel der Schollener nach Klietz hatte doch auch gut geklappt. Wir trauen uns nicht, richtig in die Zukunft zu schauen und eine dauerhafte Lösung zu schaffen.“ Die Schulsozialarbeiterin Jacqueline Stempin fügte an, dass in einer Schule mit vielen Kindern auch mehr Lehrer und Mitarbeiter gebündelt an einem Standort zur Verfügung stehen, „das bedeutet grundsätzlich mehr Angebote für die Schüler“.

Zu viele Verlierer

Caren Pfundt aus Wulkau erklärte, dass man nicht ohne Not Schulen schließen darf. Und die Kinder aus dem Wuster Bereich nach Klietz zu bringen, sei zu weit. Silvio Wulfänger aus Sandau möchte so viele Schulen wie möglich erhalten, „ansonsten müssten wir uns ja auch fragen, warum wir alle 16 Feuerwehren erhalten“. Die für drei Schulen nötigen Veränderungen der Einzugsbereiche seien erträglich, „bei einem Radikalschnitt gibt es zu viele Verlierer“. Und er fragte, warum denn die Kinder aus dem Havelwinkel überhaupt nach Havelberg wollen? „Das sollte man herausfinden und dann die Gründe abstellen.“

Anfang April wird sich der Sozialausschuss positionieren, im Mai dann der Verbandsgemeinderat.