Bagdad (dpa) - Bei heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften im Irak sind am Wochenende mindestens 63 Menschen getötet und mehr als 2500 verletzt worden. Das teilte die irakische Menschenrechtskommission mit.

Die meisten Toten und Verletzten gab es demnach bereits am Freitag, als es in der Hauptstadt Bagdad und mehreren Südprovinzen zu Massenprotesten kam. Die Demonstrationen setzten sich am Samstag fort.

Wie Augenzeugen berichteten, hatten Demonstranten mehrfach versucht, Straßensperren der Sicherheitskräfte in Bagdad zu überwinden und in die besonders geschützte Grüne Zone zu gelangen. Dort liegen zahlreiche Regierungsgebäude und Botschaften. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Gummigeschosse und zum Teil scharfe Munition ein.

Bereits Anfang des Monats war es zu tagelangen Massenprotesten im Irak gekommen, bei denen 150 Zivilisten getötet worden waren. In einem Bericht der Regierung hieß es später, die meisten von ihnen seien durch Schüsse in Kopf oder Brust ums Leben gekommen. Vor einem Jahr hatte Ministerpräsident Adel Abdel-Mahdi sein Amt übernommen. Das Land kämpft mit wirtschaftlichen Problemen und den Nachwirkungen der Militärkampagne gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Menschen protestieren gegen die grassierende Korruption und Misswirtschaft im Land und fordern Arbeitsplätze.

Am Freitag war die Gewalt bei Massenprotesten erneut eskaliert. Nach offiziellen Angaben starben mindestens 42 Menschen, mehr als 2300 wurden allein an diesem Tag verletzt. Am Samstag errichteten Hunderte Demonstranten zunächst Zelte auf dem zentralen Tahrir-Platz in Bagdad, bevor die Proteste weiter eskalierten. Auch in mehreren vor allem von Schiiten bewohnten Gegenden im Süden des Iraks gab es Proteste. Mehrere Regierungsgebäude und Parteibüros wurden attackiert.

Am Sonntag erließ die irakische Regierung einen Erlass, um die Arbeit des saudi-arabischen Fernsehsenders Al-Arabija zu beschränken. Al-Arabija berichtete am Sonntag, die irakische Regierung wolle die Arbeit des Netzwerks im Irak beenden. Hintergrund sei eine fehlende Lizenz. Bereits bei den Protesten Anfang des Monats waren Büros des saudischen Senders von Bewaffneten angegriffen worden.