New York (dpa) - Der Portugiese António Guterres will weitere fünf Jahre Generalsekretär der Vereinten Nationen bleiben.

Guterres habe dem Präsidenten der UN-Generalversammlung am Montag mitgeteilt, "dass er für eine zweite Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen zur Verfügung steht, wenn das der Wille der Mitgliedstaaten ist", sagte sein Sprecher Stephane Dujarric in New York. Der 71-Jährige ist seit Anfang 2017 UN-Chef, seine Amtszeit endet Ende des Jahres.

Dujarric sagte, die Entscheidung von Guterres sei nach Gesprächen mit seiner Familie gefallen. Der Zeitpunkt dürfte jedoch nicht zufällig gewählt sein: In wenigen Tagen wird in der US-Hauptstadt Washington der neue amerikanische Präsident Joe Biden vereidigt. In den vergangenen vier Jahren unter Donald Trump hatten die USA die Vereinten Nationen immer wieder scharf angegriffen, Teilen der Organisation Beiträge entzogen und sich aus Abkommen verabschiedet - Guterres hatte sich mit Kritik stets zurückgehalten und war selbst nicht in Trumps Visier geraten.

Im UN-Hauptquartier am New Yorker East River war erwartet worden, dass der Ausgang der US-Präsidentenwahl für Guterres eine Rolle bei der Entscheidung spielt. Biden hatte zuletzt mehrfach betont, dass er die USA zurück auf die internationale diplomatische Bühne führen will. Auch gibt er einem von Guterres' zentralen Anliegen - dem Kampf gegen die Klimakrise - hohe Priorität. Mit der neuen US-Administration an der Seite könnte der UN-Chef seine Agenda vermutlich deutlich besser vorantreiben.

Aus Diplomatenkreisen verlautete derweil die Einschätzung, dass Guterres zum jetzigen Zeitpunkt ordentliche Chancen auf eine erneute Ernennung hat. Traditionell haben die fünf Vetomächte USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich den entscheidenden Einfluss auf die Besetzung. Guterres war in den vergangenen Jahren stellenweise vorgeworfen worden, er gehe zu vorsichtig mit diesen Ländern um. Dies könnte ihm jetzt dabei helfen, sich ihre Zustimmung für eine zweite Amtszeit zu sichern. Bislang gibt es keine bestätigten Gegenkandidaten für Guterres. Seine frühe Positionierung dürfte auch dahingehend wohl überlegt sein, als dass sie mögliche Mitbewerber abschrecken könnte.

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