Teheran/London (dpa) - Die Beschlagnahmung des britischen Tankers "Stena Impero" war nach iranischen Angaben sowohl legal als auch legitim und "keineswegs eine Vergeltungsmaßnahme". Teheran könne Dokumente vorweisen, dass der Tanker in iranischen Gewässern gewesen sei.

Die "Stena Impero" sei auf der falschen Richtungsspur von Süden in die Straße von Hormus eingefahren, sagte Regierungssprecher Ali Rabiei am Montag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Zugleich deutete Rabiei auf seiner Twitter-Seite die Bereitschaft des Irans für eine diplomatische Lösung des Problems an.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" am Freitag in der Straße von Hormus mit der Begründung gestoppt, dass er nach einer Kollision mit einem Fischereischiff einfach weitergefahren sei. Außerdem soll die "Stena Impero" ihr GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien am Bord gehabt haben.

Am 4. Juli war in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker "Grace 1" mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt worden. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Das Fahrverbot gilt derzeit bis zum 20. August.

Nach den Tankervorfällen in der Straße von Hormus kiam Großbritanniens Nationaler Sicherheitsrat (Cobra) zu einem weiteren Treffen zusammen. Diesmal war auch Premierministerin Theresa May dabei, nachdem sie an zwei ersten Cobra-Zusammenkünften am Wochenende nicht persönlich teilgenommen hatte. Die Regierungschefin sollte bei dem dritten Treffen auf den aktuellen Stand zur Situation in der Golfregion gebracht werden.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt will das Unterhaus in London noch am Nachmittag über den Konflikt mit dem Iran informieren. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums prüft die Regierung eine "Reihe von Optionen". Britischen Medienberichten zufolge wird erwogen, Vermögen des iranischen Staates einzufrieren.

Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood betonte in einem Interview mit dem Fernsehsender ITV, dass es sich nicht nur um ein britisches Problem handele. Auch Tanker der USA seien zuvor attackiert worden. "Das ist etwas, was uns alle betrifft. Das erfordert eine internationale Kooperation."

Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten: Mitten im Brexit-Chaos steht ein Wechsel an der Regierungsspitze an. Hunt ist neben dem Favoriten Boris Johnson einer der beiden verbliebenen Kandidaten für die Nachfolge von May.

   

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