Berlin (dpa) - Mehr als 450.000 Alleinerziehende in Deutschland arbeiten in sogenannten systemrelevanten Bereichen. Allein im Gesundheitswesen sind es 179.000, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, die der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vorlagen.

Die Zahlen waren zuvor von der Links-Fraktion angefragt worden. Als systemrelevant gelten Wirtschaftssektoren, die auch in Krisenzeiten und somit während der derzeitigen Coronavirus-Pandemie aufrechterhalten werden müssen.

Rund 117.000 Alleinerziehende arbeiten den Angaben zufolge in der öffentlichen Verwaltung, 50.000 im Lebensmittel-Einzelhandel, 36.000 im Bereich der Finanzdienstleistungen und Versicherungen, 30.000 in der Lagerlogistik. Eine systemrelevante Beschäftigung ist bisher maßgeblich für den Zugang zu einer Notbetreuung von Kindern ab dem Kita-Alter bis zur sechsten Klasse. Details sind in den Bundesländern unterschiedlich geregelt.

Insgesamt sind rund 1,78 Millionen Alleinerziehende erwerbstätig, darunter fast 1,5 Millionen Mütter, heißt es in der Statistik demnach weiter. "Es ist gut, dass Alleinerziehenden und anderen Eltern, die in kritischen Infrastrukturen arbeiten, eine Notbetreuung zur Verfügung steht", sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann der "NOZ". "Doch es braucht für alle 1,8 Millionen berufstätigen Alleinerziehenden eine Lösung, damit sie ohne finanzielle Einbußen die Betreuung ihrer Kinder sichern können", sagte die Politikerin.

Bund und Länder hatten sich am vergangenen Mittwoch bereits im Grundsatz auf eine Ausweitung der Notbetreuung verständigt. Viele Landesregierungen haben seitdem etwa angekündigt, weitere Berufsgruppen und Alleinerziehende einzubeziehen oder die Regeln so zu lockern, dass es reicht, wenn ein Elternteil in einem sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitet. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte für bundesweite Regelungen geworben, die insbesondere auch Alleinerziehende berücksichtigen sollten.

Die Bemühungen von Bund und Ländern seien sinnvoll, reichten aber nicht aus, sagte Zimmermann der Zeitung. Man dürfe nicht vergessen, "dass Alleinerziehende auch vor Corona berufstätig waren und danach weiterhin sein werden." Daher seien künftig ein "flächendeckendes Betreuungsangebot für Randzeiten" sowie "deutlich strengere Regelungen für Wochenend- und Nachtarbeit" nötig, damit eine solche Betreuung möglichst selten gebraucht werde.