Kiel/Leipzig (dpa) - CDU-Bildungspolitiker wollen in Kitas die Deutschkenntnisse bereits bei vier Jahre alten Kindern verbindlich testen und bei Mängeln eine Sprachförderung vorschreiben.

Dem CDU-Bundesparteitag in gut einer Woche liege ein entsprechender Antrag zur Abstimmung vor, sagte Schleswig-Holsteins Bildungministerin Karin Prien der Deutschen Presse-Agentur. Prien hat den Antrag des Bundesfachausschusses Bildung der CDU als dessen Vorsitzende federführend mit erarbeitet.

Sollten Eltern sich weigern, die von einer Kommune angebotenen verbindlichen Sprachfördermaßnahmen ihres Kindes zu unterstützen oder zu ermöglichen, "müssen wirksame Sanktionsmechanismen greifen", heißt es im Antrag für den Leipziger Parteitag am 22./23. November. In Frage komme die Verhängung von Bußgeldern, wie es nach dem Ordnungswidrigkeitenrecht üblich sei, sagte Prien. Sie Prien wies darauf hin, dass die Erfassung in den Bundesländern völlig unterschiedlich sei.

Sanktionierungen sollten ganz am Ende bei den wenigen erfolgen, die sich Sprachfördermaßnahmen für ihre Kinder verweigerten. "Lange davor steht ein besseres Angebot von Sprachfördermaßnahmen im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Lange davor steht eine bessere Sprachdiagnostik ab dem dritten Lebensjahr und der Sprachstandstest dann mit dem vierten Lebensjahr. Und erst dann, wenn das alles nicht wirkt, kommt irgendwann das Thema Sanktionen auf die Tagesordnung - aber bitte in dieser Reihenfolge."

In Schleswig-Holstein sprachen vor der Einschulung 2017/18 insgesamt 19 Prozent der Kinder unzureichend Deutsch, im Jahr zuvor waren es 15,8 Prozent gewesen, wie aus den Berichten über die Schuleingangsuntersuchungen hervorgeht. Bundesweite Zahlen konnte das Sozialministerium in Kiel nicht nennen.

Nach dem Willen der CDU-Experten sollen die Länder die verbindliche Einführung von Qualitätsstandards für alle Bereiche der frühen Bildung vereinbaren. Von Anfang solle in den Einrichtungen der frühen Bildung - dazu gehören Kitas und Vorschulen - der Spracherwerb und die Sprachentwicklung mit standardisierten Diagnoseverfahren erhoben und gefördert werden. "Spätestens ab einem Alter von vier Jahren kommen Sprachstandstests mit qualitativ wirksamen Sprachförderangeboten für alle Kinder hinzu", heißt es in dem Antrag.

Bei besonderem Sprachförderbedarf, so heißt es im Papier, müsse eine Sprachförderung angeboten und erteilt werden. Jedes betroffene Kind erhalte einen individuellen Sprachförderplan. Reichen vor der Einschulung die Sprachkompetenzen nicht aus, sollen individuelle Fördermaßnahmen fortgeführt werden. Schulen mit hohem Sprachförderbedarf sollten zusätzliche Ressourcen erhalten. Kinder und Jugendliche mit keinen oder geringen deutschen Sprachkenntnissen sollen dem CDU-Papier zufolge zunächst Sprachförderklassen besuchen, bevor sie in die die Regelklasse kommen. Sprachförderklassen sind als Teil der allgemeinbildenden Schulen gedacht.

Außerdem sehen die CDU-Bildungsexperten die Länder in der Pflicht, die Erzieher in den Methoden der Sprachstandserhebung und Sprachförderung auszubilden. Nach Auffassung der CDU muss das notwendige zusätzliche Personal und Geld für die Ausweitung der Sprachförderung als gesamtgesellschaftliche Verpflichtung aufgebracht werden.

Prien äußerte die Hoffnung, dass die Länder einführen, was bei ihnen noch fehlt an Sprachdiagnostik, -test und -fördermaßnahmen, und dann auch Sanktionsmöglichkeiten gesetzlich verankern.