Bremen (dpa) - Die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann ist offen auf Konfrontationskurs zu SPD-Parteichef Sigmar Gabriel gegangen und hat dafür Unterstützung des Parteinachwuchses erhalten.

Die Jusos wählten Uekermann nach deren massiver Gabriel-Schelte am Freitag in Bremen mit 214 von 296 Stimmen wieder und bestätigten sie damit für weitere zwei Jahre im Amt. Das waren 72,3 Prozent Zustimmung. Bei ihrer ersten Wahl zur Juso-Chefin 2013 war Uekermann noch knapp unter 70 Prozent geblieben.

Die 28-Jährige hatte Gabriel zuvor die Note vier minus verpasst und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik Rückgrat bescheinigt, wobei sie letzteres nicht als Lob gewertet wissen wollte. Sie vermisse bei Gabriel so einiges, sagte Uekermann. Vor allem aber eins: den Respekt vor unserer Partei. SPD-Vize Ralf Stegner hatte bei seiner Rede in Bremen Gabriel zuvor in Schutz genommen, obwohl er nach eigenen Worten auch nicht immer einer Meinung mit dem Parteichef sei.

Uekermann betonte, als Merkel in der Flüchtlingspolitik so etwas wie Rückgrat gezeigt habe, war Sigmar sich nicht zu blöde, sie rechts zu überholen. Als Tausende gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP demonstriert hätten, habe Gabriel eine ganzseitige Zeitungsanzeige für TTIP geschaltet. Sigmar, bist Du noch bei uns?, rief Uekermann fragend den Delegierten zu, die ihr stehend Beifall spendeten. In ihrer Rede warb sie für ein rot-rot-grünes Bündnis.

Stegner - der bei der Kritik an Gabriel bereits den Kongress verlassen hatte - verteidigte den Parteichef. Es sei auch Gabriel zu verdanken, dass es den Unsinn der Transitzonen nicht gebe, wodurch das Asylrecht de facto abgeschafft worden wäre. Frau Merkel ist oft sehr freundlich. Aber manches täuscht eben. Und sie ist eben freundlich, wenn man sie mit Herrn Seehofer vergleicht. Aber mit wem kann man schon den Seehofer vergleichen, sagte Stegner mit Blick auf Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU).

Die Juso-Chefin warf Gabriel weiter vor, Fraktionschef Thomas Oppermann und Fraktionsvize Hubertus Heil vorzuschicken, um sie durch den Dreck zu ziehen. Sie werde sich nicht einschüchtern lassen durch Facebook-Einträge oder Pressestatements. Wer, wenn nicht wir Jusos können Gabriel klare Grenzen aufzeigen?, fragte sie. Oppermann hatte der Rheinischen Post gesagt, Uekermann habe sich total verrannt. Sie sei konsequent unsolidarisch und wirklichkeitsfern.

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