Berlin (dpa) - Nach der überraschenden Absage der Weltklimakonferenz in Chile fordert der Grünen-Umweltpolitiker Oliver Krischer, dass Deutschland mit seinem UN-Standort Bonn kurzfristig einspringt.

Der internationale Klimaprozess dürfe nicht ins Stocken geraten, erklärte der Bundestagsabgeordnete. "Deutschland hat mit der UN-Stadt Bonn alle Voraussetzungen, die Klimakonferenz auch unter diesen schwierigen Bedingungen zum Erfolg werden zu lassen." Für die Bundesregierung wäre es die Chance, "nach Jahren der Stagnation und des Rückschritts der deutschen Klimapolitik mal wieder ein Zeichen zu setzen".

Die chilenische Regierung hatte die Ausrichtung der Mammutkonferenz am Mittwoch abgesagt, ebenso den Asien-Pazifik-Gipfel im November. Grund sind andauernde Massenproteste mit gewalttätigen Ausschreitungen. Staatschef Sebastián Piñera sagte, seine Regierung müsse sich nun vor allem der Befriedung sowie notwendigen Reformen widmen. Der Klimagipfel sollte von 2. bis 13. Dezember in der Hauptstadt Santiago zusammenkommen.

Auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat erklärt, Bonn stehe als Tagungsort bereit. Ein NRW-Regierungssprecher sagte: "Der UN-Standort Bonn würde dafür über beste Vorerfahrungen verfügen." Zuvor hatte die "Welt" darüber berichtet.

Die jährlichen Treffen der Klima-Diplomaten dienen dazu, die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens voranzutreiben. Vergangenes Jahr reisten mehr als 20.000 Teilnehmer ins polnische Kattowitz, darunter viele Staats- und Regierungschefs.

Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg wurde von der Absage Chiles überrascht. Sie habe sich schon auf den Weg durch den nordamerikanischen Kontinent in Richtung Santiago gemacht, doch nun müsse sie schauen, wie es weitergehe, schrieb die 16-Jährige auf Twitter. Sie werde jetzt abwarten, bis sie weitere Informationen habe. Die Konferenz in Chile war neben dem UN-Klimagipfel in New York im September einer der beiden Hauptgründe gewesen, weshalb sie im August per Hochsee-Rennjacht über den Atlantik gesegelt war.

In Chile kommt es seit gut zwei Wochen zu regierungskritischen Massenprotesten, die öfter in Gewalt umschlagen. Auslöser war eine geplante relativ geringe Erhöhung der Nahverkehrspreise, doch schon bald machten die Chilenen auch ihrem Ärger über andere Ärgernisse wie niedrige Löhne und hohe Lebenshaltungskosten Luft. In Gedanken sei sie bei den Menschen in Chile, schrieb Thunberg dazu.

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