Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht es mit seiner Corona-Infektion nach Angaben des Ministeriums "den Umständen entsprechend gut". "Er hat weiterhin kein Fieber, zeigt aber Erkältungssymptome", teilte ein Sprecher am Donnerstag mit.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Spahns engerem Umfeld seien inzwischen ebenfalls auf das Coronavirus untersucht, aber negativ getestet worden.

Andere Mitglieder der Bundesregierung haben sich inzwischen ebenfalls testen lassen, mit negativem Ergebnis. Regelmäßige Tests gibt es aber vor allem für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) im Zuge von Auslandsreisen.

Ein Regierungssprecher erklärte am Abend, trotz der Infektion Spahns halte die Bundesregierung daran fest, Kabinettssitzungen in Anwesenheit der Regierungsmitglieder abzuhalten - unter Wahrung der strengen Infektionsschutzregelungen. Die Kanzlerin folge im Hinblick auf den Infektionsschutz grundsätzlich den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. "Sie lässt sich im Zusammenhang mit Reisen zum Europäischen Rat nach Brüssel auf das Coronavirus testen."

Wie es am Donnerstag aus Regierungskreisen weiter hieß, ist die Leitungsebene des Gesundheitsministeriums arbeitsfähig, einschließlich Minister Spahn. Es werde aus dem Homeoffice gearbeitet. Ob Spahn an etwaigen Videokonferenzen teilnimmt, etwa an der in den nächsten Tagen geplanten Gesundheitskonferenz World Health Summit, blieb offen. Man warte den weiteren Krankheitsverlauf ab und hoffe, dass er einsatzfähig bleibe, hieß es.

Erkenntnisse darüber, wo Spahn sich angesteckt haben könnte, gibt es den Informationen zufolge nicht. Am Mittwoch war er als erster Bundesminister positiv auf Corona getestet worden. Er hatte sich nach Angaben seines Ministeriums wegen Erkältungssymptomen einem Test unterzogen.

Die Symptome hätten sich im Laufe des Mittwochs verstärkt, hieß es am Donnerstag. Daraufhin habe Spahn einen Schnelltest gemacht. Im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin sei das positive Ergebnis dann durch einen genaueren PCR-Test bestätigt worden, worauf sich Spahn in häusliche Isolation begeben habe. Zuvor hatte er noch an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teilgenommen.

Am Mittwochnachmittag unterzog sich Familienministerin Franziska Giffey (SPD) nach Angaben einer Sprecherin einem ersten Schnelltest, der negativ ausfiel. Ein weiterer sollte folgen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), der nicht an der Kabinettssitzung teilnahm, wurde nach Angaben des Auswärtigen Amts zuletzt am Dienstag im Rahmen des besonderen Hygiene- und Sicherheitskonzepts für Dienstreisen routinemäßig getestet, mit negativem Ergebnis.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sieht keinen Anlass für Quarantäne nach Spahns positivem Test. Für Seehofer bestehe derzeit kein Verdacht einer Corona-Infektion, teilte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage mit. Dem Vernehmen nach wurde Seehofer getestet, nachdem bekannt wurde, dass sich Spahn angesteckt hat - mit negativem Ergebnis. Die Termine des Innenministers in den kommenden Tagen sollen wie geplant stattfinden.

Andere Ministerien verwiesen auf Äußerungen des Regierungssprechers vom Mittwoch. Dieser hatte gesagt, dass das Kabinett als Ganzes nicht in Quarantäne müsse, weil der Sitzungssaal im Kabinett in puncto Infektionsschutz besonders "optimiert" sei und Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten würden. In der Bundesregierung wurde am Donnerstag betont, die Teilnehmer der Kabinettssitzung hielten sich an die Corona-Regeln. Sie würden mit Mund-Nase-Schutz zu ihren Stühlen gehen, die einzelnen Plätze lägen extra weit auseinander.

Seit Beginn der Hochphase der Pandemie ist das Kabinett vom eigentlichen Kabinettssaal in den Internationalen Konferenzsaal des Kanzleramts umgezogen, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Dort gebe es unter anderem eine vorbildliche Lüftungsanlage, mit der die Raumluft häufig ausgetauscht werde.

Regelmäßige Corona-Tests sind bei den meisten Mitgliedern des Bundeskabinetts nach Angaben aus Regierungskreisen vom Donnerstag nicht üblich. Tests würden anlassbezogen gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Ende August bei ihrer Sommerpressekonferenz gesagt, sie halte sich an die Abstandsregeln und Vorschriften und werde deshalb nicht permanent getestet.

Nach Angaben aus der Bundesregierung lässt sich Merkel allerdings im Zusammenhang mit ihren Reisen zu EU-Gipfeln nach Brüssel genauso wie ihre gesamte Delegation jeweils fünf Tage nach der Rückkehr auf das Virus testen. Der zeitliche Abstand wird mit der möglichen Inkubationszeit begründet. In Quarantäne geht die Kanzlerin in dieser Zeit wegen bestehender Ausnahmeregelungen nicht, es werde aber intensiv auf den eigenen Zustand und mögliche Symptome geachtet.

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