Magdeburg l Die Dreharbeiten sollen in Kürze starten, doch plötzlich bricht die Kulisse weg. Szenen des neuen Polizeirufs aus Magdeburg sollten in einem alten Einfamilienhaus gedreht werden. Die Eigentümer entschieden sich in letzter Minute jedoch dagegen, ihr Haus als Krimi-Kulisse zur Verfügung zu stellen. Was tun? Die Zeit drückt.

Motiv-Aufnahmeleiter Michael Otto wandte sich kurzerhand an die Presse. Das Ergebnis: Er wurde mit Angeboten überhäuft. „Ich bin überwältigt“, sagt er. Gut 50 Angebote habe er erhalten. Die Krimifans schickten Videos, Bilder, riefen an. Und auch gestern klingelte das Telefon noch.

Angebote aus Brandenburg und nahe Nürnberg

Das gesamte Pfingstwochenende habe er damit zugebracht, die zahlreichen Nachrichten zu beantworten. Eine Dame habe ihm gar 83 Fotos per Whats-App gesendet, erzählt er. Dabei kamen die Angebote mitnichten nur aus Magdeburg. Auch Menschen aus dem Umland und aus Brandenburg meldeten sich. Sogar südlich von Nürnberg wollte jemand sein Haus zur Verfügung stellen. Mit so einer großen Resonanz hat Michael Otto nicht gerechnet.

Das erste Haus habe er sich bereits gestern angeschaut. Und es kommt dem, was der Motivaufnahmeleiter sucht, schon sehr nah. Denn Voraussetzung für die Krimi-Kulisse ist, dass es vor 1990 gebaut wurde. „Weil neuere zu modern und teuer sind. Das Paar, das in dem Haus wohnen soll, ist nicht so vermögend.“ Neben dem Baujahr war auch von Bedeutung, dass das Einfamilienhaus über einen Garten verfügt, möglichst einen Schuppen oder Garage und Keller hat. Da die Produktionsfirmen mit allerlei Technik anreisen, ist es auch wichtig, dass ein Lkw in der Nähe parken kann.

Drehstart in Magdeburg ist nicht im Verzug

Etliche Angebote, die der Motiv-Aufnahmeleiter erhielt, erfüllen diese Kriterien. Neben dem Haus, das er bereits besichtigt hat, haben die Szenenbildner sechs weitere ausgewählt. Heute und morgen werden sie Motivtouren machen, ehe die Entscheidung fällt, wo letztlich gedreht wird. Dabei haben die Filmprofis auch die Rahmenbedingungen im Blick. So hatte auch eine 94-jährige Dame ihr Haus angeboten. „Neben den drei geplanten Drehtagen brauchen wir zwei Tage zur Vorbereitung und einen für die Nachbereitung. Das wollten wir der Dame nicht antun“, erzählt er.

Starten sollen die Dreharbeiten in dem Einfamilienhaus übrigens in der zweiten Juliwoche. Drehbeginn der neuen Polizeiruf-Episode ist aber noch in diesem Monat, verrät Polizeiruf-Sprecherin Bianca Hoppe. „Die Dreharbeiten sind nicht im Verzug – sie sind planmäßig.“ Zum Inhalt der neuen Polizeiruffolge und zu Besetzung wollte Bianca Hoppe noch nichts sagen. Alle Details dazu werden in einer Drehstartmeldung gebündelt veröffentlicht.

Drehstart im Harz komplett verschoben

Wie die meisten Branchen war auch die Filmindustrie durch die Auflagen der Corona-Verordnung ins Stocken geraten. Eigentlich waren bereits für Mitte April Dreharbeiten in Wernigerode und Schierke vorgesehen. Dabei handelte es sich allerdings um eine andere Magdeburger Polizeiruf-Folge. Vier Wochen lang sollten die Harzstadt und Umgebung Krimi-Kulisse werden. Doch mit Ausbruch der Pandemie wurden die Dreharbeiten mit TV-Kommissarin Claudia Michelsen abgesagt. Wie Bianca Hoppe erklärt, ist der Polizeiruf-Dreh im Harz komplett verschoben worden und ein neuer Drehzeitraum stehe noch nicht ganz fest.

Worum es in der Polizeiruf-Episode aus dem Harz genau gehen sollte und welche Schauspieler vor der Kamera stehen, darüber hielten sich Produktionsfirma und der MDR als Auftraggeber auch hier zurück. Es war lediglich durchgesickert, dass Hexen eine Rolle spielen. Bei der Suche nach Drehorten seien damals die Mitarbeiter der Wernigeröder Tourismus GmbH mit eingebunden gewesen. Gefragt waren laut Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha Hinterhöfe, Antiquitätengeschäfte und stimmungsvolle Stellen im Wald.