Immer mehr Studierende aus dem Bundesgebiet zieht es zum Studium nach Sachsen-Anhalt. Im vergangenen Wintersemester haben sich rund 9.500 Studenten neu immatrikuliert. Mehr als die Hälfte davon sind keine Landeskinder. Die Hochschulstandorte profitieren von diesem Zustrom in vielerlei Hinsicht. Laut Prognose sollen die Studentenzahlen in den kommenden Jahren steigen. Wieso also will die Landesregierung gerade jetzt den Etat der Unis kürzen?

Aufgrund dieses immensen Ansturms drängt auch das Bundesbildungsministerium die Länder dazu, mehr Geld in die landeseigenen Hochschulen zu investieren und die Studienstandorte weiter auszubauen. Auf der einen Seite wollen die Länder noch in diesem Monat den Hochschulpakt mit dem Bund neu verhandeln. Auf der anderen streichen sie ihren landeseigenen Unis bereits die Mittel. So jedenfalls plant das die Landesregierung in Sachsen-Anhalt für die Zeit ab 2015. Insgesamt sollen die Hochschulen des Landes mit 5 Millionen Euro weniger auskommen.

Mit einem großen Teil der Gelder werden die anfallenden Personalkosten der Universitäten und Fachhochschulen gedeckt. Hier liegt ein Kritikpunkt am geplanten Sparprogramm: in so kurzer Zeit können die Unis die vorgesehenen Einsparungen gar nicht umsetzen. Nicht nur das Personal kann nicht so kurzfristig entlassen werden. Das gleiche gilt für die Streichung einiger Studiengänge. Die darin eingeschriebenen Studenten haben immerhin einen Rechtsanspruch darauf, über die Regelstudienzeit hinaus dort zu studieren. Gibt es letztlich weniger Personal, müssen auch Studienplätze gestrichen werden. Allerdings sind die Unis derzeit schon unterbesetzt. Ohne die medizinische Fakultät hat die Uni Halle-Wittenberg zurzeit nur 313 Professuren.

Universitäten tun mehr für die Region, als den Nachwuchs auszubilden. Universitäten betreiben Forschung. Die Hochschulen sind für die betreffende Region ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sie beschäftigen nicht nur viele Menschen. Sie ziehen auch junge Menschen zum Studium in die Region. Viele bleiben. Die Studenten mieten Wohnraum, gehen Einkaufen und tragen zu einem Großteil zum vorhandenen Kulturprogramm bei. Sinken die Studentenzahlen, leidet darunter auch der Einzelhandel. Die Unis haben ihre eigenen Gründe, die Sparpläne der Landesregierung abzulehnen. Der Rektor der Uni Halle-Wittenberg befürchtet, dass die sachsen-anhaltinische Hochschullandschaft kaputt gespart werden könnte.

Clemens Wagner, vorsitzender Sprecher des Studierendenrates der Martin-Luther-Universität und Pressesprecher des Aktionsbündnisses: "Die Landesregierung schickt, mit ihrem Vorhaben im Hochschulbereich fast 60 Millionen Euro streichen zu wollen, dieses Land [endgültig] auf das Abstellgleis. Ein zukunftsfähiges Land ist jedoch ohne eine breite und gut ausgestattete Hochschullandschaft nicht möglich. Wir werden deshalb entschieden gegen diesen Kahlschlag in der Bildungslandschaft kämpfen".

Dass die ostdeutschen Studienstandorte durchaus attraktiv sind, zeigt das Beispiel Magdeburg. Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts hatte lange den Ruf ein ödes Nest in der ostdeutschen Provinz zu sein. Doch die Universitätsstadt hat aufgeholt. Die Vorlesungssäle und Gebäude beider Hochschulen sind modern und mit der neuesten Technik ausgestattet. Der Campus ist schön gestaltet und die Innenstadt lädt wieder zum Besuch ein. Von den steigenden Studentenzahlen profitierte auch das kulturelle Leben der Stadt. Magdeburg ist inzwischen alles andere als langweilig. Wer hier studiert, der fühlt sich wohl. Unter http://www.pointoo.de/o/DE/Sachsen-Anhalt/Magdeburg/ gibt es noch weitere, kurze Infos über die Stadt. Sollten die Sparpläne der Regierung in die Tat umgesetzt werden, wird das Land bald nicht mehr in der Lage sein den eigenen Nachwuchs zu halten und neue und frische Ideen anzulocken.