Magdeburg l Der Schrecken aller Datenschützer hat ein perfides Gesicht bekommen. Über 50 Millionen Nutzerdaten des Social-Media-Riesen Facebook sind ohne deren Zustimmung gesammelt worden. Im Zentrum des Skandals stehen die britische Kommunikationsfirma "Cambridge Analytica" und das Wahlkampfteam vom heutigen US-Präsidenten Donald Trump. Mutmaßliches Ziel des Datenhandels: Beeinflussung der Wähler im US-Wahlkampf 2016.

Wie konnte das passieren?

Die britische Zeitung "The Observer" und die "New York Times" hatten berichtet,  dass "Cambridge Analytica" durch eine App an die Nutzerdaten gekommen sei - entwickelt von einem Psychologen. Die Daten widerum sollen schließlich für die Entwicklung einer Software eingesetzt worden sein, um so die Wählerentscheidungen vorherzusagen und schlussendlich zu beeinflussen. Mit der Software soll es möglich sein, zugeschnittene und nutzergerechte politische Anzeigen zu schalten. Schließlich galt die individuelle Ansprache von Wählern in den sozialen Medien als einer der Schlüssel zum überraschenden Erfolg von Donald Trump im November 2016. "Cambridge Analytica" wurde vom US-Milliardär Robert Mecer finanziert - ein finanzieller Unterstützer der Republikaner.

Wie reagiert die Politik?

Der Daten-Skandal ruft nun die europäischen und amerikanischen Politker auf den Plan. Facebook-Chef Mark Zuckerberg soll Stellung zu dem "katastrophalen Vorgang des Versagens" seines Unternehmens beziehen, fordert beispielsweise der Vorsitzende des britischen Unterhauses für Digitales und Medien, Damian Collins. In das selbe Horn bläst der republikanische US-Senator John Kennedy. Er und seine demokratische Senats-Kollegin Amy Klobuchar verlangten von Zuckerberg, wie auch von den Twitter- und Google-Chefs, in der amerikanischen Konkresskammer auszusagen. Ihr Credo: Die Internet-Giganten verwalten "beispielose Mengen an persönlichen Daten". Ebenso beispiellos sei aber auch der mangelhafte Umgang mit eben diesen. Ebenfalls umfassende Untersuchungen zum Datenskandal kündigt Antonio Tajani, EU-Parlamentspräsident an. Auch er sieht in dem Datenmissbrauch einen inaktzeptablen Verstoß gegen die Rechte im Datenschutz. Letzlich wurde der Fall auch auf die Tagesordnung eines Treffens der Datenschutzbeauftragen der EU-Mitgliedsstaaten gesetzt.

Und Marc Zuckerberg? Der lässt über sein Unternehmen Facebook ausrichten, dass externe Spezialisten beauftragt worden seien, um den Skandal zu untersuchen. Zudem wurde Alex Stamos, bisheriger Sicherheitschef bei Facebook, auf einen anderen Posten im Unternehmen versetzt. Skuril daran: Seine neue Aufgabe besteht darin, "die Sicherheit bei Wahlen" zu prüfen, zwitschert er auf Twitter. Und "Cambridge Analytica"? Die schlossen kurzerhand den eigenen Facebook-Account - sicher ist sicher. Trotzdem bestritt das Unternehmen, auf der Plattform Facebook Nutzerdaten für das Wahlkampfteam von Donald Trump gesammelt zu haben.

Wie kann ich meine Daten schützen?

1. Machen Sie Ihren Account unsichtbar für Suchmaschinen.
Hierzu gehen Sie über "Einstellungen" und klicken auf "Privatsphäre".
Wählen Sie nun unter: "Möchtest du, dass Suchmaschinen außerhalb von Facebook dein Profil anzeigen?" Antworten Sie mit "Nein."

2. Benachrichtigung bei Hacker-Angriff.
Sollten sich Dritte über fremde Rechner auf ihrem Profil anmelden, können Sie sich informieren lassen. Bestenfalls aktivieren Sie die Benachrichigung über E-Mail. Die Einstellung aktivieren Sie hier.

3. Überprüfen Sie, ob ihr Profil noch im Büro oder auf einem anderen Rechner aktiviert ist.
Oftmals wird der Arbeitsplatz verlassen, der Browser weggeklickt und der Rechner runtergefahren. Damit ist ihr Account aber noch nicht von Facebook abgemeldet. Hier können Sie sehen, wo und auf welchem Gerät ihr Profil überall angemeldet ist. Melden Sie alle nicht genutzen Aktivitäten ab.

4. Bestimmen Sie, wer etwas auf Ihrem Profil sehen darf.
Peinliche Fotos? Ihre Freunde posten Schnappschüsse der letzten Party auf Ihrem Profil und der Chef soll sie nicht sehen? Dann sollten Sie die Einstellungen ändern. Bestimmen Sie hierzu, wer etwas auf Ihrem Profil postet - das geht hier. Sie können Beiträge vor der Veröffentlichung überprüfen und freigeben. Alternativ können Sie auch die Sichtbarkeit Ihrer Beiträge für ihre Facebook-Freunde hier einschränken.

5. Sichern Sie Ihren Account ab.
Wenn es Probleme beim Login in Ihr Profil gibt, können Ihre Freunde auf Facebook helfen. Hier können Sie zwischen drei bis fünf Freunden wählen, die bei Schwierigkeiten einen Code zugesandt bekommen. Mit dem können Sie sich verifizieren. Wichtig: Sie sollten diesen Freunden unbedingt vertrauen.

6. Deaktivieren Sie Werbung.
Werbung ist mehr als nur lästig. Versteckte Funktionen sammeln auch Informationen über Sie und geben sie weiter. Wenn Sie das unterbinden wollen, klicken Sie hier bei allen Optionen auf "Nein" und "Niemand".

Was gilt es noch zu beachten?

Welche Daten Facebook schlussendlich bekommt, liegt auch am Nutzer. Ihr Profilbild und Ihr Name werden als öffentlich geführt - daran führt kein Weg vorbei. Daher prüfen Sie genau, welche Daten Sie wirklich preisgeben möchten. Ist es gerade notwendig, diesen Post abzusetzen? Sollte ich dieses Foto wirklich veröffentlichen? Auch die "Facebook-Freunde" sind nicht immer welche. Hinter manchen Profilen stecken Fake-Accounts. Prüfen Sie, mit wem Sie auf Facebook befreundet sind. Gehen Sie mit Ihren persönlichen Daten sparsam um, nicht jeder sollte Zugriff auf Ihre Handynummer und andere privaten Daten haben, wenn Sie das nicht möchten.