Die Sprachentwicklung des Kindes

Schwangerschaft: Ab dem 5. Monat nimmt das Baby Stimmen und Geräusche wahr.

1. Monat: Das Baby kann in den Lauten variieren.

2. Monat: Das Kind beginnt zu lallen, gurren und quietschen.

3.–6. Monat: Das Baby bildet Laute nach, beginnt zu lachen, reagiert auf Gesang und dreht sich nach Geräuschen.

6.–9. Monat: Das Baby plappert mehr, bildet Doppelsilben und Gebärden und versteht einzelne Wörter.

10.–12. Monat: Lautkombinationen werden erstmals Dingen und Kategorien zugeordnet, zum Beispiel „Wauwau“ für Hund. Es äußert Gefühle aufgrund seiner Stimmlage.

12.–18. Monat: Das Kind beginnt in Einwortsätzen zu sprechen und Dingen differenzierte Wörter zuzuordnen. Es kann Personen, sich selbst und sein Lieblingsspielzeug mit einem Laut betiteln und kennt etwa zehn bis 20 Wörter.

Eineinhalb bis zwei Jahre: Das Kind lernt in Zwei- bis Dreiwortsätzchen zu sprechen und hat einen Wortschatz von 20 bis 50 Wörtern.

Mehr Informationen gibt es beim Projekt alpha elementar, Tel. 0391/5961 234, www.alpha-elementar.de

Magdeburg/Stendal l Lesen und Schreiben fangen nicht erst in der Schule an. Schon Kinder im Kita-Alter interessieren sich für Buchstaben, lassen sich gerne vorlesen, malen und schreiben erste Zeichen. „Hier werden bereits die Grundlagen für das spätere Lesen und Schreiben gelegt“, erklärt Christiane Jaeger. Sie arbeitet im Modellprojekt „alpha elementar“ des Landes Sachsen-Anhalt, zu dem ein fünfköpfiges Team gehört. Gemeinsam mit Logopädin Debora Diehl und Heilpädagogin Sandy Franke-Muschalle engagiert sich die Musikerzieherin und Kindheits-wissenschaftlerin dafür, dass Eltern und Kitas die Kinder auf dem Weg zur Schriftsprache besser begleiten können. Ganz spielerisch und ohne Zwang.

Lese-Rechtschreibschwäche vorbeugen

Erste Studien sagen, dass dies einer späteren Lese-Recht-schreibschwäche vorbeugen kann. Und es soll verhindern, dass Menschen schlimmstenfalls zu funktionalen Analphabeten werden. Denn das kann trotz eines Schulbesuchs passieren, immerhin 14 Prozent der erwachsenen Deutschen können nicht so gut lesen und schreiben, wie es im Alltag nötig wäre. „Das geht durch alle Schichten, bis hin zum Professor“, berichtet Deborah Diehl. Um das zu verhindern, stellt sie hier ein paar Ideen für den Familienalltag vor.

  • Früh beginnen: Im Bauch der Mutter und nach der Geburt nehmen Babys Sprache über die Stimme ihrer Mutter auf. Es lohnt sich daher, so früh wie möglich mit ihnen zu sprechen. Nach der Geburt ist der Blickkontakt zum Kind besonders wichtig.
  • Bücher entdecken: Im Alter von 1,5 Jahren beginnen die meisten Kinder zu sprechen. Jetzt lohnt es sich schon, eine gemütliche Leseecke mit Bücherregal einzurichten. Eltern können sich gemeinsam Bilderbücher mit den Kleinen anschauen und aussprechen, was auf den Bildern zu sehen ist. Am besten immer wieder die gleichen, denn so prägen sich die Wörter ein, der Wortschatz erweitert sich. „Wichtig ist, dass das Lesen in einer vom Kind als angenehm empfundenen Situation geschieht“, sagt Diehl. So präge sich ein, dass Lesen etwas Schönes sei. Ideal sei es, wenn sowohl Vater als auch Mutter vorlesen würden.
  • Flaschenpost: Christiane Jaeger war begeistert, als sie von ihrem Musikschüler Magnus Ellmer eine Flaschenpost geschickt bekam. Der Fünfjährige hatte gemeinsam mit seiner Mutter einen kleinen Brief verfasst und war gespannt, ob seine Botschaft ankam. Auf wundersame Weise trug der Stendaler Stadtsee die Flaschenpost vor Frau Jaegers Haustür. Der Junge habe so erkannt, welche Möglichkeiten er auf einmal bekam, sich mitzuteilen. Er schrieb seinen Namen, malte seine Grüße und ließ seine Gedanken durch seine Mutter ergänzen.
  • Zuhören lernen: Lesen und Schreiben setzen Konzentration voraus. Gemeinsam mit Kindern kann man ein Hörbuch anhören und anschließend darüber sprechen. Das Hörbuch sollte allerdings nicht zu lang sein. Mit einer Minute beginnen und langsam steigern. Denn das Stillsitzen und konzentrierte Zuhören ist für Kinder anfangs schwierig.
  • Philosophieren: Mit Kindern lässt es sich auch schon philosophieren, zum Beispiel über die Frage „Was wäre, wenn der Himmel grün wäre?“. Eltern sei es aber auch gestattet, mal komplett ideenlos zu sein. Dafür gibt es sogenannte „Hosentaschendialoge“ zu kaufen. Da ist schnell ein Gesprächsthema gefunden, mit dem sich auch manche unliebsame Wartezeit überbrücken lässt.
  • Schrift erfinden: Kinder lieben geheimnisvolle Geschichten. Deshalb finden sie es auch spannend, eine eigene Geheimschrift der Familie zu entwickeln. Das können zunächst einige wenige Symbole sein, die für häufige Dinge im Alltag stehen. Später können auch komplexere Systeme erdacht werden. Beispiele aus der Vergangenheit wie Runen oder ägyptische Hieroglyphen können die Fantasie anregen. Interessant ist es auch, wenn Kinder ihre eigene Schrift vorstellen, zum Beispiel arabische Schriftzeichen.
  • Brief an die Oma: Mit Vorschul- und Grundschulkindern lässt sich gemeinsam ein erster Brief an die Oma verfassen. Der wird dann gemeinsam zur Post gebracht und abgeschickt. Und die Oma schreibt natürlich gerne zurück.
  • Bibliothek nutzen: Öffentliche Bibliotheken bieten eine Fülle an Lesestoff für Familien. Viele haben sogar kostenlose Mitgliedschaften für Kinder. In der Stadtbibliothek Magdeburg bekommen Kinder bis zum Alter von zehn Jahren einen kostenlosen Benutzerausweis. „Lassen Sie die Kinder das Buch selbst aussuchen“, empfiehlt Debora Diehl.
  • Musik malen: Man muss keine Noten schreiben können, um Musik festzuhalten. Ermuntern sie Kinder, die eben gehörte Musik auf Papier festzuhalten, in Form von Linien oder anderen Zeichen, so wie es die Kinder empfunden haben. Dann wird gemeinsam besprochen, welches Zeichen man für Regentropfen oder die Sonne nehmen möchte, damit es alle verstehen. Das schult auch die Feinmotorik, die für das Schreiben nötig ist.
  • Bewegung: Fingerspiele wie „Geht eine Maus die Treppe rauf“, Kniereiter wie „Hoppe, hoppe, Reiter“ oder alte Kinderspiele sind ideal, um Sprache und Bewegung miteinander zu verbinden.

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