Magdeburg (vs) l Deutsche Sparer haben es aufgrund der Minizinsen schon schwer. Dazu kommt nun die Verunsicherung rund um die Auswirkungen des Corona-Virus. Wie soll man seine Ersparnisse jetzt strukturieren? Diana Figiel, Gordon Gewinn und Jean Reboné vom Bundesverband deutscher Banken beantworteten beim Volksstimme-Telefonforum die Leserfragen rund um die Geldanlage.

 

Soll ich angesichts der gefallenen Kurse jetzt in Aktien investieren? Haben wir den Tiefpunkt schon erreicht?

Wir wissen auch nicht, wie lange die Unsicherheiten noch anhalten und ob die Kurse bereits einen Boden gefunden haben. Für risikobewusste und langfristig orientierte Anleger könnte sich ein schrittweiser Einstieg lohnen, also die Summe aufzuteilen, um nach und nach zeitlich gestaffelt Aktien zu kaufen. Um das Risiko zu mindern, sollte man aber nie alles Geld auf eine Karte setzen. Das bedeutet auch, Sie sollten nicht in eine, sondern in mehrere Aktien anlegen, am besten weltweit und branchenübergreifend.

Wir haben seit etwa fünf Jahren Geld in einen Mischfonds investiert. Wir benötigen das investierte Geld zwar nicht in absehbarer Zeit, dennoch beunruhigen uns die aktuellen Meldungen der Börsenverluste. Sollten wir was tun?

Die Börsen spiegeln die aktuelle Verunsicherung rund um den Corona-Virus wider. Lassen Sie sich nicht aus der Fassung bringen. Wenn das nicht Ihre einzige Anlage ist und Sie noch weiteres Geld zur Verfügung haben, sollte es sich langfristig lohnen, durchzuhalten.

 

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Vor Kurzem habe ich Aktien gekauft, hauptsächlich von deutschen Automobil-Unternehmen, die aktuell mit über 8000 Euro im Minus sind. Soll ich verkaufen?

Verkaufen Sie nicht vorschnell! Aktien sind keine kurzfristige Anlage, für eine Aktienanlage braucht man Geduld und Zeit. Ich würde daher Aktien eher halten und die Aktienmärkte weiter beobachten. Entscheidend sind die Zukunftsaussichten der Aktienunternehmen, in die Sie investiert haben. Allerdings sollten Sie überlegen, Ihr Depot breiter aufzustellen und auch andere Branchen zu berücksichtigen und weltweit anzulegen.

Wir haben seit 1993 einen Fondssparplan mit Misch- und Aktienfonds und überlegen, ob wir den Sparplan jetzt abbrechen sollten?

Nein, wenn Sie weiterhin langfristig Vermögen aufbauen möchten, sollten Sie durchhalten. Sie kaufen aktuell bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile für Ihre Sparrate. Dadurch ergibt sich langfristig ein günstiger Durchschnittskurs.

Sind meine 10 000 Euro auf dem Sparkonto noch sicher?

Die Bankguthaben in Deutschland sind bei jedem Kreditinstitut aufgrund der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu 100 000 Euro pro Person geschützt. Dazu gehören neben Girokonten und Sparkonten auch Festgeld- und Tagesgeldkonten. Außerdem gehören die meisten Banken zusätzlichen Sicherungssystemen an, die auch weit höhere Beträge absichern, bei den privaten Banken geht das zum Beispiel über den Einlagensicherungsfonds. Insofern müssen Sie sich keine Sorgen machen.

Wie sieht es aus mit Minuszinsen – muss ich für mein Sparkonto-Guthaben zahlen?

Sofern es überhaupt zu Negativzinsen kommt, werden diese bei den meisten Kreditinstituten erst ab recht hohen Beträgen fällig. Bestandskunden werden vorab informiert. Sie können sich dann nach Alternativen umsehen und sollten auch das Gespräch mit Ihrem Berater suchen.

Wie soll ich 100 000 Euro anlegen?

Das kommt auf Ihre persönliche Situation an. Relevant ist, wie lange Sie das Geld anlegen können, wie risikobereit Sie sind, welche Ersparnisse Sie bereits haben und wie diese angelegt sind. Grundsätzlich sollte man sein Geld nicht einseitig investieren. Für das Geld, das in den nächsten drei bis vier Jahren benötigt wird, eignet sich ein Tagesgeldkonto. Der Anteil, der mittel- bis langfristig nicht benötigt wird, kann breit gestreut in Wertpapiere wie Aktien, Immobilien, festverzinsliche Anlagen und Fonds investiert werden. Ihr Berater kann Sie im Detail unterstützen.

Die Turbulenzen am Aktienmarkt verunsichern mich. Was soll ich jetzt mit meinem breit gestreuten Aktiendepot machen?

Angst und Panik sind keine guten Ratgeber. Wer Geld in Aktien anlegt, sollte dies langfristig tun, also über mindestens zehn Jahre, besser noch länger. Ist das Portfolio außerdem breit aufgestellt, wie es empfohlen wird, sollte man eher dabei bleiben und die Schwankungen aussitzen. Bisher hat sich die Börse nach einer Krise auf lange Sicht noch immer erholt. Rückschläge könnte man sogar für Neukäufe nutzen. Grundsätzlich sollten Sie Ihr Depot um Mischfonds ergänzen. Der Vorteil ist das professionelle Management, welches je nach Marktsituation die Aufteilung zwischen Aktien und festverzinslichen Anlagen anpasst.

Aufgrund schlechter Erfahrung bin ich nicht bereit, mein Geld in Aktien anzulegen. Aber bei den aktuellen Zinsen komme ich auch auf keinen grünen Zweig. Was für Möglichkeiten gibt es noch?

Wenn Sie das Geld für mindestens fünf Jahre anlegen können, könnten für einen Teil des Geldes zum Beispiel offene Immobilienfonds in Frage kommen. Die Wertschwankungen sind in der Regel nur gering, der Wert entwickelt sich stetig und sie schütten regelmäßig Erträge aus. Mit einer durchschnittlichen Rendite zwischen zwei und 2,5 Prozent kann man momentan auch die Inflationsrate ausgleichen. Grundsätzlich gilt für Neuanleger offener Immobilienfonds eine zweijährige Mindesthaltefrist, zudem muss eine einjährige Kündigungsfrist eingehalten werden. Achten Sie auf die Kosten, besonders auf den einmaligen Ausgabeaufschlag beim Kauf.

Soll ich wegen der Corona-Krise meine Lebensversicherung, in die ich schon seit Jahrzehnten einzahle, frühzeitig verkaufen? Sie ist Ende des Jahres fällig.

Auf gar keinen Fall, jedenfalls nicht, wenn Sie das Geld aktuell nicht dringend benötigen. Zum einen hat Ihre Versicherung noch einen guten Garantiezins. Zum anderen würden Sie vermutlich den sogenannten Schluss-Gewinnanteil verlieren. Lassen Sie sich nicht von den aktuellen Kapitalmarktentwicklungen verunsichern.

Soll ich jetzt Gold kaufen?

Gold gilt als Krisenwährung. Es bringt aber keine Zinsen und ist aufgrund der starken Preisschwankungen eher spekulativ. Als kleine Beimischung gehört Gold zu einem breit gestreuten Vermögen dazu. Aber keinesfalls nur auf Gold setzen.

Ich habe ein gut strukturiertes Wertpapierdepot und auch eine Liquiditätsreserve. Jetzt möchte ich noch etwas in Gold anlegen. Wie mache ich das am besten?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Etwa der Kauf von physischem Gold, am besten in Form von Barren oder gängigen Münzen. Hier müssen Sie auf eine sichere Aufbewahrung achten. Sie können auch in Gold-ETFs oder in aktiv gemanagte Mischfonds mit einem größeren Anteil an Edelmetallen anlegen.

Mein Finanzberater drängt mich, Immobilien zu erwerben. Ich bin 85 Jahre alt und fühle mich zu alt dafür. Außerdem muss ich vermutlich bald ins Pflegeheim. Was meinen Sie?

Lassen Sie sich nicht zu Anlagen drängen, bei denen Sie kein gutes Gefühl haben oder die Sie nicht verstehen. Gehen Sie am besten zu Ihrer Bank und lassen Sie sich auf Ihre Lebenssituation ausgerichtet beraten.

Ich habe erst letzte Woche Geld in einen Immobilienfonds angelegt. Was mache ich denn jetzt bei den aktuellen Marktturbulenzen wegen des Corona-Virus? Soll ich verkaufen?

Nein, denn Immobilienfonds sind weitestgehend unabhängig vom Aktienmarkt. Sie investieren breit gestreut in Geschäftsimmobilien und generieren Ihre Erträge hier aus Mieteinnahmen.

Wie kann ich mein Geld sicher anlegen und noch einen guten Zins bekommen?

Ohne Risiko gibt es keinen nennenswerten Zins mehr. Wobei Risiko nicht zwingend mit Kapitalverlust gleichzusetzen ist, sondern mit Wertschwankungen. Derzeit haben zehnjährige Bundesanleihen eine negative Rendite! Interessante Renditen sind aber nach wie vor mit Aktien und Fonds möglich, wenn Sie langfristig anlegen können.