Mainz/München (dpa/so) l Fake-Shops im Internet locken ihre Opfer mit äußerst günstigen Preisen, kassieren per Vorkasse und liefern nie. Die Brandenburgische Verbraucherzentrale vermutet, dass es etwa eine Million solcher Fake-Shops im Netz gibt. Viele dieser „Shops“ haben sogar eine deutsche Domain, die man bei allen Internet-Betreibern leicht erwerben kann.

Das überwiesene Geld der betrogenen Kunden wird oftmals auf ein durch Betrug eröffnetes Bankkonto überwiesen und von dort aus oft in eine Kryptowährung umgewandelt. Kryptowährungen sind eine digitale Währung, die anonymes bargeldloses Bezahlen außerhalb von Kontrollinstanzen wie Banken oder Behörden ermöglichen. Deshalb konvertieren die Betrüger das erbeutete Geld in Bitcoins, um die Summe anschließend unerkannt zu bewegen.

Bitcoin als Schwäche

Dieser Transfer in Bitcoins ist jedoch auch eine Schwachstelle der Betrüger. Laut Matthias Kröner, Geschäftsführer der Fidor Bank, könnten Betrüger hier auffliegen: „Grundsätzlich ist es so, dass alle Nutzer bei Bitcoin.de eine volle Identifikation durchlaufen müssen. ‚Geldwäsche‘ funktioniert ja letztlich nur dann, wenn eine bekannte und echte Person die Herkunft des Geldes verschleiern möchte, um so beispielsweise aus schwarzem Geld Gewaschenes, das heißt ‚sauberes‘ Geld zu machen. Leider sind auch hier die Betrüger sehr kreativ, die Möglichkeiten sind dementsprechend vielfältig.“

Das „Weitersenden“ eines betrügerisch erlangten Geldbetrages an externe digitale Geldbörsen, sogenannte Bitcoin-Wallets, lässt sich nicht so leicht verbergen, wie man glauben möchte. Denn eine Sicherheitsvorkehrung macht jede Transaktion und jeden Besitzer nachvollziehbar.

Kontodaten kontrollieren

Für die Eröffnung betrügerischer Konten gibt es Handelsplätze im Internet, auf denen Konten verschiedenster Banken gehandelt werden. Sobald ein Betrüger dort ein Konto „gekauft“ hat, muss er wesentliche Daten des Kontoinhabers ändern, denn er möchte, dass der ursprüngliche Konto-Eröffnende keinen Zugriff mehr hat und der Betrüger so das Konto voll in Besitz nehmen kann. Genau diese Veränderungen – um nur ein Beispiel zu nennen – können von Finanzexperten und Sicherheitsmitarbeitern rund um die Uhr verfolgt werden, um so verdächtige Verhaltensweisen zu erkennen und umgehend reagieren zu können.

Also besteht eine Chance, die Täter zu schnappen. Sobald der Kunde eines Online-Shops eine Auffälligkeit feststellt wie zu lange Wartezeiten und keine Möglichkeit besteht, den Händler zu kontakieren, sollte er den Kontakt zur Polizei suchen und den Fall schildern.

Kontodaten geheim halten

Darüber hinaus: Wenn scheinbar ganz normale Kunden ein Konto eröffnen, diese Konto-Zugangsdaten dann an Dritte weiterreichen oder verkaufen, handelt es sich um eine Straftat. Auch die Bank ist dann Opfer eines Betrugs, ebenso wie es der Kunde eines Fake-Shops selbst ist. Einmal mehr festigt sich hier der Lehrsatz, dass man seine Kontodaten niemandem preisgeben sollte, um kein Opfer von Diebstahl und Betrug zu werden.

Bei genauerem Hinsehen können Fake-Shops von den Kunden erkannt werden. Wer online einkauft, sollte sich bei unbekannten Händlern deshalb vor einem Kauf immer die Zeit nehmen, die Seiten auf Anzeichen betrügerischer Absichten hin zu prüfen, raten das Landeskriminalamt und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Neben dem enorm niedrigen Preis für das Produkt sei häufig ein fehlendes, lückenhaftes oder unstimmiges Impressum ein deutliches Warnsignal.

Seriosität prüfen

Händler seien verpflichtet, auf ihren Seiten unter anderem den Firmennamen, die geografische Adresse und eine E-Mail-Adresse anzugeben. Am Webdesign kann man die Seriosität von Händlern oft nicht messen: Auch Betrüger-Seiten wirken oft professionell.

Hilfreich kann es den Verbraucherschützern zufolge dagegen sein, den Ruf des Unternehmens zu prüfen. Bewertungen oder Erfahrungen anderer Nutzer könnten hilfreich sein, doch diese sollte man kritisch lesen.
060n Zwischentitel: Bester Schutz:

Bezahlung auf Rechnung als bester Schutz

Den besten Schutz vor Fake-Shop-Betrügern bieten am Ende immer sichere Zahlarten. Am sichersten sei die Bezahlung per Rechnung nach Erhalt der Ware sowie die Zahlung per Lastschriftverfahren, weil man sich hier sein Geld bei Nichtlieferung zurückholen kann. Grundsätzlich gelte: keine Vorauskasse leisten.