Magdeburg (vs) l Worauf zu achten ist, wenn ein Eigenheim geplant wird, und wie sich der Staat an der Finanzierung beteiligen kann – dazu berieten Heidi Lange von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, Jens Neubauer vom Verband der Privaten Bausparkassen und Uwe Kill vom Verband Privater Bauherren die Leser am Telefon.

Das Haus, welches ich kaufen möchte, steht noch nicht zum Kauf, weil auf den Erbschein gewartet werden muss. Ich kann es daher erst einmal mieten. Soll ich das machen?
Bei einem sogenannten Miet-kauf mieten Sie für einen gewissen Zeitraum das Objekt und zahlen Miete. Halten Sie im entsprechenden Mietkaufvertrag fest, dass die bis zum endgültigen Kauf gezahlte Miete mit Zins vom Kaufpreise heruntergerechnet wird. Sprechen Sie den Inhalt des Vertrages mit einem Anwalt durch und halten Sie so viel wie möglich fest, um den Kauf sicher zu machen.

Ich schwanke zwischen Neubau und dem Erwerb einer Bestandsimmobilie. Welche Vor- und Nachteile gibt es? Worauf sollte man unbedingt achten?
Ist ein passendes Baugrundgrundstück gefunden, können Sie Ihre individuellen Vorstellungen zum Wohnen verwirklichen. Beim Altbau müssen Sie auf die Bausubstanz achten. Das kann man als Laie nicht selbst. Der Altbau ist durch einen unabhängigen Gutachter zu prüfen. In diesem Zusammenhang können der Sanierungsbedarf und die daraus entstehenden Kosten in die Finanzierung einkalkuliert werden. Wichtig ist auch, dass das alte Gemäuer Ihren tatsächlichen Ansprüchen gerecht werden kann.

Ich habe vor, über ein Annuitätendarlehen zu finanzieren. Wie kann ich die Angebote miteinander vergleichen?
Holen Sie mehrere Angebote ein. Folgendes muss von vorherein klar sein dabei: Die Höhe der zu finanzierenden Summe, Zinsfestschreibungszeit und die Höhe der monatlichen Rate. Auf dieser Basis entsteht ein Angebot, woraus die Restschuld nach Ende der Zinsfestschreibung hervorgeht.

Ich habe meinen Bauvertrag unterschrieben. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob alles korrekt ist. Was kann ich jetzt noch machen?
Besser wäre es gewesen, Sie hätten den Bauvertrag vor der Unterschrift prüfen lassen. Bei Unsicherheiten die Form und den Inhalt des Vertrages immer von einem unabhängigen Dienstleister prüfen lassen. Beispielsweise durch die Verbraucherzentrale oder den Anwalt, wenn es um rechtliche Angelegenheit geht. Beim Bausachverständigen beim Tüv, Verband Privater Bauherren oder beim Verein Haus & Grund geht es um die baulichen Dinge.

Wir als Familie mit drei kleinen Kindern möchten jetzt außerhalb der Stadt bauen und das Baukindergeld der KfW in Anspruch nehmen. Womit können wir da rechnen?
Beim erstmaligen Erwerb oder Neubau von Wohneigentum können Sie mit einem Zuschuss in Höhe von 1200 Euro pro Jahr für jedes Kind unter 18 Jahren über einen Zeitraum von maximal zehn Jahren rechnen. Voraussetzung ist, dass die Kinder zum Zeitpunkt der Antragsstellung kindergeldberechtigt sind und dass Ihr jährlich zu versteuerndes Einkommen einen gewissen Grenzwert nicht übersteigt. Bei einem Kinde ist das ein jährliches Haushaltseinkommen von 90.000 Euro. Für jedes weitere Kind kommen 15.000 Euro hinzu.

Ich habe schon eine Immobilie, möchte aber wegen der Kinder eine noch größere bauen. Die kleinere möchte ich vermieten. Erhalte ich das Baukindergeld?
Nein, das geht nicht. Diesen Zuschuss gibt es nur für eine Erstimmobilie. Ist bereits ein selbstgenutztes oder vermietetes Haus vorhanden, ist diese Förderung ausgeschlossen.

Welche Unterlagen sind nötig, um Baukindergeld zu erhalten? Wo stelle ich den Antrag?
Den Antrag stellt man online im KfW-Zuschussportal unter www.kfw.de/zuschussportal. Nach Eingang des Antrags erhalten Sie eine Bestätigung durch die KfW. Folgende Dokumente sind notwendig: Einkommensteuerbescheide des zweiten und dritten Kalenderjahres vor Antragstellung. Bei Antragseingang 2019 sind also die Bescheide aus den Jahren 2016 und 2017 einzureichen. Außerdem ist eine Meldebestätigung vorzulegen, die Ihren Hauptwohnsitz sowie den der im Antrag genannten Kinder sowie Ihres Ehe-oder Lebenspartners ausweist. Zudem benötigt man noch einen Grundbuchauszug als Nachweis über den Eigentumserwerb.

Lohnt sich heutzutage überhaupt noch ein Bausparvertrag?
Ein Bausparvertrag kann sich für Sie lohnen, wenn Sie gezielt für die eigene Immobilie sparen und sich gegen steigende Zinsen absichern wollen. Er ist auch als Rücklage für eine Modernisierung sinnvoll, weil Banken dafür oft keine günstigen Kredite haben.

Worauf sollte man beim Abschluss eines Bausparvertrages achten? Es gibt ja so viele verschiedene.
Lassen Sie sich für jedes Bausparangebot einen Spar- und Tilgungsplan erstellen. Achten Sie darauf, dass der Vertrag etwa zu der Zeit zugeteilt wird, zu der Sie das Geld voraussichtlich benötigen.

Wenn ich mein Geld in einem Bausparvertrag anlege, habe ich fast keine Zinsen. Warum sollte ich das machen?
Als Gegenleistung für die niedrigen Sparzinsen erwerben Sie als Bausparer den Anspruch auf ein günstiges Darlehen, das für den Immobilienkauf oder Modernisierungsmaßnahmen genutzt werden kann. Denn der Zinssatz für das Bauspardarlehen steht heute schon fest, auch wenn Sie Ihr Darlehen erst in sieben oder zehn Jahren abrufen. Wie viel Zinsen Banken für einen Baukredit dann verlangen werden, ist dagegen unsicher. Das hängt von der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt ab. So niedrig wie heute werden Zinsen für Hypothekenkredite der Banken auf Dauer kaum bleiben.

Unser Hausdach muss dringend erneuert werden. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf rund 28.000 Euro. Kann ich dafür bei der Bausparkasse nachfragen?
Das können Sie beispielsweise bei einer Bausparkasse Ihrer Wahl machen. Das ist sinnvoll, weil für Darlehen bis zu 30.000 Euro Bausparkassen meistens auf einen Grundschuldeintrag als Sicherheit verzichten. Das spart gegebenenfalls Notar- und Grundbuchgebühren. Prüfen Sie, ob eventuell eine andere Finanzierung auch machbar ist.

Angenommen, ich schließe einen Bausparvertrag ab, um in zehn Jahren zu bauen. Weiß ich, ob ich dann auch das Geld tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt bekomme? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Sie können das insofern beeinflussen, indem Sie das tariflich vereinbarte Mindestguthaben ansparen und die Wartezeiten einhalten. Das kann man beim Abschluss eines Bausparvertrages genau berechnen lassen. Denn Sie haben recht, Dreh- und Angelpunkt ist beim Bausparen die Zuteilung. Ab diesem Zeitpunkt kann sich der Sparer sein Guthaben auszahlen lassen und den Rest der Bausparsumme als Darlehen abrufen. Bis es so weit ist, müssen Sie das tariflich vereinbarte Mindestguthaben angespart haben. Das sind in der Regel tarifabhängig - 30 bis 50 Prozent der vereinbarten Bausparsumme.

Es gibt Unmengen von Bausparangeboten. Wie finde ich das passende?
Ausschlaggebend ist, was Sie selbst mit Ihrem Bausparvertrag vorhaben und dass Sie sich die vorgesehenen Spar- und Tilgungsraten langfristig leisten können. Um den richtigen Tarif für sich zu finden, ist eine individuelle Beratung unerlässlich.

Ich möchte in meine Baufinanzierung unbedingt staatliche und Landesfördermittel einbeziehen. Ist das möglich?
Ja. Sofern Sie die förderberechtig sind, können Sie Fördermittel der Investitionsbank in Anspruch nehmen. Das können zinsverbilligte Darlehen oder alternative Zuschüsse sein. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt hat eine Übersicht der Fördermöglichkeiten vom Land, der KfW beziehungsweise der EU.

Ich brauche ganz schnell eine Finanzierung. Was raten Sie mir?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Eine Bausparsofortfinanzierung über eine Bausparkasse. Diese besteht aus einem tilgungsfreiem Darlehen und einem klassischen Bausparvertrag. Ist der Bausparvertrag zuteilungsreif, wird das tilgungsfreie Darlehen durch das eigentliche Bauspardarlehen abgelöst. Die andere Möglichkeit ist ein Annuitätendarlehen. Lassen Sie sich die jeweiligen Vor- und Nachteile von einem Finanzierungsberater erklären, damit das Konzept für Sie aufgeht.

Unser Sohn möchte unbedingt bauen. Wir sehen das skeptisch. Wie viel Eigenkapital braucht er eigentlich? Was ist noch zu beachten?
Es ist ratsam, 25 Prozent der Baukosten an eigenen Mitteln zu haben. Je mehr Eigenkapital vorhanden ist, umso besser sind die Konditionen für die eigentliche Finanzierung. Die monatliche Belastung sollten nicht mehr als 30 Prozent des monatlichen Familien-Nettoeinkommens sein.