Stuttgart/Ingolstadt (dpa/tmn) – Es ist Hochsaison für das Motorrad, der Winterschlaf längst vergessen. Höchste Zeit also, die Maschine fürs Foto-Shooting zu putzen und zu polieren. Einfach nur zum Vorzeigen – oder um sie zu verkaufen. Mit ein paar Tipps gelingen selbst Amateuren gute Fotos.

Rossen Gargolov, professioneller Fotograf aus Stuttgart, fotografiert seit 20 Jahren unter anderem für Motorradzeitschriften. Vor dem eigentlichen Fotografieren rät er dazu, den richtigen Ort und eine gute Position für die Maschine zu finden. Ideal sei ein Platz mit einem neutralen Hintergrund. "Das Wichtigste ist aber, dass einem selbst der Anblick von Motorrad, Position und Hintergrund gefällt, dass der Betrachter die Komposition mag."

Die Zuckerseite finden

Bevor Besitzer jetzt drauflosknipsen, sollten sie sich aber ein paar Sekunden Zeit nehmen und ihre Maschine genau betrachten, erklärt Gargolov. Dabei wirke jedes Motorrad anders: Manche Maschinen sehen gut von vorne aus, manche von der Seite, andere wiederum von hinten. Besonders schön würden Aufnahmen, wenn sie morgens oder abends angefertigt werden. "Je früher am Morgen und je später am Abend, umso schöner werden die Fotos." Morgenlicht scheine etwas weißer und kühler, Abendlicht etwas gelber und wärmer. "Hartes Mittagslicht würde ich vermeiden", sagt Gargolov. Sollte die Sonne hart auf die Maschine scheinen, rät der Profi zu einer leicht seitlichen Aufnahme der Front oder des Hecks. "Durch diese Position und den Schatten erhält die Aufnahme eine dritte Dimension. Das sieht deutlich besser aus, als wenn das Motorrad nur platt von vorne abgelichtet wird", sagt er.

Keine Profiausrüstung nötig

Eine Profi-Fotoausrüstung benötigen Motorradfahrer nicht unbedingt. "Moderne Smartphones bieten mittlerweile eine gute Foto-Qualität." Beim Porträtmodus bleibe die Maschine scharf und der Hintergrund werde automatisch unscharf. "Das hebt das Motorrad schön ab." Bei einer Kamera ohne Porträtmodus gilt es, eine möglichst kleine Blendenzahl und eine kurze Verschlusszeit zu wählen. Auf Weitwinkel-Aufnahmen würde Gargolov verzichten, da es Bauteile der Maschine optisch verzieht. Auch den Blitz lässt man besser aus. "Das direkte Licht bricht dann die Dreidimensionalität wieder auf zwei Dimensionen runter, die Maschine verliert Strukturen und das Foto sieht künstlich aus."

Daniel Wollstein, Motorradfahrer, Fotograf und Geschäftsführer der Fotoagentur Right Light Media, fotografiert seit zwölf Jahren professionell Motorräder. "Maschinen stelle ich grundsätzlich auf dem Seitenständer ab", sagt er. "Wenn sie sich zu stark neigen, klemme ich einen kleinen Keil unter den Ständer." Sonst sehe es so aus, als würde das Motorrad absacken, erklärt Wollstein. Als Perspektive empfiehlt er eine Dreiviertel-Ansicht von vorne, um möglichst viel von der Maschine ablichten zu können.

Mit Streiflicht spielen

"Schön sieht es aus, wenn das ganze Bike vom Vorderrad bis zur Heckleuchte zu sehen ist und das Licht vom Heck aus seitlich über die Maschine streift", sagt er. "Das Streiflicht modelliert alle dreidimensionalen Aspekte des Motorrads, dadurch wird es nahbarer und lebendiger", sagt Wollstein. Bei Cruisern setzt Wollstein auf möglichst lange Brennweiten zwischen 80 und 100 Millimetern, um die eh schon extremen Proportionen einzelner Bauteile nicht weiter zu verzerren. Sportler und Café Racer fotografiert er hingegen mit kleinen Brennweiten zwischen 35 und 50 Millimetern, um kleine Bauteile wie Scheinwerfer und Lenker anders darzustellen. Und Enduros lichtet er eher von der Seite mit einem 80-Millimeter-Objektiv ab, um optisch mit dem großen Tank und der hohe Sitzposition zu spielen. Wichtig: Die Auspuffanlage gehöre immer aufs Foto.