Magdeburg l Wer sich in den Finger schneidet, verspürt einen akuten Schmerz im Finger. Wer sich den Ellenbogen gebrochen hat, der hat Schmerzen im Arm. Akute Schmerzen sind nützliche Warnsignale des Körpers. Wenn nach einiger Zeit keine Entwarnung erfolgt, bleibt der Schmerz erhalten. Soziale Konflikte, etwa in der Familie, im Studium oder im Beruf, können ihn sogar noch verstärken. Bislang gibt es kein Messgerät, das anzeigt, wie stark der individuell empfundene Schmerz ist. Schmerztherapeuten vertrauen daher ihren Patienten, die ihre gefühlten Schmerzen mit Hilfe einer Bewertungsskala beschreiben.

„Niemand, der chronische Schmerzen hat, ist froh und glücklich“, sagt Oberärztin Sabine Lilienblum, Anästhesistin und leitende Ärztin der Abteilung Schmerztherapie am Klinikum Magdeburg. Eine natürliche Reaktion des Körpers ist es, den Schmerz durch eine „schonende“ Körperhaltungen zu vermeiden. Auf Dauer führen Bewegungseinschränkungen aber eher zu noch mehr Schmerzen und nebenbei nicht selten auch zum Rückzug aus dem sozialen Leben. Ein Teufelskreislauf, aus dem Betroffene oftmals nicht ohne Hilfe wieder herausfinden, so Lilienblum.

Aus dieser Sackgasse wollen Schmerztherapeuten chronische Schmerzpatienten mit einem multimodalen Konzept heraushelfen, das seit zwei Jahren am Klinikum Magdeburg praktiziert wird. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Schmerz nicht nur ein körperliches Symptom ist. Die Behandlung erfordert deshalb eine enge Zusammenarbeit von Schmerztherapeuten, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie Ärzten anderer Fachdisziplinen, etwa Orthopäden, Neurologen, Neurochirurgen, Internisten. In einigen Fällen wirken auch Mitarbeiter von Sozialdiensten oder Ernährungsberater mit. Auch Achtsamkeitstraining, in dem die Wahrnehmung positiver Erfahrungen geübt wird, sowie verschiedene Entspannungstechniken oder Körperübungen, wie etwa das chinesische Qigong, können chronischen Schmerzpatienten helfen.

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Die Patienten, die auf der schmerztherapeutischen Station des Klinikums Magdeburg in der Regel zwei bis drei Wochen lang therapiert werden, haben meist schon eine längere Zeit mit chronischen Schmerzen gelebt. „Vor Beginn der Behandlungen fragen wir sie nach ihren Erwartungen“, sagt Lilienblum. Die Betroffenen erlernen dann Strategien, mit denen sie die Häufigkeit und die Stärke der Beschwerden reduzieren können. Selbst kleine Fortschritte können oftmals helfen, das Leben wieder erträglicher zu machen.

„Die Mehrzahl unserer Patienten ist über 50 Jahre alt“, sagt Lilienblum. „Sofern diese Patienten noch im Berufsleben stehen, ist es das gemeinsame Ziel, den Alltag und auch die Arbeitsfähigkeit zu verbessern.“ Immer öfter geraten auch pflegende Angehörige in die „Schmerzfalle“, weil sie ihre körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen überschreiten.

Überlastungen frühzeitig behandeln

Schmerzmediziner raten daher anlässlich des heutigen bundesweiten Aktionstages gegen den Schmerz, frühzeitig gegen chronische Überlastungen vorzugehen und Hilfe bei Schmerztherapeuten zu suchen.