Magdeburg l Dass Medikamente nicht lieferbar sind, damit haben die Apotheker in Sachsen-Anhalt tagtäglich zu kämpfen. Aktuell bestehen bei weit über 250 Präparaten Lieferengpässe. Die Zahl der deswegen ausgetauschten Medikamente belief sich im Vorjahr auf 9,3 Millionen – fast doppelt so viele wie 2017 (5 Millionen). So ist es nur allzu verständlich, dass das Thema auf der Tagesordnung des Deutschen Apothekertages steht, der derzeit in Düsseldorf veranstaltet wird. Diskutiert werden hier verschiedene Maßnahmen – wie beispielsweise ein Mindestvorrat beim Hersteller oder eine nationale Bevorratung. Wie alle anderen Vertreter fordern auch die Apotheker Sachsen-Anhalts von der Politik, national und auf europäischer Ebene nachhaltige Maßnahmen zu ergreifen.

Besonders stark betroffen ist mit Ibuprofen eines der am meisten verschriebenen Schmerzmittel. Von 27 Millionen Rezepten kam es in 1,6 Millionen Fällen zu Engpässen. Nach Angaben der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt gibt es aber auch bei bestimmten Blutdruckmitteln, Antibiotika, Antidiabetika, Schilddrüsenpräparaten und Impfstoffen immer wieder Probleme. Vor allem im Krankenhausbereich sind Lieferengpässe an der Tagesordnung, erklärt Jens-Andreas Münch, Präsident der Landes-Apothekerkammer: „Zum Glück gibt es oft gleichwertige Alternativen anderer Hersteller.“ Leider jedoch nicht immer. „Dann telefonieren wir manchmal stundenlang mit Kollegen, dem Großhandel oder dem Hersteller, um die benötigten Arzneimittel doch noch zu bekommen. Oder mit dem verordnenden Arzt, um mögliche Alternativen zu besprechen.“ In der Mehrzahl der Fälle finde man eine Lösung – „das ist jedoch oft mit erheblichem Mehraufwand sowohl durch die Apotheke als auch – durch vermehrte Nachfragen – in den Arztpraxen verbunden“.

Produktion im Ausland problematisch

Die Ursachen für die Lieferengpässe sind vielschichtig, betonen Apotheker wie auch Ärzte und Krankenkassen im Land. In einem sind sich alle einig: Hauptproblem ist die Verlagerung der Rohstoffproduktion ins außereuropäische Ausland. Der Großteil findet heute in Billiglohnländern wie Indien oder China statt. „Nicht ohne Grund ist die Pharmaindustrie eine der Branchen mit den höchsten Gewinnen weltweit“, betont Sascha Kirmeß, Sprecher der AOK Sachsen-Anhalt, mit Blick auf die Konzentration auf wenige oder gar einzelne Hersteller. „Viele reduzieren aus Gründen der Gewinnoptimierung ihre Produktionsstandorte. Fällt dieser aus oder gibt es Probleme beim Transport wegen Streiks oder schlechter Witterung – hat das sofort Auswirkungen auf die Lieferkette“, gibt Volkmar Schmeichel vom Landesverband der Ersatzkassen (vdek) zu bedenken.

Hingegen widersprechen die Krankenkassen dem Vorwurf aus Pharma-Kreisen, dass die Rabattverträge die Lieferengpässe begünstigen, mit dem Verweis auf das Wirtschaftlichkeitsgebot. „Ohne Rabattverträge wäre die Versorgung nicht besser, aber deutlich teurer“, entgegnet Kirmeß. Die Verträge sorgen zudem dafür, dass die Hersteller Planungssicherheit haben. Und in der Regel erhalten zwei oder mehr Anbieter den Zuschlag: „Zudem ist geregelt, dass die Apotheker bei Engpässen immer auf andere Mittel zurückgreifen können.“ Schmeichel verweist noch auf einen anderen Aspekt: „Geringere Arzneimittelpreise gehen auch mit einer Reduzierung der Zuzahlungen für den Patienten einher.“ Somit sollten auch die Versicherten Interesse an rabattierten Arzneimitteln haben.