Magdeburg l Was Allergiker wohl schon seit ein paar Wochen befürchtet haben, ist bittere Realität: Die Frühblüher Erle und Hasel sind bereits aktiv und verursachen reichlich Schnupfen, Nieser und juckende Augen.

Zwar ist der Pollenflug aktuell noch schwach ausgeprägt, für starke Allergiker aber dennoch spürbar. Und auch der Eindruck, dass immer mehr Menschen an Allergien leiden, ist nicht falsch.

Schon zur Jahrtausendwende wurde vom Robert-Koch-Institut ein starker Anstieg von Allergien, insbesondere von Heuschnupfen, festgestellt.

Besonders Frühblüher belasten die Menschen, die an Heuschnupfen leiden, denn auf diese Pflanzen reagieren die meisten Menschen allergisch. Dazu gehören unter anderem Bäume wie Hasel, Erle, Birke, Gräser und Kräuter wie Beifuß, teilt der Deutsche Allergie- und Asthma-Bund mit.

Wie tödlich sind Allergien?

In Deutschland leidet aktuell jeder vierte bis fünfte Mensch an einer allergischen Erkrankung. Etwa 86 Prozent aller Allergiker leiden unter einer Pollenallergie, 41 Prozent reagieren allergisch auf Hund oder Katze, 38 Prozent auf Hausstaub und 14 Prozent auf Schimmelpilze, teilt Dr. Mareike Alter von der Uniklinik Magdeburg mit.

Die Asthmahäufigkeit liege bei etwa fünf Prozent in der Bevölkerung. Etwa 2700 Menschen sterben jährlich an den Folgen der Krankheit.Außerdem erkanken zunehmend Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr an Allergien. Mittlerweile seien 18 Prozent dieser Altersgruppe von Allergien betroffen, so Alter. Außerdem erkranken mehr Jungen als Mädchen.

Familien, in denen die Eltern Allergiker sind, sind sogenannte Risikofamilien. In einer Risikofamilie erkranken die Kinder wesentlich häufiger an Allergien – jedes vierte Kind. In einer Nicht-Risikofamilie ist es nur jedes zehnte Kind.

Welche Maßnahmen können Allergikern helfen?

An Behandlungsmöglichkeiten steht zum einen die spezifische Immuntherapie, die Hypo-Sensibilisierung, zum anderen ein symptomatisches Therapieverfahren zur Verfügung, so Mareike Alter. „Die Hypo-Sensibilisierung ist die einzige Möglichkeit, eine Allergie zu ,heilen‘. Je nach Allergen sind die Erfolgsaussichten unterschiedlich“, gibt Oberärztin Alter zu bedenken. Hypo-Sensibilisierungen gebe es in Form von Spritzen, Tabletten und Tropfen, sie stehen aber nicht für jedes Allergen zur Verfügung.

An Therapieformen, die symptomatisch helfen sollen, gibt es insbesondere Antihistaminika, Mastzellstabilisatoren und Kortison. Diese Medikamente stehen zum Einnehmen oder als Augentropfen, Nasen- oder Asthmaspray zur Verfügung.

Die Präparate wurden in den letzten Jahren sehr intesiv weiterentwickelt. Besonders was die Nebenwirkung der Müdigkeit durch die Tabletten angeht – moderne Anthistaminika sollen diesen Effekt kaum noch haben, sagt Mareike Alter.

Was passiert bei einem allergischen Schock?

Die größte Angst eines Allergikers ist wohl, dass es zu einem allergischen Schock kommt. In diesem Fall müssen die Antihistaminika von einem Notarzt gespritzt werden, zudem kommt meist Adrenalin zum Einsatz.

Nach so einem Ereignis müssen betroffene Personen immer ein Notfallset bei sich tragen, in dem Antihistaminika und Kortison in flüssiger Form und ein Adrenalin-Autoinjektor enthalten sind, damit bei einem erneuten Schock schnell Gegenmaßnahmen getroffen werden können.