Magdeburg l Die gute Nachricht vorweg: Die Menschen werden älter, gleichzeitig aber nimmt die Zahl der Senioren ab, die im Alter ohne Zähne sind. Inzwischen leben auch immer mehr Rentner mit Zahnimplantaten, die seit etwa drei Jahrzehnten eingesetzt werden.

Zahnimplantate werden anstelle verlorener Zähne in den Kieferknochen eingebracht. Sie wirken wie künstliche Zahnwurzeln. Darauf aufgesetzt werden Kronen, Brücken oder Prothesen. „Die Implantate sind ein hochwertiger Zahnersatz und ihre Vielfalt ist sehr groß“, so Professor Dr. Dirk Ziebolz, Oberarzt an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Uniklinikum Leipzig. Von Vorteil ist, dass sie die noch gesunden Zähne im Umfeld schützen und die normale Kaufunktion erhalten.

Zahnimplantate erfordern eine sehr gute Pflege. Häufige Gründe für Probleme bei der Mundhygiene im Alter sind fortschreitende Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer, chronische Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, alterungsbedingte Seheinbußen (u.a. Fehlsichtigkeiten, Grauer Star, Makuladegeneration), verschleißbedingte rheumatische Erkrankungen, welche die Feinmotorik der Hände und die Beweglichkeit der Schultergelenke einschränken, Funktionseinschränkungen des Immun-Abwehrsystems (z.B. bei Krebs) sowie nicht selten auch Medikamenten-Nebenwirkungen, die u.a. zu Mundtrockenheit, vermehrtem Knochenabbau und zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen können.

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Zahnfleischsaum aus Gefahrenzone

Eine wichtige Voraussetzung, um Zahnimplantate viele Jahrzehnte lang im Mundraum zu erhalten, ist die Beseitigung bakterieller Zahnbeläge (Plaque). Bei Mängeln der Mundhygiene können Bakterien unter dem Zahnfleischsaum und am Implantat entlang in den Kieferknochen eindringen. Die Folge sind Entzündungen, die den festen Sitz des Implantates gefährden und sogar zu dessen Verlust führen können. Rauchen ist zwar auch ein Risiko, das zum Implantatverlust führen kann. Allerings raten Zahnärzte Rauchern nicht generell von Zahnimplantaten ab, sondern bewerten die Lage individuell.

Warnsignale sind blutendes Zahnfleisch sowie Eiterbildung. Auch wenn dabei keine oder nur geringe Schmerzen auftreten, sollten Patienten dann unbedingt einen Zahnarzt aufsuchen, rät Dr. Dr. Waldemar Reich, Oberarzt an der Universitätsklinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie Halle (Saale). Auf dem Röntgenbild kann der Zahnarzt erkennen, ob Entzündungen im Zahnbett vorhanden sind. Die Mediziner nennen diese gefürchtete Komplikation Periimplantitis.

Damit es erst gar nicht zu Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnbetts kommt, muss der Übergangsbereich zwischen Zahnfleisch, Implantat und Aufsatz (Krone, Brücke oder Prothese) besonders gut gereinigt werden. Das geschieht mit der Zahnbürste und einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Die Bürste sollte dabei so gehalten werden, dass die Borsten leicht unter den Zahnfleischsaum rutschen können, damit sich Plaque und Zahnstein nicht festsetzen können. Gut geeignet für Implantatträger sind Zahnbürsten mit vielen weichen Borsten. Sie helfen, das Verletzungsrisiko des Zahnfleisches durch zu starken Druck zu reduzieren.

Richtige Handhabung ist entscheidend

Menschen mit Gelenksteifigkeiten empfehlen die Experten Zahnbürsten mit einem dickeren Schaft. Elektro- und Schallzahnbürsten können eine Alternative sein, wobei deren Vor- und Nachteile gegenüber Handzahnbürsten sich etwa die Waage halten.

Wichtiger als die Art der Zahnbrüste ist der richtige Umgang damit. Am besten ist es, wenn Implantat-Träger und ggf. deren pflegende Angehörige sich ganz praktisch und individuell über die Implantatreinigung in der Arztpraxis beraten lassen, so die Experten.

So wie jedes Straßenfahrzeug trotz guter Pflege regelmäßig zur TÜV-Hauptuntersuchung muss, sollte auch der Zustand von Zahnfleisch, Implantaten und Zähnen regelmäßig von der Zahnarztpraxis untersucht werden. Da selbst bei guter persönlicher Mundhygiene Bakterienbeläge an schwer zugänglichen Stellen nur unzureichend zu säubern sind, wird Implantatträgern mindestens halbjährlich eine professionelle Reinigung durch Fachpersonal in der Praxis empfohlen.