Infotag

Informationen zur Prävention von Krebserkrankungen gibt es beim 20. Familien-Infotag „Aktiv gegen Krebs!“ am 19. Oktober in Magdeburg (Johanniskirche/ Jakobstraße).

Auch die psychosozialen Beratungsstellen im Magdeburger Raum werden zwischen 10 und 15 Uhr in der Johanniskirche Magdeburg für Fragen der Besucher zur Verfügung stehen.

Veranstalter ist das Tumorzentrum Magdeburg/Sachsen-Anhalt e. V. Besucher können an Vorträgen von Ärzten und Gesprächen mit Experten teilnehmen. Der Eintritt ist frei.

Magdeburg l Durch die heutige gute medizinische Versorgung ist Krebs schon lange kein Todesurteil mehr und neben der Behandlung der Krebserkrankung selbst, rücken auch psychologische Gesichtspunkte und notwendige soziale Unterstützungsaspekte mehr und mehr in den Blickpunkt. In Magdeburg ist seit vielen Jahren die „Arbeitsgruppe Psychoonkologie“ (Leitung: Prof. H. Flechtner) innerhalb des Tumorzentrums hierbei aktiv und unterstützt den Aufbau psychoonkologischer Dienste (Leitung: Dr. M. Köhler und PD Dr. M. Vogel) und spezieller ambulanter Angebote (z.B. Fatiguesprechstunde, Familiensprechstunde für Kinder krebskranker Eltern etc.). Wichtige Bausteine sind die Psychoonkologie selbst, das Thema „tumorbedingte Fatigue“ und der große Komplex der Krebsberatung (Leitung Prof. J. Frommer), die im Weiteren kurz dargestellt sind:

Psychoonkologie, als ein Teilgebiet der Onkologie, befasst sich mit den emotionalen Reaktionen der Patienten in allen Krankheitsphasen sowie denjenigen der Familien und Behandler. Ihr Ziel ist es unter anderem, seelische Not zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Neben der Angst vor einem Fortschreiten der Krebserkrankung (Progress) können bei Betroffenen auch Ängste vor Autonomieverlust, sozialer Isolierung, Bedrohung der sozialen Identität und letztlich vor Sterben und Tod bestehen. Aber auch die Auseinandersetzung mit körperlichen Einschränkungen und Leistungsminderung können Krebspatienten belasten und auch beim Umgang mit Angehörigen stellen sich oft viele Fragen. Krebspatienten und ihre Angehörigen wünschen sich dabei mehr professionelle Unterstützung bei ihren Sorgen und Ängsten. Speziell geschulte psychoonkologische Mitarbeiter können hier wesentliche Hilfestellungen leisten.

Fatigue bei Krebserkrankungen bedeutet Müdigkeit und Erschöpfung, die in Verbindung mit einer Krebserkrankung und ihrer Behandlung auftreten kann. Die Erschöpfung steht häufig nicht in einem direkten Zusammenhang mit einer vorangegangenen körperlichen oder geistigen Anstrengung oder Belastung und macht sich meist nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und geistig bemerkbar. Typisch für Fatigue ist, dass sich das Gefühl der Ermüdung durch Ruhephasen nicht wesentlich verbessert. Meist bedeutet sie bei Krebserkrankungen die größte Belastung neben den Erkrankungssymptomen selbst. Ein gesunder Mensch fühlt sich nach einer anstrengenden Tätigkeit müde und erschöpft. Durch eine Ruhephase kommt er jedoch wieder zu Kräften. Eine Person mit Fatigue hingegen fühlt sich ohne vorherige Aktivität kraftlos und erschöpft. Fatigue wirkt sich in hohem Maße auf die Lebensqualität insgesamt aus. Oft können Menschen mit Fatigue ihrer Arbeit nicht mehr im gewohnten Umfang nachgehen oder müssen möglicherweise sogar berentet werden. Da Fatigue für jeden Patienten anders verlaufen kann, müssen auch die verschiedenen Behandlungsmethoden individuell angepasst werden. Medikamente können helfen, wobei neben einer ausführlichen Beratung jedoch körperliche Bewegung im Rahmen von Trainingsprogrammen die wichtigste und entscheidende Maßnahme darstellt.

Die psychosoziale Krebsberatungsstelle (KBS) Magdeburg ist die Anlaufstelle in Magdeburg für Fragen und Anliegen krebskranker Menschen, Angehöriger sowie allgemein Interessierter. Die Beratungsarbeit der KBS Magdeburg zeichnet sich durch die Verbindung von psychoonkologischen und sozialrechtlichen Inhalten aus und wird entsprechend des Bedarfs des Ratsuchenden individuell gestaltet. Die Basis der Arbeit bildet eine wertschätzende und offene Einstellung gegenüber allen Ratsuchenden. Im Mittelpunkt der Beratung steht der ganze Mensch mit seinem persönlichen Krankheitserleben und seinen daraus resultierenden Bedürfnissen. Die DKG-zertifizierten Psychoonkologen helfen, Ressourcen zu aktivieren, Bewältigungsstrategien zu erarbeiten und Perspektiven aufzuzeigen. Die Beratung unterscheidet sich von einer Psychotherapie in ihrer Niederschwelligkeit und Kostenfreiheit. Das bedeutet unter anderem, dass Termine zeitnah vergeben werden können. Darüber hinaus steht die „Leuchtturm“-Funktion in einem psychoonkologischen Versorgungssystem und die Kooperation, unter anderem mit Selbsthilfegruppen, Kliniken und Fachleuten aus dem ambulanten Versorgungsbereich, im Mittelpunkt.

Ein Gastbeitrag von Professor Dr. med. Hans-Henning Flechtner, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin des Kindes- und Jugendalters und Professor Dr. med. Jörg Frommer, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.