Magdeburg l Geht es um das Laufen, liegen die Vorzüge schnell auf der Hand: Die Bewegung an der frischen Luft steigert die körperliche Fitness, fördert die Gesundheit und hilft dabei, abzuschalten und eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Psychologen heben zudem die mentale Bedeutung etwa bei der Trauerbewältigung hervor. Wer in seiner Freizeit die Laufschuhe schnürt, tritt einer großen Familie bei, der Lauffamilie. Das Laufen ermöglicht soziale Kontakte, weiß Uwe Haake. Man trifft Gleichgesinnte und kommt schnell miteinander ins Gespräch. Gefördert wird dies über die Freude darüber, „sich zu zeigen, seine Leidenschaft teilen zu können und sich gegenseitig zu grüßen“. Der Gruß erfolgt in der Regel in Form eines kurzen Handhebens, Zuzwinkerns, Zunickens oder eines „Hallos“, das trotz der Anstrengungen noch über die Lippen kommen sollte.

Das Du hilft beim Austausch

Hierarchien existieren nicht beim Freizeitsport, so der Laufcoach. Egal, ob Firmenchef oder Verkäuferin, Student oder Arzt, „im Laufdress ist jeder gleich. Jeder muss sich bewegen, wenn er fit und fröhlich sein möchte.“ Meistens haben Läufer, die sich in der Natur bewegen, gute Laune „und früh morgens um 7 Uhr schon ein Lächeln auf den Lippen“, so seine Beobachtung.

Klar ist das Laufen ein Individualsport. Jeder für sich stellt sich der Herausforderung, eine Strecke in einer gewissen Zeit oder auch umgekehrt zu absolvieren und seine Ziele, die ihn motivieren zum Beispiel nach einem Arbeitstag noch eine Runde zu drehen, zu erreichen. Der Laufsport an sich bietet so viel Stoff und Ansatzpunkte, um sich mit anderen auszutauschen. Zum Beispiel nach dem Training auf dem Parkplatz oder nach dem Zieleinlauf bei einer Laufveranstaltung, wo dies fast ganz automatisch passiert. „Dabei gibt es keine Barrieren. Beim Erfahrungsaustausch hilft das Du, bei dem man schnell landet, ohne respektlos seinem Gegenüber zu sein“, sagt der frühere Leistungssportler.

Einzahlungen auf das Gute-Taten-Konto

Das Duzen trägt zudem zur lockeren Atmosphäre bei, die rund um den Laufsport herrscht. Durch die Entspannung, die über die Bewegung aufkommt, seien Läufer in der Regel offener für Gespräche als etwa im Alltag, weiß Haake. Das Korsett, sich gesellschaftskonform zu verhalten, weitet sich ein Stück weit, sobald die Büroschuhe gegen die Laufschuhe eingetauscht werden, wenn man so will.

Weil Läufer nur allzu gut wissen, welche Mühen und Aufwendungen nötig sind, um beispielsweise eine Stunde am Stück durchhalten oder sich an einer Laufveranstaltung beteiligen zu können, gibt es unter den Freizeitsportlern eine Verbindung. Gegenseitig wird sich angefeuert und aufgemuntert, nach dem Zieleinlauf gegenseitig abgeklatscht, „wie man das in einer Familie macht. Beim Laufen kann jeder sein Gute-Taten-Konto ganz leicht füllen“, sagt Birgit Herkula. Ihre Begeisterung für den Laufsport und ihre Erfahrungen gibt die Autorin als Leiterin eines Lauftreffs weiter, den der neugegründete Verein „Sudenburg bewegt“ donnerstags um 18 Uhr an der Goethe-Sekundarschule, Helmstedter Straße 42, auf die Beine stellt. „Rempelt man sich einmal aus Versehen an, entschuldigt sich immer der, der zuerst Luft hat“, merkt sie schmunzelnd an.

Fazit: Unter dem Motto „Alles kann, nichts muss“ ist beim Laufen eine schnelle wie unkomplizierte Kontaktaufnahme möglich. Ist man sich unsicher, ob ein „Du“ angebracht ist, wartet man einfach ab, bis sein Gegenüber es anbietet. In Zeiten sozialer Vereinsamung etwa im Alter fungiert der Freizeitsport auch als Kontaktbörse. Denn nicht selten entwickeln sich Freundschaften.

Davon lebt auch die Firmenstaffel Magdeburg, diezweitgrößte Laufveranstaltung des Landes, die am Donnerstag zum zehnten Mal gestartet wird. Im Elbauenpark werden 5000 Läufer in 1000 Fünferstaffeln an den Start gehen und jeweils eine Strecke von drei Kilometern absolvieren. Anschließend besteht die Möglichkeit, im Rahmen einer Party Kontakte zu knüpfen.