Ludwigshafen/Gütersloh (dpa) l Verdacht auf einen Schlaganfall? Dann ist schnelles Handeln angesagt. Was konkret heißt: Die 112 wählen und einen Rettungswagen mit Notarzt anfordern. "Je zügiger die Behandlung im Krankenhaus erfolgt, desto besser sind die Chancen, dass die Schäden am Hirn möglichst gering bleiben", sagt Prof. Armin J. Grau, Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Was Betroffene und Umstehende wissen müssen.

Was ist ein Schlaganfall?
Bei einem Schlaganfall wird ein Hirnbereich nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Das betroffene Areal kann seine Aufgabe nicht mehr erfüllen - entweder vorläufig oder dauerhaft. In den allermeisten Fällen ist eine Durchblutungsstörung die Ursache, erläutert Grau, der auch Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum der Stadt Ludwigshafen am Rhein ist. Ein Blutgefäß ist verstopft. Mediziner sprechen von einem ischämischen Infarkt oder Hirninfarkt.

Zu dem verstopften Gefäß kann es durch eine Gefäßverengung, die sogenannte Arteriosklerose, kommen. Auch die Einschwemmung eines Blutgerinnsels ins Gehirn kann zu einem Schlaganfall führen. Es kann aber auch eine Hirnblutung eingetreten sein. Dabei ist eines der Hirngefäße geplatzt. Das austretende Blut fließt in umliegende Gehirngewebe und schädigt nachfolgende Hirnareale. Bei einem Schlaganfall durch Hirnblutung ist von einem hämorrhagischen – also blutigen – Schlaganfall die Rede.

Wie erkennt man einen Schlaganfall?
"Die häufigsten Symptome sind plötzlich einsetzende Lähmungen auf einer Körperseite oder Gefühlsstörungen", erklärt Markus Wagner von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Typisch ist der hängende Mundwinkel. Weitere Anzeichen sind Seh- und Sprachstörungen. Mitunter tritt Schwindel mit Gangunsicherheit auf. Auch plötzlich einsetzende sehr starke Kopfschmerzen können auf einen Schlaganfall hindeuten.

Wen trifft es?
In Deutschland erleiden laut Wagner jährlich 270.000 Menschen einen Schlaganfall – entweder erstmals oder erneut. Er ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter. "Die große Mehrzahl der Betroffenen ist altersmäßig um die 75 Jahre", sagt Grau. Aber auch Jüngere können einen Schlaganfall bekommen. Etwa fünf Prozent der Schlaganfälle treten bei Frauen und Männern unter 50 Jahren auf. Mitunter trifft es auch Kinder.

Wie sieht die Therapie bei Schlaganfall aus?
Das hängt von der Ursache ab. Im Krankenhaus wird per Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) der Kopf des Patienten untersucht. Ist ein Blutgefäß durch ein Gerinnsel verstopft, dann bekommen die Betroffenen Medikamente verabreicht, die das Gerinnsel auflösen. Diese Therapieart heißt Thrombolyse-Verfahren, kurz "Lyse". Für die Lyse gibt es ein Zeitfenster von viereinhalb Stunden. Im Einzelfall kann die Therapie auch bei unklarem Zeitfenster angewandt werden.

Bei zu langer Dauer der Durchblutungsstörung sind die unterversorgten Gehirnzellen unwiederbringlich defekt – der Patient hat dann oft dauerhaft etwa Bewegungs- oder Sprachstörungen. Oder er stirbt. Bei Verschlüssen großer hirnversorgender Arterien wird das Gefäß mit oder ohne vorausgehender Lyse mit einem Katheter wieder geöffnet. Größere Gerinnsel können auch mittels Katheter herausgezogen werden. Bei einer Gehirnblutung wird meist konservativ behandelt, das heißt ohne Operation.

Was ist ein Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO)?
Das ist ein speziell für Schlaganfall-Patienten ausgestatteter Rettungswagen, den es in einigen Städten in Deutschland gibt. Darin befindet sich ein Computertomograph, mit dem die Ursache für den Schlaganfall geklärt werden kann. Gegebenenfalls kann bereits im Krankenwagen eine Lyse gelegt werden. Das spart Zeit. "Wie groß der Nutzen dieser mobilen Stroke Units aber tatsächlich ist und wo sie sinnvoll eingesetzt werden können, muss erst noch in Studien untersucht werden", so Grau.

Wie lebt es sich nach einem Schlaganfall?
Das hängt davon ab, wie schwer der Schlaganfall war und ob der Betroffene Vorerkrankungen hat. "Etwa ein Drittel aller Betroffenen hat bleibende Schäden wie Lähmungen, Koordinationsstörungen oder kognitive Einschränkungen und läuft Gefahr, zum Pflegefall zu werden", sagt Wagner. Die übrigen haben leichte oder keine Einschränkungen.

So früh wie möglich erhalten Betroffene Krankengymnastik, Sprach- und Ergotherapie. Damit es möglichst nicht zu einem weiteren Schlaganfall kommt, versucht der Hausarzt, mit entsprechenden Therapien Risikofaktoren zu minimieren.

Was kann man vorbeugend gegen einen Schlaganfall tun?
Sehr viel. "Die meisten Schlaganfälle gehen auf den Lebensstil oder auf Krankheiten zurück, die sich behandeln lassen", sagt Bettina Sauer von der Stiftung Warentest. Zu den Risikofaktoren zählen Bluthochdruck, Bewegungsmangel, erhöhte Blutfettwerte, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Rauchen, Herzkrankheiten, Alkohol, Stress und Diabetes. "Auch starke Luftverschmutzung und ungünstige soziale Faktoren sind Risikofaktoren für den Schlaganfall", ergänzt Grau.