Magdeburg l Mein Fernseher, mein Kühlschrank, mein Luftfilter. In den smogbelasteten Metropolen Chinas und Amerikas gehören Hightech-Luftreiniger längst zur typischen Wohnungsausstattung. Und auch bei uns sind die elektronischen Filtergeräte auf dem Vormarsch. Seit Jahren warnt die Kommission für Innenraumlufthygiene des Umweltbundesamtes, dass die Luft dort, wo wir rund 90 Prozent unser Lebenszeit verbringen, meist höher belastet ist als draußen – was zu Allergien und Krankheiten führe.

Nun könnte man natürlich ins nächste Fachgeschäft rennen und sich einen 1000 Euro teuren Luftfilter holen, der die Stromrechnung in die Höhe treibt. Man könnte aber auch die Empfehlung der National Aeronautics and Space Administration (Nasa) befolgen – und sich einfach mit dem richtigen Grünzeug eindecken. In Tests schafften Zimmerpflanzen es, selbst unter extremen Bedingungen Gifte zu neutralisieren – dadurch könnten sie auf einer möglichen Reise zum Mars zahlreiche Leben retten. Und sie leisten bereits in unseren Wohnzimmern allerhand.

Pflanzen als Luftreiniger

Schon vor Jahrtausenden hatten Menschen im Alten Ägypten und im antiken Rom den Wunsch, die Natur in Tontöpfen in die eigenen vier Wände zu holen. Doch was bis heute vielen nicht bewusst ist: Etliche dieser Gewächse sorgen nicht nur für Behaglichkeit – sie sind darüber hinaus als Schadstofffilter, Sauerstoffspender, Luftbefeuchter und Schalldämpfer - echte Allzweckwaffen. Das hat mittlerweile sogar die US-Weltraumbehörde auf den Plan gerufen. In hermetisch verschlossenen Testräumen untersuchten Forscher erstmals umfassend, wie Zimmerpflanzen chemische Schadstoffe in der Raumluft reduzieren. Ziel dieser „Nasa Clean Air Study“ war es, Pflanzen zu finden, die sich bei künftigen Deep-Space-Missionen, etwa zum Mars, als Sauerstoffproduzenten und Luftreiniger an Bord von Raumschiffen nutzen lassen.

Zimmerpflanzen als Schadstoff-Filter

Magdeburg (at) l Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat herausgefunden, dass Zimmerpflanzen das Raumklima und unser Wohlbefinden verbessern. Diese Pflanzen gehören zu den Wundergewächsen.

  • Die Gerbera mag es hell und sonnig. Neben der Schadstoffvernichtung sorgt sie für eine hohe Luftfeuchtigkeit. Foto: Lars Koch/Fotolia

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  • Die Efeutute, eine Kletterpflanze, filtert nicht nur Xylole, Benzol und Formaldehyd aus der Luft - sie überlebt auch in dunklen Räumen. Foto: PirahaPhotos/gettyimages.com

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  • Farne sind ebenfalls gute Schadstoff-Killer. Insbesondere der Schwertfarn, er gilt als eine der ältesten Pflanzen der Welt, ist ein perfekter Luftbefeuchter. Nebenbei beseitigt er Formaldehyd und Xylole. Im Badezimmer filtert er Schadstoffe von Kosmetika, Deos oder Parfüms aus der Luft. Foto: Dole08/gettyimages.com

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  • Die Flamingoblume ist eine Tropenpflanze und kennt keine Jahreszeiten. Sie ist ganz weit vorn, wenn es um das Neutralisieren von Giftstoffen geht. Foto: Reinalde Roick/fotolia

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  • Ihre wasserspeichernden Wurzeln verzeihen eine kleine Durststrecke. Zudem senkt die Grünlilie den Formaldehyd-Gehalt in der Luft. Foto: MarieMathilda/stock.adobe.com

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  • Das Einblatt ist pflegeleicht und benötigt nur indirektes, mittelstarkes Licht (ideal fürs Badezimmer) und wöchentlich Wasser. Dafür filtert sie unter anderem Ammoniak aus der Zimmerluft. Foto: pizuttipics/fotolia

    Das Einblatt ist pflegeleicht und benötigt nur indirektes, mittelstarkes Licht (ideal fü...

  • Der Ficus ist genügsam und baut beispielsweise Formaldehyd aus Möbeln, Farben und Teppichen ab - er verträgt aber keinen Ortswechsel. Foto: loflo69/shutterstock.com

    Der Ficus ist genügsam und baut beispielsweise Formaldehyd aus Möbeln, Farben und Teppi...

  • Wie das Einblatt sind Chrysanthemen echte Allrounder und verringern zahlreiche Giftstoffe um bis zu 61 Prozent. Der Haken: Sie sind wie das Einblatt gifitig für Hunde und Katzen. Foto: Maya Kruchankova/shutterstock.com

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  • Im Test schaffte es der gemeine Efeu, den Benzolgehalt innerhalb von 24 Stunden um 90 Prozent zu senken. Geheizte Räume verträgt er nicht so gut. Foto: cosma/shutterstock.com

    Im Test schaffte es der gemeine Efeu, den Benzolgehalt innerhalb von 24 Stunden um 90 Prozent zu ...

Das faszinierende Ergebnis: Pflanzen aus tropischen und subtropischen Regenwaldzonen schnitten mit Abstand am besten ab. Der Drachenbaum und die Chrysantheme erwiesen sich beispielsweise nicht nur als besonders pflegeleicht, sondern auch als perfekte Schadstoffkiller, die giftige Chemikalien wie Ammoniak oder Benzol aus der Raumluft filterten. Die Grünlilie schaffte es sogar, den für den Test gezielt hochgesetzten Formaldehydgehalt in gerade mal 24 Stunden um rund 90 Prozent zu senken. Welches Gewächs im Einzelnen gegen welches Gift hilft, hat die Nasa extra in einem Guide zusammengefasst.

Pro Raum braucht man zwei Pflanzen

Um das Raumklima in den eigenen vier Wänden oder im Büro signifikant zu verbessern, empfehlen Forscher mindestens eine Zimmerpflanze pro neun Quadratmeter – das bedeutet im Schnitt zwei Pflanzen pro Raum. Dabei gilt: Je größer die Pflanze, desto größer der Effekt. Marc Hachadourian, der Direktor des Botanischen Gartens in New York, bestätigt die Ergebnisse der Wissenschaftler: „Alle Pflanzen verarbeiten durch die Fotosynthese Kohlendioxid, um dadurch Sauerstoff zu produzieren. Das Herausfiltern der Schadstoffe und ihre Speicherung ist quasi ein Nebenprodukt dieses Prozesses.”

Und das hat einen positiven Effekt auf uns: Studien belegen, dass Menschen, die ihren Arbeitsplatz mit Pflanzen aufhübschen, weniger gestresst sind als solche, die in pflanzenlosen Büros arbeiten. Im Gegenzug sollte man den Gewächsen neben der nötigen Pflege in Form von ausreichend Wasser, Licht und Wärme gelegentlich gut zureden. So zeigte sich etwa am Forschungsinstitut Weihenstephan, dass Tomatenpflanzen es einem mit einem Mehr an Früchten danken, wenn man sie persönlich begrüßt.

Chemikalien sind auch im Teppich

In unseren eigenen vier Wänden fühlen wir uns meist sicher vor schädlichen Giftstoffen. Tatsächlich sind wir jedoch auch hier diversen Chemikalien ausgesetzt, die beispielsweise durch Drucker, Reinigungsmittel, Kunststoffe oder Farben an die Umgebung abgegeben werden und so unserer Gesundheit massiv schaden können. Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von „gebäudebezogenen Krankheiten“, auch „Sick-Building-Syndrom“ genannt.

Auf unsere Gesundheit wirken sich unter anderem folgende Chemikalien aus: Trichlorethylen, ein Lösungsmittel, das unter anderem in Reinigungsmitteln, Lacken oder Klebstoffen enthalten ist; Formaldehyd, ein giftiges Gast, das in Spanplatten, Tapeten und Teppichböden sowie in Papiertaschentüchern nachgewiesen wurde; Benzol, eine farblose Substanz, die über einen aromatischen Geruch verfügt und beispielsweise in Möbelpolituren und Kunststoffen steckt; Xylole, aromatische Kohlenwasserstoffe, die in Klebern, Farben und Gummi verwendet werden; Ammoniak, das stechend riechende Giftgas zählt zu den meistproduzierten Chemikalien und lauert in Bohnerwachs, Fensterreinigern, Riechsalz und Düngemitteln.

Je nachdem, wie lange man zum Beispiel Trichlorethylen ausgesetzt ist, kann sich dies in Form von Schwindelattacken, Kopfschmerzen, Übelkeit und sogar Leber-, Nieren- oder Nervenschäden äußern. Typische Symptome sind Reizungen von Augen, Nase und Rachen.