Duisburg (dpa) l Die langsamen fließenden Bewegungen des Tai-Chi wirken fast wie in Zeitlupe. Nicht unbedingt das, was man sich unter Schattenboxen vorstellt – wie Tai-Chi auch genannt wird. Was einst in China als Kampfkunst seinen Anfang nahm, hat sich in der westlichen Welt als Gesundheitssport etabliert.

Was ist Tai-Chi?

In China ist das Schattenboxen oder auch Taijiquan ein Volkssport, der gern morgens an der frischen Luft geübt wird. Die meditativen Bewegungen, die fast in Zeitlupe und hochkonzentriert ablaufen, sind spezielle Übungen, die sich aus der traditionellen Kampfkunst entwickelt haben. Sie kommen häufig aus dem Qigong.

„Obwohl Tai-Chi keineswegs mit Ausdauertraining vergleichbar ist, gibt es Hinweise darauf, dass Tai-Chi mehr ist als nur Entspannung“, sagt Romy Lauche, die komplementäre und alternative Therapien am Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Universität Duisburg-Essen erforscht. „Studien beschreiben einen Zuwachs an Muskelkraft und Körperstabilität.“

Für wen eignet sich Tai-Chi?

Eigentlich für jeden. „Tai-Chi verbessert die Balance. Das ist hochrelevant, da insbesondere ältere Menschen durch Tai-Chi-Übungen möglicherweise Stürzen vorbeugen können“, urteilt Lauche. In den USA wird Tai-Chi als Sturzprävention empfohlen und in Altersheimen und Senioreneinrichtungen angeboten. „Es finden sich aber auch viele positive Effekte bei Rückenschmerzen, Kniearthrose oder einer Vielzahl rheumatischer Erkrankungen“, sagt Lauche weiter, „ähnliches gilt auch für Morbus Parkinson“.

Wer sollte besser kein Tai-Chi machen?

„Auch wenn Tai-Chi für jede Altersklasse und viele chronische Krankheiten geeignet ist, sollte man bei bestehender Krankheit oder Schädigung immer Rücksprache mit einem Arzt halten“, rät Prof. Ingo Froböse vom Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule Köln.

Wie steigt man am besten in das Training ein?

Auch wenn fast jeder von der Sportart profitiert, sollte man nicht auf die Idee kommen, sich nur mit einem Buch oder einem Video an seine eigene Therapie zu wagen: Wie bei fast jedem Einstieg in eine neue Sportart, sollte Tai-Chi unter Anleitung geübt werden. „Damit die langsamen, kontrollierten und fließenden Übungen korrekt ausgeführt werden, ist eine professionelle Anleitung unabdingbar“, sagt Froböse. Fehler können sich nämlich unbemerkt einschleichen, Fehlbelastungen oder Schädigungen wären dann nicht auszuschließen.

Wie finde ich den richtigen Tai-Chi-Lehrer?

Es lassen sich grob drei Ansätze unterscheiden: neben dem eher gesundheitsorientierten, gibt es den meditativen sowie den kampforientierten. Die einen wollen das Chi zum Fließen bringen, die anderen üben sich in asiatischer Kampfkunst, was eine Unterordnung unter den Lehrer bedeuten kann, wenn der Lehrer stark in der konfuzianischen Tradition verwurzelt ist. Wer sich durch Tai-Chi fit halten oder es werden möchte und Entspannung sucht, wäre bei einem kampforientierten Lehrer nicht unbedingt an der richtigen Adresse.

„Da hilft nur eins“, sagt die Vorsitzende des Deutschen Dachverbands für Qigong und Taijiquan, DDQT, Angela Menzel, „auf die Ausbildung des Lehrers achten, sagen, was man will und welche gesundheitlichen Einschränkungen man hat.“ Wenn der Lehrer dann zu einer Schnupperstunde einlädt, sollte man einfach ausprobieren, „ob es für einen passt“. Sie rät auch auf die Vertragsbindung zu achten. Anfänger sollten sich eher in einem Zweimonatsvertrag mit Tai-Chi und dem Lehrer vertraut machen, als sich gleich ein ganzes Jahr zu binden.

Kursleiter mit dem DDQT-Gütesiegel haben eine anerkannte Ausbildung mit mindestens 250 Stunden innerhalb von drei Jahren absolviert. Solche Lehrer unterrichten in einer Schule, im Verein oder bei der VHS, einige bieten auch Kurse unter freiem Himmel an. „Die Lehrer sind ganz einfach über die Postleitzahl auf der Website des DDQT zu finden“, sagt Menzel. Dann gilt es nur noch, regelmäßig zu üben.

Zahlt die Krankenkasse für Tai-Chi?

Unter Umständen bekommt man einen Zuschuss. Im Präventionsleitfaden des Spitzenverbandes der Krankenkassen ist festgelegt, dass die Versicherer Entspannungstechniken wie entspannungsorientiertes Tai Chi bezuschussen können. Neben der richtigen Kursart sollten Versicherte Anbieter wählen, die von den Krankenkassen zertifiziert sind. Am besten erkundigt man sich vor dem Kursstart direkt bei seiner Krankenkasse. Denn nicht alle Kassen arbeiten mit allen Anbietern zusammen.