Magdeburg l Eine Herzschwäche schränkt die körperliche Leistungsfähigkeit ein. Über die Behandlungen gaben ein Kardiologe und ein Herzchirurg des Magdeburger Uniklinikums beim Volksstimme-Telefonforum Auskunft. Uwe Seidenfaden notierte Fragen und Antworten:

Ich leide schon bei leichten Belastungen unter Luftnot. Viele Jahre lang war ich starker Raucher. Seit einem Jahr nicht mehr. Untersuchungen des Herzens zeigen eine leichte Einschränkung der Pumpleistung. Der Blutdruck ist geringfügig erhöht und ich bin nicht übergewichtig. Kann es andere Erklärungen für die Luftnot geben?

Luftnot ist ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Wenn Erkrankungen des Herzens als Grund der Luftnot durch die Untersuchungen ausgeschlossen wurden, sollten Sie ggf. einen Lungenfacharzt aufsuchen. An Funktionseinschränkungen der Lunge ist zu denken, wenn man über viele Jahre ein starker Raucher war oder noch ist.

Mein Vater ist im Alter von 56 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben. Ich bin inzwischen selbst 55 Jahre alt. Wie kann ich erfahren, ob ich ein erhöhtes Infarktrisiko habe?

Sie können Ihr individuelles Infarktrisiko im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt testen lassen. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes mellitus. Risikofaktoren sind auch das Rauchen, das Schnarchen mit vorübergehenden Atemaussetzern sowie eine erbliche Vorbelastung – d. h. ein Herztod oder Schlaganfall von Eltern bzw. Großeltern in einem Alter von unter 65 Jahren. Eine Kontrolle des Blutdrucks und der Herzströme (EKG) unter körperlicher Belastung (Fahrrad-Ergometer) liefert Hinweise auf die Funktion des Herzens. Gegebenenfalls kann der Arzt weiterführende Ultraschall- und Herzkatheter-Untersuchungen veranlassen.

Im Entlassungsschreiben meines Mannes aus der Klinik steht etwas von einer „Herzinsuffizienz“. Was ist das und wie konnte es dazu kommen?

Eine Herzinsuffizienz ist eine Vergrößerung der linken Herzkammer mit der Folge einer eingeschränkten Pumpfunktion. Dazu kann es z. B. nach einem Herzinfarkt, durch Bluthochdruck, einen Herzklappenfehler oder nach einer Herzmuskelentzündung kommen. Ein vergrößertes Herz und ein verdickter Herzmuskel gehen mit der Abnahme der Kontraktionskraft des Herzens einher. Die Schwächung der Kontraktionskraft versucht das Herz mit einer Steigerung der Schlagfrequenz auszugleichen. Ohne medizinische Behandlung droht ein weiterer Verlust an Pumpleistung und schließlich Herzversagen.

Vor einem halben Jahr hatte ich einen Herzinfarkt. Danach wurde festgestellt, dass ich einen erhöhten Blutdruck und Diabetes habe. Dagegen nehme ich jetzt Tabletten. Ist es möglich, dass ich irgendwann einmal wieder ohne Tabletten auskommen kann? Das Rauchen habe ich schon aufgegeben.

Bluthochdruck und Diabetes erhöhen das Infarktrisiko. Die von Ihrem Arzt verordneten Tabletten zur Blutdrucksenkung und Optimierung der Blutzuckerwerte senken die Gefahr eines erneuten Infarktes. In der Regel müssen Patienten mit einem deutlich erhöhten Infarktrisiko ihr Leben lang Medikamente einnehmen. Sie können jedoch die Menge und die Dosis durch eine gesunde Lebensführung positiv beeinflussen. Dazu gehören zweifellos der Verzicht auf das Rauchen, aber auch körperliche Betätigung und eine gesunde, vollwertige Ernährung. Bei Ihrer Krankenkasse können Sie sich nach speziellen Ernährungsschulungen erkundigen.

Mein Mann ist 81 Jahre alt und hatte schon einen Herzinfarkt. Außerdem ist er Diabetiker und hat gelegentlich geschwollene Füße. Was kann man tun?

Die geschilderten Beschwerden sind typisch für eine Herzschwäche. Dagegen bekommt Ihr Mann wahrscheinlich Medikamente, die das Wasser aus dem Körper treiben. Wichtig ist vor allem, jeden Tag das Gewicht zu messen und Wassereinlagerungen möglichst frühzeitig zu erkennen.

Wie kommt es zu Wassereinlagerungen in den Beinen bei einer Herzschwäche?

Schwellungen der Beine und Füße können auf einen Blutrückstau vor der rechten Herzkammer bei genereller Herzschwäche hinweisen. Dadurch wird die Wassereinlagerung im Gewebe begünstigt und es bilden sich Ödeme.

Im Bett kann ich oftmals schwer einschlafen, weil mein Herz in Ruhe stark schlägt. Mein Arzt hat mir zu einer sogenannten Herzkatheter-Ablation an einem weit entfernten Herzzentrum geraten. Kann man das auch in Magdeburg machen lassen? Ich bin Elbestädter.

Alle minimal-invasiven und herzchirurgischen Verfahren, einschließlich der Herzkatheter-Ablation von Herzrhythmusstörungen und kathetergestützter Klappentherapien (an Aorten- und Mitralklappe) werden auch im Magdeburger Uniklinikum routinemäßig durchgeführt. Sie brauchen nur eine Überweisung vom Hausarzt. Herz-Lungen-Transplantationen sowie herzchirurgische Eingriffe im Säuglings- und Kleinkindalter sind in Magdeburg nicht möglich.

Ich hatte vor einem Jahr in der Herzchirurgie eine Herzklappen-Rekonstruktion. Leider hat sich die Luftnot nicht wesentlich verbessert. Ist ein zweiter Eingriff möglich und kommt für mit auch die Klipptechnik infrage? Ich bin schon 82 Jahre alt.

Ratsam wäre in Ihrem Fall, dass eine Ultraschall-Kontrolluntersuchung der Herzklappen im Körper (Schluck- Ultraschall) durchgeführt wird. Die Untersuchung zeigt den Zustand der Klappen und ob sie richtig schließen. Danach entscheiden Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam im Team, welche Therapie für Sie am besten geeignet ist. Die mit einem Herzkatheter durchgeführte Klipp-Technik ist auch nach einer Herzklappen-Rekonstruktion prinzipiell noch möglich. Generell nicht geeignet ist sie für Patienten, die zuvor einen biologischen Klappenersatz erhalten haben.

Ich hatte schon eine Bypass-Operation. Unlängst wurde auch eine Herzrhythmusstörung festgestellt. Kann es Zusammenhänge geben?

Bypässe können sich mit der Zeit wieder verengen. Dadurch kann es unter Umständen zu einer Herzrhythmusstörung kommen. Der Gefäßzustand wird während der Kontrolluntersuchungen, zu denen Sie als Bypasspatient regelmäßig gehen müssen, untersucht. Wenn sich die Bypässe verengt haben, kann man sie ggf. mit dem Herzkatheter weiten und eine Gefäßstütze (Stent) einsetzen.

Vor fünf Jahren hatte ich einen Herzinfarkt. Meine Herzpumpleistung ist deutlich reduziert. Ich nehme mehrere Medikamente und habe einen Defibrillator (implantiertes Elektroschocksystem). Zusätzlich nehme ich mehrere Nahrungsergänzungsmittel (Fischöl-Kapseln, Folsäure und Distel-Präparate), die ich selber bezahlen muss. Bringt mir das wirklich einen zusätzlichen Nutzen?

Für die meisten Nahrungsergänzungspräparate ist mit wissenschaftlichen Studien nicht belegt, dass sie einen schützenden Zusatznutzen für das Herz haben.

Weil ich zu hohe Blutfettwerte habe, muss ich ein Medikament (Statin) einnehmen. Kann es sein, dass dadurch das Cholesterin zu tief sinkt?

Diese Sorge ist unberechtigt. Sie sollten deshalb die verschriebenen Medikamente nicht ohne Absprache mit Ihrem Arzt absetzen.

Kann man mit einer Herzschwäche noch Sport betreiben? Oder verschlechtert sich dadurch der Zustand des Herzens?

In früheren Zeiten wurde Menschen mit einer Herzschwäche geraten, sich zu schonen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben jedoch gezeigt, dass sich eine angemessene körperliche Belastung auf das geschwächte Herz positiv auswirkt. Menschen, die eine Herzschwäche haben, können so ihre Lebensqualität verbessern. In welchem Umfang eine Belastung möglich ist, sollte im Gespräch mit dem behandelnden Arzt beraten werden.