Magdeburg l Zahnprobleme können vielfältig sein. Die beiden Zahnärzte Dirk Wagner und Stefan Schuster geben Tipps, wie natürliche Zähne und Prothesen zu pflegen sind.

Ich trage seit vielen Jahren eine herausnehmbare Zahnprothese. Meine neue Zahnärztin meinte, ich sollte die Prothese nicht mit Zahnpasta reinigen. Ist das richtig?
In der Zahnpasta sind kleine Putzpartikel, die zu einer Aufrauung der Prothesenoberfläche führen können. Deshalb sind zur Prothesenpflege eher Spülmittel aus der Küche beziehungsweise flüssige Handwaschpasten zu empfehlen.

Wie können freiliegende Zahnhälse am besten geschützt werden? Ich habe gelegentlich Schmerzen, ein kalter Luftzug reicht manchmal aus.
Bei Zahnfleischrückgang kommt es vor, dass die kleinen, vom Zahnschmelz nicht geschützten Dentin-Röhrchen offenliegen. Kälte und chemische Reize können so zur Nervenwurzel im Zahninneren gelangen. Freiliegende Zahnhälse entstehen oftmals durch Parodontose. Deshalb ist meist zunächst in der Zahnarztpraxis eine Entfernung von Zahnstein und Bakterien an und unter dem Zahnfleischrand erforderlich. Die Folgebehandlung richtet sich nach dem Umfang der Zahnschäden. Dazu zählen spezielle Gele, Lacke und Zahnhalsfüllungen. Die wichtigste Prävention von Parodontose und Zahnfleischrückgang ist eine gute tägliche Zahnpflege und der regelmäßige Besuch in der Zahnarztpraxis inklusive professioneller Zahnreinigung (PZR).

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Von Zeit zu Zeit habe ich schmerzhafte Aphten im Mund. Was kann ich dagegen tun?
Aphten sind entzündliche Veränderungen im Mundraum, die häufig von Viren ausgelöst werden. Stress und ein geschwächtes Immunsystem können die Entstehung von Aphten begünstigen. Eine ursächliche Therapie gibt es leider nicht. Häufig klingt die Entzündung nach zehn bis 14 Tagen von allein wieder ab. Die Beschwerden kann man mit Salben lindern, die der Zahnarzt rezeptieren kann.

Ich leide unter schmerzempfindlichen Zähnen. Gelegentlich habe ich stechende Zahnschmerzen, insbesondere wenn ich kalte oder süße Getränke trinke. Raten Sie zu Zahnpasten für schmerzempfindliche Zähne?
Wir empfehlen Ihnen einen Besuch beim Zahnarzt. Die Symptome können auf eine Zahnentzündung hinweisen. Dazu kann es kommen, wenn Karies tief in den Zahn eingedrungen ist und Bakterien den Zahnnerv erreichten. Das ist ein feines Geflecht aus Nerven- und Blutgefäßen. Wenn der bakterielle Entzündungsherd rechtzeitig beseitigt wird, kann der Zahnnerv erhalten bleiben und die Beschwerden bessern sich. Bleibt der Entzündungsherd längere Zeit bestehen, kann das zu chronischen Schmerzen führen und eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich machen.

Ist ein festsitzender Zahnersatz besser als ein herausnehmbar Zahnersatz?
Für den Erhalt der normalen Kaufunktion ist ein festsitzender Zahnersatz anzustreben. Das erfordert zum Beispiel eine Überkronung oder eine verankerte Brücke zwischen noch festsitzenden Zähnen bzw. Implantaten. Wenn bereits zu viele Zähne fehlen und Implantate nicht infrage kommen, ist ein herausnehmbarer Zahnersatz eine Alternative. Es gibt verschiedene Varianten des herausnehmbaren Zahnersatzes. Alle herausnehmbaren Prothesen, von der einfachen Plastikprothese über die Modellgussprothese (Metallgerüst) bis hin zu sogenannten Teleskopprothesen, haben den Vorteil, dass bei einem Verlust von Zähnen ein Umarbeiten möglich ist.

Früher hieß es, dass Schwangere nicht an den Zähnen behandelt werden sollten. Gilt das auch noch heute? Sind Zahnbehandlungen während der Schwangerschaft möglich?
Während der Schwangerschaft können Frauen beim Zahnarzt nur eingeschränkt behandelt werden. Abzusehen ist von zahnärztlichen Eingriffen insbesondere im ersten Trimester. Beim Einsatz von Schmerzmedikamenten und Antibiotika sollte Rücksprache mit der Gynäkologin genommen werden. Röntgenbilder und Antibiotika sollten in der Schwangerschaft vermieden werden. Wir empfehlen jeder Frau, die schwanger werden möchte, vor der Schwangerschaft einen Check-up beim Zahnarzt zu machen, da hormonelle Umstellungen in der Schwangerschaft die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen fördern können.

Sollten Menschen, die ein Zahnimplantat haben, regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durchführen lassen?
Auf jeden Fall. Neben der täglichen eigenen Zahnpflege sollten alle Erwachsenen mindestens ein- bis zweimal jährlich eine PZR in der zahnärztlichen Praxis in Anspruch nehmen. Dabei können bakterielle Beläge und Zahnstein auch in Zahnfleischzwischenräumen beseitigt werden, die mit normalen Zahnbürsten, Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten unerreichbar sind. Wenn Zahnbeläge und Zahnstein (Plaque) nicht entfernt werden, kann das zu Zahnfleischentzündungen, Zahnfleischrückgang und schließlich Zahnausfall führen. Bei Trägern von Zahnimplantaten besteht zudem die Gefahr von Entzündungen des Kieferknochens, welche die Stabilität des Implantates einschränken und zum Implantatverlust führen können.

Muss ich die gesamten Kosten für den Einsatz eines Zahnimplantates aus eigener Tasche bezahlen?
Die Kosten für ein Zahnimplantat werden in der Regel nicht von den Krankenkassen getragen. Ausnahmen sind beispielsweise größere Kiefer- oder Gesichtsschäden nach Unfällen und Tumoroperationen. Wenn kein Ausnahmefall vorliegt, kann man bei der Krankenkasse einen befundorientierten Festzuschuss zum implantatgetragenen oder -gestützten Zahnersatz beantragen. Er ist etwa so hoch wie der Festzuschuss für den Zahnersatz, den man bei der Regelversorgung für den Zahnbefund erhalten würde.