Bei der Auswahl kieferchirurgischer Materialien haben Patienten generell ein Mitentscheidungsrecht. Wer beispielsweise für ein Zahnimplantat einen Kieferknochenaufbau benötigt, sollte über die verschiedenen Knochenersatzmaterialien und deren Herkunft informiert sein. Denn eine Entscheidung kann nur treffen, wer Bescheid weiß. Deshalb sollten Patienten bei ihrem Zahnarzt aktiv nachfragen und sich über die verschiedenen Möglichkeiten informieren.

"Zum Aufbau verloren gegangener Kieferknochensubstanz, z. B. durch das jahrelange Tragen einer Brücke oder einer Prothese, können verschiedene Knochenersatzmaterialien verwendet werden. In Frage kommen tierische, körpereigene oder synthetische Materialien", sagt Dr. Andreas Holweg, niedergelassener Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg aus Fulda. Was viele nicht wissen: Tierisches ("bovines") Knochenersatzmaterial wird aus Rinderknochen hergestellt. Hier stellt sich die Frage der Unbedenklichkeit des Materials hinsichtlich möglicher Infektionen.

Körpereigen oder synthetisch? – "Eine Alternative stellt körpereigener Knochen oder synthetisches Knochenersatzmaterial dar", so der Experte. Verwendet der Zahnarzt patienteneigenen Knochen, wird teilweise ein ausgedehnter zusätzlicher operativer Eingriff nötig. Denn das Material wird oft an einer anderen Stelle des Körpers entnommen, z. B. aus dem Beckenkamm oder Kieferknochen an anderer Stelle im Mund. "Mit synthetischem Knochenersatzmaterial kann man das oft umgehen. Es ist in Aufbau und Verhalten mit echtem Knochenmaterial vergleichbar", führt Dr. Holweg aus. Ein spezielles Ersatzmaterial der neuesten Generation (Osbone) fördert das körpereigene Knochenwachstum und ermöglicht durch seine poröse Struktur das Einwachsen von Blutgefäßen, durch die der neu entstandene Knochen mit Nährstoffen versorgt wird.

Ihr Zahnarzt wird Sie gerne beraten – Sie sind sich unsicher oder wollen mehr über die verschiedenen Möglichkeiten erfahren? Fragen Sie bei Ihrem Zahnarzt aktiv nach. Er nimmt seine Aufklärungspflicht sehr ernst und wird Sie gerne umfassend beraten. Dies gilt sowohl für den Eingriff selbst als auch für die verwendeten Materialien. In dem Gespräch mit Ihrem Arzt sollten Sie auch klären, wie lange die Heilung mit dem speziellen synthetischen Knochenersatzmaterial dauert und wann die Implantate gesetzt oder belastet werden können. Sie sollten auch ansprechen, ob Sie während des Eingriffs eine Vollnarkose benötigen; den meisten Patienten reicht eine örtliche Betäubung völlig aus. Nur wer all diese Aspekte berücksichtigt, ist ideal auf die anschließende Behandlung vorbereitet.