Magdeburg l Wer einmal die Rübeland-Tropfsteinhöhle im Harz besuchte, dürfte von den großen Tropfsteinen beindruckt gewesen sein. Teilweise hängen sie von der Decke. Andere türmen sich wie kopfstehende Speiseeistüten meterhoch über dem Boden auf. Entstanden sich sie durch Mineralausscheidungen. Kaum zu glauben, aber etwas Ähnliches geschieht im menschlichen Mundraum, wenn das Gleichgewicht verschiedener Mundbakterien gestört ist. Dann entstehen Zahnstein (Plaque), Karies und schmerzhafte Löcher in den Zähnen.

„Um Zahnstein und Karies zu verhindern ist eine Einschränkung beim flüssigen Zuckerkonsum ratsam“, empfiehlt Dr. Carsten Hünecke, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nimmt jeder Mensch in Deutschland jährlich rund 41 Kilogramm Zucker zu sich. Das ist mehr als das Dreifache der Menge, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen wird. Zahlreiche im Mundraum lebende Bakterien ernähren sich von Zucker und sondern dabei Säuren ab, die dem Zahnschmelz Mineralien entziehen und ihn damit schwächen.

Viele Umfragen in den vergangenen Jahren zeigen, dass die Menge des in vielen beliebten Getränken gelösten Zuckers von den meisten Menschen unterschätzt wird. Tatsächlich enthält schon eine kleine Flasche Apfelschorle (0,5 Liter) aus dem Supermarkt etwa 32 Gramm Zucker. Das entspricht immerhin acht Stück Würfelzucker. Eine 1,25-Liter-Flasche Cola, Limonade oder Ginger-Ale enthält sogar 28 Stück Würfelzucker.

„Ab dem ersten Milchzahn raten wir zu einem Zahnarztbesuch, bei dem Eltern individuell Tipps zur Mundpflege ihrer Sprösslinge erhalten können“, Dr. Nicole Primas, Vorstandsreferentin für Prävention der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt. Dazu zählt das „Einmaleins des Zähneputzens“ namens KAI. KAI ist ein Akronym, das den grundsätzlichen Ablauf des Zähneputzens beschreibt. Der Buchstabe „K“ steht für die Kauflächen. Mit deren Säuberung solle begonnen werden. „A“ steht für die Außenflächen der Zähne, deren Reinigung darauf folgt. Und der Buchtstabe „I“ steht für die abschließende Reinigung der Innenseiten. „Wenn dieser Ablauf täglich morgens und abends mit den Kindern trainiert wird, beherrschen die meisten Mädchen und Jungen ihn bereits im Vorschulalter“, so Dr. Primas.

Zähneputzen nach der KAI-Methode

Etwa ab dem fünften Lebensjahr können Kinder eigenständig ihre Zähne nach der KAI-Methode putzen. Dazu empfehlen die Zahnärzte spezielle Kinderzahnbürsten mit einem für Kinder geeigneten Griff und einem kleinen Kopf in rundlicher oder ovaler Form und weichen Borsten. Die Hersteller geben meist Altersempfehlungen auf den Verpackungen an. In der Vorschulzeit der Kinder empfehlen die Zahnärzte allen Eltern, regelmäßig die Zahnreinigung bei ihren Sprösslingen zu kontrollieren und ggf. nachzuputzen.

Färbungstabletten können dabei die Einsicht der Kinder fördern. Diese machen die Plaque farblich sichtbar, die beim ersten Putzen nicht entfernt wurde. Die Zahnzwischenräume der Kinderzähne sollten die Eltern vorsichtig mit Zahnseide reinigen – hilfreich sind hier Zahnseidesticks.