Als "Belästigung" empfindet es manch ein Bewohner von Gardelegen, dass die Freiwillige Feuerwehr des Ortes bei Einsätzen mit lautem Sirenengeheul alarmiert wird und dann mit Martinshorn und Blaulicht durch die Straßen der kleinen Stadt fährt.

Wenigstens vom Dach seines Wohnhauses solle die Sirene doch endlich verschwinden, meint ein Einwohner, nachdem wieder einmal mitten in der Nacht die Sirenen losgingen.

Weil er Verantwortung für seine Leute habe, werde er sich auch weiterhin "an die gesetzlichen Vorschriften halten", reagierte der Wehrleiter im Volksstimme-Lokalteil. Und die Sirenen in der Stadt hätten ohnehin alle Bestandsschutz. Laute Alarmierungen seien wie die nächtlichen Einsatzfahrten mit Martinshorn im Interesse der Sicherheit der Bürger.

Kann hier nicht doch Abhilfe geschaffen werden?, wandte sich der durch die starke Geräuschbelästigung vom Dach schon hörgeschädigte Gardelegener dann an die Redaktion Leseranwalt.

Wir fragten beim Ministerium des Innern Sachsen-Anhalt nach Rechtsgrundlagen für die Art und Weise der Alarmierung von Feuerwehren. Solche gibt es gar nicht, teilte die für Rechtsvorschriften und organisatorische Regelungen beim Brandschutz zuständige Behörde mit. Die Gemeinden als Träger der Feuerwehren hätten laut Brandschutzgesetz lediglich sicherzustellen, dass leistungsfähige Feuerwehren aufgestellt, ausgerüstet, unterhalten, eingesetzt und mit den erforderlichen baulichen Anlagen und Einrichtungen ausgestattet sowie vorbereitende Maßnahmen der Brandbekämpfung getroffen werden.

Leistungsfähig sei eine Feuerwehr insbesondere dann, wenn sie unter gewöhnlichen Bedingungen innerhalb von zwölf Minuten nach Alarmierung am Einsatzort eintreffen kann. Mit welchen Mitteln sie alarmiert wird, können die Gemeinden eigenständig entscheiden.

Es gibt es auch keine Regelung, die besagt, dass die Feuerwehr durch mehrere unterschiedliche Mittel - zum Beispiel Pieper und Sirene - zu alarmieren wäre und auch keine Vorschrift, an welchen Standorten Sirenen zu errichten seien. Über das Verlagern einer gemeindeeigenen Sirene (es gibt auch betriebliche) an einen anderen Standort könne ausschließlich die Gemeinde entscheiden, so die Auskunft aus dem Innenministerium.

Laut Wikipedia verfügen in Deutschland nur noch rund 16 Prozent der Kommunen über Sirenen. Vielerorts seien sie Anfang der 1990er Jahre im städtischen Bereich weitgehend abgebaut worden. Bei kleineren Wehren, die nicht vollständig mit Funkmeldeempfängern ausgestattet sind, sei die Sirenenalarmierung jedoch noch verbreitet.

Und eine solche weithin hörbare Alarmierung bei Feuer hat lange Traditionen. Als es noch keine organisierten Feuerwehren gab, warnten bereits spezielle Feuerglocken in vielen Kirchtürmen laut hörbar die Bewohner vor Feuer.

Dass auch im Zeitalter der Pieper die Feuerwehr im Katastrophenfall, bei Bränden oder schweren Unfällen zusätzlich durch lautes Sirenengeheul alarmiert wird - dafür zeigt auch der durch den Krach genervte Leser in Gardelegen ein gewisses Verständnis, nicht jedoch, "wenn eine Katze oder ein Hund gerettet wird..." (goe)