Am Ortsrand von Riba in Kenia klappern Hunderte von Holzketten. Sie hängen an den Hälsen der Kamele, die sich am Dorfrand mit Wasser volllaufen lassen.

Riba l Für die Höckertiere und ihre Wander-Hirten ist das "Borehole" mit seinen Viehtränken die einzige "Oase" im Umkreis von knapp 300 Kilometern. Hierher kommen die Nomaden aus Somalia mit ihren Tieren, um sie zu tränken.

Einer von ihnen ist Mohamed Jelle. Er hat einen 250-Kilometer-Marsch hinter sich. Der Somalier war mit der Herde, die aus den letzten Kamelen seines Clans besteht, 20 Tage unterwegs. Er wird die Paarhufer nun einen Tag rasten lassen, bevor er sich auf den 20-tägigen Rückmarsch begibt.

"Die Tiere halten 20 Tage ohne Wasser aus", weiß der Hirte. "Doch nach mehr als drei Wochen sind sie so ausgedörrt, dass sie stundenlang saufen würden. Danach könnten sie sich tagelang nicht mehr bewegen und würden nur noch herumliegen."

Doch das verhindern die erfahrenen Kamelexperten mit einem simplen Trick. Mohamed Jelle nimmt einen Teil der Gummisohle eines Flip-Flops und presst sie dem Kamel ins Maul. Dadurch kann das Tier nur langsam und in ganz kleinen Schlucken saufen. Für Kamele, die besonders wegen ihrer wertvollen Milch gefragt sind, gibt es gegenwärtig keinen Markt. Der Dürre wegen. Normalerweise bekommt Mohamed Jelle 40000 bis 50000 Keniaschilling (286 bis 357 Euro) für ein Tier. "Heute werden wir es nicht einmal für 15000 Keniaschilling (107 Euro) los. Niemand weiß doch, wie er die Kamele über die Dürre kriegt."

Ein kleiner Junge sitzt auf einem Plastikbehälter vor der Kameltränke. Er wartet darauf, dass er ihn füllen und nach Hause schleppen kann. Im Schatten der beiden Wassertürme diskutieren die Dorfältesten. Es geht um ein defektes Stromaggregat und darum, dass die Gemeinschaft kein Geld hat, das dringend benötigte Teil reparieren zu lassen oder zu ersetzen. Die Wellen schlagen hoch, und eine Lösung ist nicht in Sicht.

Dass Riba zum Anlaufpunkt der Kamel-, Ziegen- und Kuhhirten geworden ist, ist UNICEF zu verdanken. In den Dürrejahren 2005/2006 wurde mit Mitteln der Hilfsorganisation ein 150 Meter tiefes Loch gebohrt - bis auf eine Wasserader. Der Brunnen liefert fünf Kubikmeter pro Stunde.

Im vergangenen Jahr hat UNICEF im Rahmen der Dürre-hilfe ein Stromaggregat und eine Tauchpumpe bereitgestellt. Es war vorgesehen, dass die Hirten ein geringes Entgelt für das Wasser bezahlen, um die Anlage zu warten und den Betrieb zu gewährleisten. Aber aufgrund der lang anhaltenden Dürre ist kein Nomade in der Lage, etwas zu geben. Deshalb stellt UNICEF die Gelder bereit. Die Hirten können ihre Tiere unentgeltlich tränken.

Mohamed Jelle treibt die Kamele seines Clans zusammen. Er macht sich auf den Weg zurück. Das Klappern der Holzglocken wird leiser und leiser. Bis es gar nicht mehr zu hören ist.

 

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