Berlin (dpa) l Immer mehr Menschen wollen immer weniger Plastik nutzen. Denn dass dieser Müll die Weltmeere verschmutzt und in Form von Mikroplastik immer häufiger auch auf unseren eigenen Speisetellern landet, ist mittlerweile bekannt. Aber wo kann man im Alltag auf Kunststoffe leicht verzichten?

Ist Kunststoff per se schlecht?

Davon, Kunststoffe ganz generell zu verteufeln, rät Nora Sophie Griefahn vom Verein Cradle to Cradle ab. „Man kann nicht sagen, einer ist gut und der andere ist schlecht, sondern es kommt darauf an, wie sie genutzt werden“, erläutert die Expertin für nachhaltige Ressourcennutzung. „Ein Kunststoff kann gut sein, wenn er für das Nutzungsszenario passt, biologisch abbaubar ist oder leicht im technischen Kreislauf bleibt, also weiterverwertet werden kann.“

Ist Bio-Kunststoff eine bessere Alternative?

Mittlerweile taucht in den Supermarktregalen häufiger der Begriff Bio-Kunststoff auf. Hier allerdings ist Vorsicht geboten, denn der Begriff ist nicht fest definiert. „Es gibt bio-basierte Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden“, erklärt Griefahn. „Die müssen aber nicht gleichzeitig biologisch abbaubar sein. Genauso gibt es biologisch abbaubare Kunststoffe, die aber aus Erdöl hergestellt werden.“ Nur wenige Kunststoffe seien sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt als auch biologisch abbaubar.

Tobias Quast vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt sogar: „Bio-Kunststoffe halten wir momentan noch eher für Greenwashing.“ Also bewusste Verbrauchertäuschung. Denn auch wenn ein Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sei, habe das noch lange nichts mit biologischem Anbau zu tun. „Das ist meistens eher Genmais.“ Auch die biologische Abbaubarkeit, geregelt in der DIN-Norm EN 13432, sei ein leeres Versprechen, sagt Quast. „Die Norm sagt nur, dass eine solche Verpackung sich in Großkompostanlagen innerhalb von zwölf Wochen zu 90 Prozent abbauen muss. In Deutschland liegt der Kompost aber nur fünf bis acht Wochen in solchen Anlagen.“

Danach würden die Plastikreste also zum Beispiel im Kompostdünger auf die Felder gebracht – wenn sie denn überhaupt so weit kämen. „In den Anlagen wird Plastik ohnehin schon vorher aussortiert, und dabei wird nicht unterschieden, ob es bio ist oder nicht“, sagt Quast.

Wie sieht es mit recyceltem Kunststoff aus?

Recycelter Kunststoff sei wirklich gut für die Umwelt, sagt Sommer. Hier können Verbraucher sich auch durch Siegel leiten lassen: Mit dem Blauen Engel werden Verpackungen ausgezeichnet, die einen Recycling-Anteil von mindestens 80 Prozent haben.

Sollte ich Plastikprodukte aus dem Haushalt entfernen?

Aus dem Haushalt kaum wegzudenken ist Kunststoff bei Getränkeflaschen und Frischhalte- sowie Vorratsdosen. Sollte man diese so schnell wie möglich entsorgen und durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzen? „Aus Umweltsicht auf keinen Fall!“, sagt BUND-Experte Quast. „Alles, was mit Energie- und Ressourcenaufwand hergestellt wurde, soll ja möglichst lange genutzt werden.“ Eine Einschränkung macht Quast allerdings: „Einweg-Plastik würde ich grundsätzlich gar nicht nutzen, aber wenn doch, dann wirklich nur einmal“, sagt Quast.

Was ist besser – Glas- oder Plastikflaschen?

„Die Menschen unterscheiden oft nach Plastik oder Glas, aber der entscheidende Unterschied ist Einweg oder Mehrweg“, erklärt Quast. Deshalb rät er von Getränkekartons ab: Diese sind oft aus mehreren Schichten aufgebaut, die nur schwer wieder voneinander zu trennen und entsprechend schwer zu recyceln seien. Der in Mehrwegflaschen verarbeitete recyclingfähige PET-Kunststoff dagegen sei gut erprobt und auf längerfristige Nutzung angelegt. Allerdings sei Glas im Gegenzug langlebiger als PET. So lässt sich das Thema Getränke auf wenige Faustregeln zusammenfassen: lieber Flasche als Getränkekarton, lieber Mehrweg als Einweg, lieber Glas als Kunststoff – und Wasser lieber aus dem Hahn als aus der Flasche.