Hannover (dpa) l Endlich Frühling, endlich Morchelzeit! Speisemorcheln zu finden, ist der Traum des Pilzsuchers. Doch die Leckerbissen aus den Auwäldern können in seltenen Fällen auch Vergiftungen auslösen. Giftexperten raten: Nicht zu viele und nur frische Fruchtkörper essen!

Der übermäßige Genuss von Speisemorcheln und besonders der Verzehr von alten und angegammelten Exemplaren kann zu einem neurologischen Vergiftungssyndrom führen. Es macht sich unter anderem durch Unwohlsein, Kreislaufprobleme oder Durchfall bemerkbar. Nach etwa zwölf Stunden sind die Beschwerden allerdings vorüber, wie der Toxikologe Prof. Siegmar Berndt von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) erläutert. Welche Stoffe dafür verantwortlich sind, ist bisher nicht geklärt. Beim Verdacht auf eine Pilzvergiftung wenden sich Betroffene am besten an einen Giftnotruf.

Weltweit werden Morcheln geschätzt und gesammelt. Die nur selten auftretenden neurologischen Vergiftungserscheinungen haben französische Forscher anhand von 300 Fällen aus 30 Jahren untersucht. Demnach äußert sich das neurologische Syndrom im Mittel zwölf Stunden nach der Mahlzeit durch Zittern, Schwindel- oder Trunkenheitsgefühl und der Unsicherheit zu stehen und zu gehen, berichtete Berndt bei einem Treffen von Pilzsachverständigen in der Medizinischen Hochschule in Hannover. Gleichzeitig können Magen-Darm-Beschwer- den wie Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall auftreten.

Der für die Vergiftungen verantwortliche Stoff - wahrscheinlich ein hitzebeständiges Neurotoxin, das beim Kochen nicht zerstört wird - ist bisher nicht identifiziert worden, erklärt Berndt. Nach seiner Ansicht ist die Konzentration des Giftstoffes in den Fruchtkörpern der Pilze vermutlich relativ gering, weshalb die Vergiftung nur nach dem Verzehr einer großen Morchelmahlzeit auftritt.