Diese Woche blond, in der nächsten ein roter Schopf und übernächste Woche eine schwarze Mähne – Haarefärben gehört für viele zum Standard-Kosmetikprogramm. Was manchen dabei aber nicht klar ist: Unter der Prozedur leiden häufig nicht nur die Haare, sondern auch die Haut kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Alternative bieten sich Pflanzenfarben an, die seltener gesundheitsschädigende chemische Zusätze enthalten.

Magdeburg. Fast jede zweite Frau in Deutschland wechselt laut des Verbrauchermagazins "Ökotest" gerne mal ihre Haarfarbe. Viele Männer eifern nach und unternehmen etwas gegen graue Schläfen. Ob dauerhaft oder auswaschbar: Künstliche Haarfarben greifen nicht nur die Haare an, sondern können auch gesundheitsschädlich sein. So enthalten laut Ökotest eine Reihe von Haarfärbemitteln Stoffe aus der Gruppe der sogenannten aromatischen Amine, von denen einige im Verdacht stehen, krebsauslösend zu sein.

Solange dieser Verdacht nicht endgültig ausgeräumt ist, beurteilen die Ökotest-Prüfer diese Färbemittel und Tönungen als kritisch. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht hingegen davon aus, dass Haarfärbemittel nicht krebserregend sind, da besonders problematische Farbzusätze mittlerweile verboten seien und wissenschaftliche Studien zum Krebsrisiko von Haarfärbemitteln kein einheitliches Ergebnis gezeigt hätten.

Unstrittig ist, dass viele Haarfärbemittel sensibilisierend wirken und daher allergische Reaktionen der Haut auslösen können. Wer auf den Hautkontakt mit einem Färbemittel allergisch reagiert, also eine Kontaktallergie hat, zeigt Symptome wie Juckreiz, Hautrötungen, Schwellungen oder nässende Bläschen, etwa auf der Kopfhaut, im Gesicht, am Hals oder Nacken. Die Symptome können in Abhängigkeit vom Allergietyp bereits wenige Minuten nach dem Kontakt oder mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu 72 Stunden auftreten.

Zu unterscheiden sind Färbungen und Tönungen. Färbungen sind nicht auswaschbar. Beim Färben werden dem Haar Farbpigmente zugeführt oder entnommen oder beides zugleich. Dazu öffnen die Mittel die Schuppenschicht der Haare, damit die Farbpigmente ins Haar eindringen können. Häufig gehören Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid und Aufheller wie Ammoniak zu den Inhaltsstoffen.

Das betrifft vor allem das Blondieren. Dieses chemische Bleichen löst die Farbpigmente aus den Haaren, vor allem die schwarzbraunen und weniger die roten Bestandteile. Das führt in vielen Fällen zu einem gelb- oder orangestichigen Ergebnis und nicht zum gewünschten Blondton. Außerdem verändert sich beim Bleichen die Haarstruktur: Das Haar wird spröde, rau und porös. Jede Anwendung greift das Haar weiter an – mit den glanzvollen Zeiten kann es dann bald vorbei sein.

Wer allerdings glaubt, dass Tönen eine gesundheitlich unbedenkliche Alternative ist, die Haarfarbe zu wechseln, der täuscht sich. Zwar sind Tönungen auswaschbar und verlieren mit jeder Haarwäsche an Intensität, aber oft beinhalten auch sie aromatische Amine und allergieauslösende Substanzen und sind damit ebenfalls problematisch.

Für graues Haar eignen sich Tönungen oft nicht, da sie das Grau kaum abdecken. Dafür gibt es zum Beispiel die Möglichkeit des "Renaturierens". Damit soll auf künstliche Weise die ursprüngliche Haarfarbe wiederhergestellt werden. Diese mehrere Wochen dauernde Methode kann allerdings gesundheitsschädigende Nebenwirkungen haben, denn zu den Inhaltsstoffen gehört das giftige Schwermetall Blei in Form von Bleiacetat. Dies kann über die Kopfhaut in den Körper gelangen, sich in den Knochen ablagern und das Nervensystem und die Blutbildung schädigen.

Zudem lassen sich nicht alle Ursprungsfarben wiederherstellen, denn das Mittel enthält nur schwarz-braune Elemente. Blonde und rötliche Haartöne können nicht wiedererlangt werden.

Wer rein chemische Produkte lieber meiden möchte, kann zu einem pflanzlichen Färbemittel greifen. Sie eignen sich vor allem dazu, die Haare rot oder braun zu färben. Am bekanntesten und sehr effektiv ist die rote Hennapflanze. Für blonde Haartöne werden etwa Kamille, Weizen oder Kurkuma und Walnussschalen für Braunnuancen verwendet – damit werden meist aber nur schimmernde Effekte und keine kräftige Färbung erzielt.

Vor allem Blondieren oder Aufhellen funktioniert auf diesem Wege nicht. Die Pflanzenfarben sind meist pulverförmig und werden zu einer breiigen Masse angerührt und im Haar verteilt. Diesen Brei lässt man zwischen einer halben und zwei Stunden einwirken. Manche Hersteller empfehlen für ihre Mittel eine noch längere Einwirkzeit. Einige chemische Produkte brauchen hingegen nur zehn Minuten.

"Aber auch bei Pflanzenfarben sollten Verbraucher beim Kauf auf die Inhaltsstoffe achten und kontrollieren, dass keine gesundheitlich bedenklichen Zusätze enthalten sind", erklärt Dr. Christiane Roick, Ärztin und stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin im AOK-Bundesverband. Denn: Das Etikett "Naturprodukt" ist kein Garant für Natürliches. So sind einigen vermeintlich pflanzlichen Färbemitteln auch potenziell gesundheitsschädigende Chemikalien beigemischt. Das haben Untersuchungen des Ökotest-Teams gezeigt.

Manche Hersteller verwenden demnach die Bezeichnungen "pflanzlich", "Bio" oder "Natur", obwohl sie umstrittene Inhaltsstoffe verwenden. Doch auch bei rein pflanzlichen Produkten sind Kontaktallergien nicht ausgeschlossen.

Ein hohes allergieauslösendes Potenzial haben unter anderem die Färbechemikalien p-Phenylendiamin (PPD), p-Toluylendiamin (PTD), m-Aminophenol und Resorcin.

Grundsätzlich ungeeignet sind Haarfarben mit sensibilisierenden Inhaltsstoffen für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Ab November 2011 müssen Haarfärbemittel mit einem entsprechenden Warnhinweis gekennzeichnet werden. Auch Menschen mit sensibler, verletzter oder entzündeter Kopfhaut sollten auf das Färben oder Tönen der Haare ganz verzichten.