Kreuzschmerzen sind ein Volksleiden, das nicht nur Senioren betrifft. Seit einigen Jahren registrieren Mediziner auch unter jüngeren, berufstätigen Menschen eine Zunahme der Rückenbeschwerden. Manchmal sind sogar schon Schüler und Auszubildende betroffen. Als Grund nennen Mediziner fehlende oder einseitige körperliche Belastungen.

Magdeburg. "Wer rastet der rostet", heißt ein altes Sprichwort. Menschliche Gelenke können zwar nicht wie Türscharniere aus Eisen im wörtlichen Sinne "Rost ansetzen". Dennoch benötigen auch sie regelmäßige Bewegung, um funktionstüchtig zu bleiben, sagt der Magdeburger Neurochirurg Dr. Roland Minda. Das gilt nicht zuletzt für die Wirbelsäule. Stabilität und Flexibilität verdankt sie dem Zusammenspiel von 33 bis 34 Wirbeln mit der Bauch- und Rückenmuskulatur.

Ständiges Sitzen, zum Beispiel vor dem Computer, lassen die Muskeln jedoch erschlaffen. Die Folge: Beim gelegentlichen Laufen, Tragen, Heben, Drehen oder Beugen werden die Wirbelsäulengelenke überansprucht. Das gilt umso mehr bei häufigen einseitigen Fehlbelastungen. Auch psychischer Stress, beispielsweise im Studium, in der Ausbildung und im Beruf, können zu Muskelverspannungen und schlechter Körperhaltung führen. Die Folge sind Rückenschmerzen.

All das führt zu der auf den ersten Blick paradoxen Situation, dass der Rücken eines untrainierten jungen Menschen ebenso schmerzen kann wie der eines alten Menschen, der zeitlebens körperlich schwer gearbeitet hat. Neurochirurgen und Orthopäden registrieren immer öfter Patienten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, die wegen Rückenbeschwerden unter starken Bewegungseinschränkungen leiden. Mitte der 1970er Jahre, als Dr. Minda seine ärztliche Tätigkeit aufnahm, waren solche Patienten noch die absolute Ausnahme, versichert er. Heute zählen sie leider fast zum Alltag in der Arztpraxis.

Bei der Behandlung ist viel Umsicht erforderlich, denn insbesondere bei jüngeren Rückenschmerzpatienten sind im Röntgenbild oftmals noch keine Veränderungen an der Wirbelsäule erkennbar, die zum Beschwerdebild passen. Ziel der Behandlung ist es, Schmerzfreiheit mit möglichst geringen Eingriffen zu erreichen. Krankengymnastik, Physiotherapie und das Erlernen von Entspannungstechniken sind langfristig erfolgversprechend, um chronischen Rückenbeschwerden zu therapieren.

Auch wenn auf dem Gebiet künstlicher Bandscheiben und minimalinvasiver Techniken große Fortschritte erzielt wurden, sollte nach Ansicht des Magdeburger Neurochirurgen, der "operative Eingriff immer die letzte Option sein. Er solle "nur dann durchgeführt werden, wenn die Ergebnisse der Diagnostik zum Beschwerdebild passen".

Der Magdebugrer Neurochirurg rät, den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Wer in Schule und Studium viel Zeit sitzend verbringt, benötigt sportlichen Ausgleich. Das kann beispielsweise der Bolzplatz, die Schwimmhalle oder das Tanzparkett sein. Bereits ein tägliches Training von wenigen Minuten kann die Bauch- sowie Rückenmuskulatur stärken und damit indirekt auch Schmerzen an der Wirbelsäule vorbeugen.

"Weder sollte man unter Schmerzen trainieren, noch ist es ratsam, sich aufgrund von Rückenschmerzen völlig passiv zu verhalten", rät Dr. Minda. Sogar für einen Menschen, der unter Rückenschmerzen leidet, kann es sinnvoll sein, unter einer angemessen Schmerztherapie die körperliche Belastbarkeit der Wirbelsäule wieder zu stärken.