Hamburg (dpa). Thunfisch in Dosen ist nach einer Greenpeace-Untersuchung häufig widerrechtlich aus verschiedenen Arten zusammengesetzt und falsch gekennzeichnet. Die Umweltschutzorganisation habe Stichproben in zwölf Ländern analysieren lassen, teilte Greenpeace gestern mit. In der EU sei es verboten, mehrere Fischarten in einer Dose oder einer Charge zu mischen und falsch zu kennzeichnen. "Die Thunfischindustrie ist außer Kontrolle", kritisierte Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn gestern in Hamburg. "Es wird mit zerstörerischen Methoden im großen Stil gefischt und skrupellos vermarktet."

Das Problem seien die riesigen Netze. Damit werde nicht nur der gewünschte Echte Bonito gefangen. Auch Großaugen- und Gelbflossen-Thunfische gingen nach Greenpeace-Erkenntnissen ins Netz. Deren Bestände seien überfischt.

In deutschen Supermärkten fand Greenpeace nach eigenen Angaben in Dosen verschiedener Marken zwei Thunfischarten gemischt. In einer Probe aus einem niederländischen Supermarkt habe man Großaugenthun gefunden, obwohl die Verpackung Echten Bonito versprach. In Großbritannien habe eine Dose derselben Marke neben Echtem Bonito auch Kleinen Thun enthalten. Proben aus Spanien und Griechenland hätten Gelbflossen- und Großaugenthunfisch enthalten.

Greenpeace untersuchte jeweils mindestens fünf Marken in Australien, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Schweiz, Spanien und den USA. Die verschiedenen Thunfischarten lassen sich auch nach der Verarbeitung mit Hilfe von DNA-Analysen noch unterscheiden.

Die Organisation forderte die Industrie zu nachhaltigem Fischfang auf. "Der Lebensmittelhandel kann durch Auslistung der betroffenen Produkte ein klares Signal senden. Diese Branche wird sich nur unter Druck ändern", sagte Menn. "Der Lebensmittelhandel und die Verbraucher dürfen nicht länger zu unfreiwilligen Komplizen der zerstörerischen Thunfischindustrie gemacht werden."