Kleine Wohnungen sind eine Herausforderung für ihre Bewohner. Schnell sind die Räume vollgestellt. Es braucht schon Kreativität, um auf wenig Fläche alles unterzubringen und doch ein luftiges, großzügiges Wohngefühl zu erzeugen.

Berlin (dapd) l "Meist fehlt ein Raum. Das bedeutet, dass zwei Funktionen in einem Zimmer untergebracht werden müssen", sagt Uwe Völcker vom Bund Deutscher Innenarchitekten. Welche das sind, hänge von der Persönlichkeit und der Familiensituation der Bewohner ab. "Oft werden Schlafraum und Arbeitszimmer zusammengelegt oder es wird im Wohnzimmer geschlafen."

Wer in eine kleine Wohnung einzieht, sollte im Vorfeld überlegen, was er wo unterbringt. Danach kann er dann Möbel und Einrichtungsgegenstände auswählen. Für Leute mit wenig Platz eignen sich flexible Funktionsmöbel. "Es gibt zum Beispiel viele Arten von Verwandlungssofas, auf denen man tagsüber sitzen und nachts schlafen kann", sagt Uwe Völcker.

Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie empfiehlt, möglichst auf filigrane, leichte Möbel zurückzugreifen. "Auch bei den Bücherregalen muss es nicht unbedingt ein Modell mit 30 Zentimetern Tiefe sein, wenn man nur eine Taschenbuchsammlung besitzt. Dann reichen auch raumsparende Regale mit 18 bis 20 Zentimetern Tiefe." Wer wenig Platz hat, sollte möglichst jede Ecke der Wohnung nutzen, auch den Raum unter der Treppe oder der Dachschräge, empfiehlt der Innenarchitekt. "Dafür hält der Möbelhandel praktische Lösungen bereit."

Tendenziell werden die Möbel immer kleiner. Schreibtische müssen heute nicht mehr so groß sein wie früher, als noch schwere PC, Faxgeräte und Drucker darauf stehen mussten. Und die Möbel werden funktionaler. "Es gibt Sideboards mit versenkbarem Bildschirm. Da kann der Fernseher verschwinden, wenn er nicht gebraucht wird", sagt Ursula Geismann. Sessel lassen sich zu Einzelbetten ausziehen, Schuhschränke verwandeln sich nach außen hin zu großen Spiegeln.

Manche Einrichtungshäuser halten Anregungen und Muster bereit, wie man kleine Wohnungen praktisch einrichtet. Auch eine Beratung vom Innenarchitekten kann sich auszahlen. Sie kostet zwischen 60 und 100 Euro pro Stunde. Der Kunde bekommt eine Orientierung. Das spare Zeit beim Möbelkauf und könne unter Umständen teure Fehlkäufe vermeiden, meint Uwe Völcker.

Ein Innenarchitekt wird in der Regel raten, zugunsten der Bewegungsfreiheit auf das eine oder andere Möbelstück zu verzichten. "Aber der Verzicht fällt vielen Bewohnern schwer", sagt der Experte. "Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens Dinge angesammelt, die sie auch in kleineren Wohnungen um sich haben möchten. Aber wenn man immer erst das Sofa beiseite schieben muss, um an den Schrank zu gelangen, ist die notwendige Bewegungsfläche eindeutig unterschritten."

Stauraum möglichst unsichtbar machen

Ein Trick ist, nur ein einzelnes Zimmer mit hohen Schränken auszustatten. "Wenn im Schlafzimmer alle Schränke untergebracht sind, fällt das nicht weiter auf. Darin kann man dann alles verstauen, was in der Wohnung so anfällt, auch das, was eigentlich nicht ins Schlafzimmer gehört. Tagsüber stören die Schränke so nicht und nachts hat man die Augen ohnehin zu", meint Uwe Völcker. Vor allem im Wohnraum sollten keine Riesenschränke stehen. "Das macht ihn noch kleiner." Besser seien flache Sideboards. Regale bieten viel Stauraum. Sie lassen sich auch als Raumteiler verwenden, sollten dann aber möglichst so dekoriert werden, dass man noch durchsehen kann. "Das ist eine Option für langgestreckte Räume, in denen zwei Funktionen untergebracht werden sollen." Für hohe Wohnungen kann eine zweite Ebene die Lösung sein. "Ein Hochbett vergrößert beispielsweise das Kinderzimmer. Oben wird geschlafen, unten gespielt und gelernt."

Hilfreich sei, wenn in der Wohnung Abstellräume oder Nischen vorhanden sind, die als Stauraum genutzt werden können. Auch ein Keller sei in kleinen Wohnungen eigentlich unverzichtbar, aber längst nicht mehr selbstverständlich. "Weil jetzt Abstellräume nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben sind, werden zunehmend Wohnungen ohne Keller vermietet", beobachtet Uwe Völcker. Deshalb sollte man bei der Wohnungssuche unbedingt darauf achten, ob ein Keller oder Abstellraum vorhanden ist.

Helle Wände und Böden vergrößern Räume optisch

Helle Farben lassen kleine Räume größer wirken, dunkle Farben machen sie noch kleiner. Diese Grundregel muss aber nicht eisern befolgt werden. "Wer seine Wände mit großen bunten Mustern tapezieren möchte, sollte das ruhig auch in einer kleinen Wohnung tun. Er kann das ja nach einer gewissen Zeit überstreichen, wenn es ihm zuviel wird", sagt Völcker. Wichtig sei, dass sich alle Bewohner in ihren vier Wänden wohlfühlen.