Magdeburg l Es wird ernst für die 177 Medizinstudenten an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: Morgen fällt der Startschuss für den Prüfungsmarathon zum Physikum. Über 300, bundesweit einheitliche Fragen müssen schriftlich beantwortet werden. Zudem stehe eine mündliche Prüfung an. Beides gilt es an zwei Tagen zu meistern. Bei vielen verursacht der Gedanke daran Herzklopfen und Angstschweiß, weiß Professor Jörg Frommer, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Magdeburger Universitätsmedizin.

Dabei gibt einfache Methoden, um der Angst für den Prüfung oder nächsten Klausur Herr zu werden, sagt der Experte und empfiehlt – nicht nur den Studenten, sondern auch den Schülern – das Lernen und Abfragen in einer Gruppe. „Wenn ich gezwungen bin, anderen etwas zu erklären und wenn mein Wissen hinterfragt wird, wirkt das entkrampfend.“

Bei mündlichen Prüfungen sei es hilfreich, die Person zu kennen. Ein Gespräch zu den Rahmenbedingen etwa bietet die Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschnuppern. Erfahrungen mit Prüfungs- situationen sind zudem prägend. Wer etwa als Kind einen sehr strengen Lehrer hatte, kann sich im Angesicht des Prüfers daran erinnert fühlen. Deswegen rät Frommer, sich negative Erfahrungen bewusst zu machen und diese gedanklich von der Prüfung trennen.

Keine gute Idee

Von der Idee, sich den Professor nackt vorzustellen, hält Professor Frommer hingegen wenig, weil es nicht realistisch ist: „Im übertragenen Sinne ist schließlich der, der sich nackt macht, der Prüfling und nicht der Prüfer.“

Grundsätzlich ist Prüfungsangst etwas Positives – solange es sich um ein „gesundes“ Maß handelt. Sie fördere Aufmerksamkeit und Motivation. In gesteigerte Form wird das Ganze zum Problem. Frommer sagt: Schon in der normalen Bevölkerung sind 15 Prozent psychisch belastet. „Diese Zahl ist in Prüfungen mindestens doppelt so hoch.“ Den Unterschied zwischen normaler und übersteigerter Angst erklärt der Professor so: Wenn ich am Abend vor einer Prüfung etwas länger wach liege und mir durch den Kopf geht, was gefragt werden könnte, ist das normal. Wenn ich aber bis drei Uhr wach liege, schwitze und zittere, die Gedanken rasen, dann ist das zu viel der Aufregung.

Zumal das offensichtlich unnötig ist, wie die Erfolgsquote der Magdeburger Medizin-Studenten belegt: 92 Prozent (!) bestanden im Vorjahr das Physikum.

Stress beginnt bereits in der Schule

Der Druck beginnt jedoch schon oft vor der Immatrikulation. Jeder dritte Schüler in Deutschland hat mit Stress-Symptomen zu kämpfen, offenbart eine Studie der Universität Lüneburg für die Deutsche Angestellten Krankenkasse. Die Betroffenen sind gereizt, niedergeschlagen, nervös; der Kopf tut weh, der Rücken, der Bauch. Die Hälfte der Schüler mit solchen Beschwerden klagt vor allem über Stress und Leistungsdruck in der Schule.

Die Krankenkasse KKH vermeldete im Ergebnis einer Stress-Studie, dass 26 500 ihrer Versicherte im Alter von sechs bis 18 Jahren an Erschöpfungszuständen wie Burnout und Depressionen leiden. Hochgerechnet auf ganz Deutschland wären das 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche.

Nicht immer lassen sich fehlende Motivation, Überforderung, Prüfungs- oder Zukunftsängste im Kreis der Familie lösen. Für solche Fälle bieten sowohl die Uni Magdeburg als auch die Hochschule Magdeburg-Stendal eine psychosoziale Beratung an. Schüler können sich bei Problemen an ihren Klassenlehrer oder den Vertrauenslehrer wenden. Diese stellen bei einem Beratungsbedarf den Kontakt zum schulpsychologischen Dienst des Landes her.