Melkow l Weil „der Ausbildungsstand als bedenklich und somit als unzureichend eingestuft wird“ und es auch niemanden gibt, der die Nachfolge von Wehrleiter Heiko Butscher antreten könnte, hat der Rat der Verbandsgemeinde die Auflösung des Melkower Ortswehr beschlossen.

Leicht hat man es sich in der Verbandsgemeinde mit diesem drastischen Schritt nicht gemacht. Schon mehrere Monate beobachtet man die Entwicklung. Der Sozialausschuss war im vergangenen in Kenntnis gesetzt, dass die Ortsfeuerwehr ab Mitte November nicht mehr einsatzbereit sein werde, da das Einsatzfahrzeug von 1970 die anstehende Hauptuntersuchung nicht bestehen würde.

Absicherung durch Wust

Die Verbandsgemeindewehrleitung erarbeitete daraufhin ein Konzept: Fahrzeugtausch innerhalb der Verbandsgemeinde verbunden mit der Verpflichtung, die Ausbildung zusammen mit den Ortsfeuerwehren Wust und/oder Sydow durchzuführen. „Das wurde als erforderlich erachtet, da der Ausbildungsstand der Aktiven unzureichend war und auch kein Versammlungsraum zur Verfügung stand“, heißt es im Sachverhalt des Beschlusses. Und weiter: „Der Ortswehrleiter wurde über das Konzept informiert. Nach Rücksprache mit den Aktiven wurde der Vorschlag jedoch abgelehnt. Daraufhin empfahl die Verbandsgemeindewehrleitung, die Ortsfeuerwehr zu schließen, da keine Verantwortung für mögliche Fehler durch mangelnde Ausbildung im Einsatzgeschehen übernommen werden kann. Eine Absicherung des Einsatzgebietes wäre durch Wust und Sydow gegeben.“

Der Sozialausschuss lud am 4. Oktober 2017 alle der Verwaltung bekannten Aktiven ein – acht von zwölf Kameraden kamen. Sie begründeten die Ablehnung einer gemeinsamen Ausbildung mit Wust und/oder Sydow mit Ereignissen aus der Vergangenheit und erklärten, eine regelmäßige Ausbildung vorzunehmen und die gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungs-Pflichtstunden zu erreichen.

Fahrzeug geht zurück nach Kamern

Also erfolgte die Umsetzung eines Fahrzeuges, die an Bedingungen geknüpft wurde: unter Nachweis des Ausbildungsgeschehens. Nach einem halben Jahr zog die Verbandsgemeinde Fazit: „Eine positive Entwicklung konnte nicht festgestellt werden. Weder der Ausbildungsstand noch die Bemühungen, die Ausbildung zu verbessern, hatten sich geändert. Dieser Umstand war umso erstaunlicher, da bekannt war, dass die Verbandsgemeindewehrleitung die Aktivitäten intensiv kontrollieren würde.“

Deshalb empfahl die Verbandsgemeindewehrleitung erneut, die Wehr aufzulösen, da diese aufgrund des Aus- und Fortbildungsmangels nicht den Anforderungen über die Mindeststärke und -ausrüstung entspricht. Auf dieser Sitzung vor wenigen Wochen gab der Ortswehrleiter seinen Rücktritt zum 30. September bekannt. „Da kein anderer Kamerad auch nur annähernd die notwendigen Qualifikationen für die Ausübung dieser Funktion aufweist und eine Zusammenlegung in Form einer unselbstständigen Ortsfeuerwehr seitens der aktiven Kameraden kategorisch abgelehnt wird, lässt der Rücktritt des Ortswehrleiters keine andere Möglichkeit der Aufrechterhaltung der Ortsfeuerwehr zu, so dass diese aufgelöst werden muss“, begründet die Verbandsgemeinde.

Mit 15 Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde die Auflösung beschlossen. Bürgermeister Steffi Friedebold bedauerte das und wünscht sich, dass die verbliebenen Aktiven und auch Heranwachsende in den umliegenden Wehren mitmachen, „wir brauchen jeden einzelnen Kameraden“.

Nun werden die Aufsichtsbehörde und das Ministerium über die Beschlussfassung zur Auflösung informiert. Erst nachdem diese endgültig über die Auflösung entschieden haben, kann der Beschluss durchgesetzt werden. Bis dahin wird die Ortsfeuerwehr Melkow stillgelegt. Das Fahrzeug geht an seinen ursprünglichen Standort nach Kamern zurück.

Die Absicherung des Einsatzgebietes erfolgt durch Wust, die Kriterien (12-Minuten-Regelung) werden eingehalten.

Die Melkower Feuerwehr ist 1932 gegründet worden – ihre Geschichte endet somit nach 86 Jahren.

„Nach 24 Jahren Wehrleiter war die Luf

Wehrleiter Heiko Butscher blickt zwar mit etwas Wehmut zurück, zieht aber einen Schlussstrich. „Nach 24 Jahren als Wehrleiter ist tatsächlich die Luft etwas raus gewesen. Es ist wie es ist.“ Auch wenn in manchen Punkten „nicht alles ganz fair gelaufen“ sei, so schiebt er die Schuld für die Auflösung nicht von sich. „Ja, auch ich bin als Verantwortlicher Schuld an der Situation. Ich habe es nicht mehr geschafft, die Kameraden zu motivieren. Mit 53 Jahren bin ich der Jüngste in der Gruppe, in wenigen Jahren wäre ohnehin Schluss gewesen, weil nicht mehr genügend Aktive zur Verfügung gestanden hätten. Womit sollte man sie auch locken? Zumindest technisch hatten wir nicht viel zu bieten. Aber die Technik hat für uns als kleine Wehr auch gereicht.“

Zum vorgeworfenen „mangelnden Ausbildungsstand!“ erklärte er: „Alle Kameraden haben die Truppmann-Ausbildung in Fischbeck absolviert, sie verfügen also über die Grundkenntnisse und wissen beim Brand, was zu tun ist. Ich selbst bin Atemschutzgeräteträger, allerdings der einzige Melkower. Alle zwei bis drei Wochen haben wir uns zur Ausbildung getroffen, manchmal musste sie aus terminlichen Gründen aber auch ausfallen.“ Alle Melkower seien sich einig gewesen, keine Löschgruppe von Wust oder Sydow werden zu wollen.

Aktiv im Heimatverein

Auch wenn es nun keine Feuerwehr mehr im Ort gibt, so soll der kulturelle Part, den die Kameraden all die Jahre bei verschiedenen Anlässen gewährleistet hatten, auf jeden Fall fortgeführt werden. „Wir haben hier einen Heimatverein unter Leitung von Helmut Schmechtig. Fast alle Kameraden sind auch Mitglied und wir werden jetzt hier verstärkt mitmachen“, versichert Heiko Butscher. Jungen Melkowern rät er an, in den Nachbarwehren mitzumachen, „Jugendliche sind in der Wuster Jugendwehr willkommen“.